Sicherheit

Parkläufer: Das sind die Schlichter vom Schlachtensee

Seit Mitte Juni sind zwei Parkläufer in Steglitz-Zehlendorf vor Ort. Sie sind Ansprechpartner, Ordnungshüter und Helfer zugleich.

Michael und Esther sind in ihren leuchtend grünen T-Shirts an den Ufern vom Schlachtensee und der Krummen Lanke gut zu erkennen

Michael und Esther sind in ihren leuchtend grünen T-Shirts an den Ufern vom Schlachtensee und der Krummen Lanke gut zu erkennen

Foto: Katrin Lange

Berlin. Wo ein Zaun ist, ist auch ein Weg, um ihn zu überwinden. In diesem Fall sind es einige Löcher, groß genug, um durchzuschlüpfen. Auf der anderen Seite des Zauns sind die besten Badeplätze am Ufer der Krummen Lanke. Kleine Buchten, direkter Wasserzugang, einsam, ruhig. Auf der anderen Seite ist aber auch ein Naturschutzgebiet. Betreten verboten. Michael kriecht durch ein Loch, Esther hinterher. Sie haben grüne T-Shirts an und werden von den Badegästen auf den Handtüchern schon von weitem erkannt. „Hallöchen“, ruft Michael. Er weist auf den Zaun hin und dass der nicht grundlos da sei. Lächelnd, im Kumpel-Ton. „Das habe ich mir schon gedacht“, sagt ein Mann. Aber da sei ja das Loch, das auch andere genutzt hätten. Er packt ein, alle anderen auch. „Wir gehen schon“, heißt es. Und: „Ja sofort.“ Dann ist die Uferzone im Naturschutzgebiet wieder leer. Zumindest für kurze Zeit.

Pilotprojekt der Senatsumweltverwaltung

Michael und Esther laufen weiter. Denn das ist ihr Job. Sie sind Parkläufer und für die Sicherheitsfirma SI³UG an der Krummen Lanke und am Schlachtensee unterwegs. Aus Sicherheitsgründen wollen sie auch ihre Nachnamen nicht sagen. Seit dem 17. Juni sind sie im Einsatz, im Auftrag des Bezirksamtes. Anfang des Jahres hat die Senatsumweltverwaltung das Pilotprojekt „Parkmanager“ gestartet. Dafür stehen insgesamt vier Millionen Euro zur Verfügung, pro Bezirk etwa 300.000 Euro im Jahr. Die Parkmanager und die Parkläufer sollen „eine Mittlerfunktion zwischen Park und Bürgern haben, um eine für möglichst viele Menschen gute, gemeinschaftliche und natürlich auch stadtgrünerhaltende Nutzung zu ermöglichen“, so eine Sprechern der Senatsumweltverwaltung. Andere Bezirke, wie Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow und Spandau machen auch schon mit, weitere sind am Start.

Drei Grünanlagen im Bezirk ausgewählt

Das Grünflächenamt Steglitz-Zehlendorf hat sich entschieden, die Parkläufer in drei Anlagen zu schicken: an den Schlachtensee, die Krumme Lanke und in den Stadtpark Steglitz. Während im Stadtpark zwei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma vor allem darauf achten, dass die Hunde angeleint und die Jugendlichen nicht zu laut sind, sind an den Seen in der Woche vier und am Wochenende sechs Parkläufer unterwegs, immer zu zweit. Jahrelang gab es Streit zwischen den verschiedenen Nutzergruppen an den Seen. Jogger, Radfahrer, Hundehalter, Anwohner, Badegäste, Angler, Spaziergänger, Jugendliche, Naturschützer – alle meldeten ihre Ansprüche an, ständig gab es Beschwerden. Zahlreiche Debatten und Verbote brachten nichts. Jetzt ein neuer Versuch. Und der könnte klappen. Die ersten Erfolge sind offensichtlich. Bei den Anwohnern ist der Bauwagen vor der S-Bahnstation Schlachtensee, in dem die Parkläufer ihre Station haben, längst bekannt. Sie kommen und sagen Bescheid. Wo Jugendliche zu laut feiern, Grill- oder Shishadämpfe aufsteigen. „In der ersten Woche gab es keinen Tag, an dem ich nicht illegale Griller erwischt habe“, erzählt Micha. Jetzt erlebe er schon drei Tage am Stück ohne Griller.

Kurze Besprechung vor dem Rundgang

Bevor es auf den Rundgang geht, ist kurze Dienstbesprechung im Bauwagen mit Lars Larisch. Er ist der Parkmanager für Steglitz-Zehlendorf und koordiniert die Einsätze der Parkläufer. Eine Frau steckt den Kopf in den Wagen. „Wo sind denn hier die Toiletten?“, fragt sie. Esther zeigt ihr den Weg. Michael berichtet von einem nackten Mann, der sich im Busch versteckt. Drei junge Frauen hätten sich erschreckt und den Vorfall gemeldet. Lars Larisch entscheidet schnell: „Ich schicke dort noch zwei Leute hin, um das im Auge zu behalten.“

Hilfe auf dem Weg zur S-Bahn

Dann geht es los. Es ist heiß, Handtücher überall, an den Stränden, aber auch im Wald. Die beiden Parkläufer haben einen raschen Schritt, oft sind sie auch mit Fahrrädern unterwegs. Michael ist Garten- und Landschaftsbauer und hat später viele Projekte mit Jugendlichen gemacht. Esther hat einen Master und ist Sozialarbeiterin, Sozialpädagogin und hat eine Ausbildung zur Mediatorin gemacht. Hier an den Seen sind sie Ordnungshüter, Ansprechpartner, vor allem aber Helfer. Zum Beispiel wenn drei betrunkene Jungs nicht mehr allein den Weg zur S-Bahn zurückfinden. Oder wenn sie ein Paar, das auch zuviel getrunken hat, davon abhalten müssen, ins Wasser zu springen. Und sie sorgen dafür, dass nicht jeder seine Box auf der Liegewiese so laut macht, dass die Nachbarbox übertönt wird.

Hund dürfen nicht baden, sind aber nass

Auf dem Uferweg ist viel los. Radfahrer schlängeln sich an den Fußgängern vorbei. Es sind an diesem Nachmittag nicht die Jugendlichen, die sich Vorfahrt verschaffen, sondern eher ältere Radfahrer, die energisch klingelnd Platz einfordern. Aber es bleibt entspannt. Zwei Jungs sitzen mit einem Hund am Wasser. „Ihr wisst schon, dass der Hund hier nicht ins Wasser darf?“, fragt Michael. Ja, ja das wüssten sie, sagen die etwa Zwölfjährigen. Der Hund ist allerdings pitschnass. Die Parkläufer haben es bemerkt, nehmen es gelassen. Es ist nicht ihre Aufgabe zu strafen, sondern zu erinnern, zu ermahnen, auf Alternativen hinzuweisen. „Wenn ein Hund bei diesem Wetter am See Wasser trinkt, lassen wir ihn natürlich“, sagt Michael.

Eltern sollen nichts mitbekommen

In der Woche sind die Parkläufer von 13 bis 23 Uhr unterwegs, Freitag und Sonnabend von 12 bis 1 Uhr nachts. An den beiden Tagen wird gefeiert an den Seen. „Erst kommen die Jugendlichen, später die Endzwanziger, die in das Wochenende hineinfeiern“, sagt Esther. Dann geht es darum, für Ruhe zu sorgen, vor allen nach 22 Uhr. „Die Jugendlichen sind vorsichtig“, erzählt die Parkläuferin. Sie würden zwar Alkohol kaufen, hätten aber große Angst, dass die Eltern es mitbekommen. Wenn sie auftauchen, werde der Schnaps versteckt, die Ausweise hätten sie oft vergessen. Ob sie die Polizei rufen, würden sie manchmal gefragt. Das könnten sie, aber genau das ist nicht das Ziel. Allein die Ankündigung reicht. Auch wenn sie dreimal vorbeikommen und ermahnen müssen, die Musik leiser zu machen, irgendwann ist Ruhe.

Vorschläge für neue Schilder

Über die Vorfälle und Probleme spricht Parkmanager Lars Larisch mit dem Bezirksamt, der Polizei und der BSR. Dann wird nach Lösungen gesucht. „Wir haben zum Beispiel Vorschläge gemacht, wo Schilder aufgestellt werden können“, sagt Larisch. Keine langen Erklärungen, sondern kurze Hinweise – zum Beispiel auf das Naturschutzgebiet. Demnächst soll mit dem Nabu eine Broschüre entwickelt werden, in der alle Regeln am See erklärt werden.

Und warum sind die Löcher im Zaun an der Krummen Lanke noch nicht repariert? Sie hätten es immer wieder gemeldet, dann seien sie auch mal geflickt worden, sagt Michael. Aber schon einige Tage später waren neue da.