Baupläne

Drei Ideen für einen Gesundheitsstandort in Heckeshorn

Auf einem Diskussionsabend des FDP-Ortsverbandes Zehlendorf-Wildwest stellten potenzielle Investoren und Interessenten ihre Pläne vor.

Was von der Lungenklinik Heckeshorn übrig blieb: Ein Schild weist noch den Weg zur Thoraxchirurgie.

Was von der Lungenklinik Heckeshorn übrig blieb: Ein Schild weist noch den Weg zur Thoraxchirurgie.

Foto: Katrin Lange

Berlin. Wie geht es weiter auf dem Gelände der ehemaligen Lungenklinik Heckeshorn? Zu diesem Thema hat der FDP-Ortsverband Zehlendorf-Wildwest kürzlich einen zweiten Diskussionsabend in der Wannsee-Schule veranstaltet. Während in der ersten Debatte die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) ihre Pläne für eine neues Stadtquartier und die Unterbringung von bis zu 700 Flüchtlingen vorstellte, kamen beim zweiten Treffen drei konkrete Ideen für die Nachnutzung von potenziellen Investoren und Interessenten zur Sprache.

„Es ist wichtig für den Kiez, dass wir an dem Thema dranbleiben“, sagte der Ortsverband-Vorsitzende Sebastian Czaja zu Beginn der Veranstaltung. Er plädiere dafür, dass das Gelände entweder ein Gesundheitsstandort oder als Wald wieder aufgeforstet werde. Dafür gab es den ersten Beifall.

Wannseeschule braucht mehr Platz

Heike Fadeni-Biessei ist seit zehn Jahren die Geschäftsführerin der Wannsee-Schulen. Dort werden 530 Auszubildende in Gesundheitsberufen, wie Pflege, Physio und Ergo, ausgebildet. Sie hat schon lange ein Konzept erstellt und steht in den Startlöchern. „Wir müssen uns erweitern sonst können wir den Standard nicht mehr halten“, sagt die Geschäftsführerin. Sie brauche dringend Räumlichkeiten. Seit sieben Jahren sei sie damit beschäftigt, dafür einen Platz auf dem Grundstück zu bekommen. Doch sie hätte die Antwort erhalten, dass der Standort nur als Ganzes veräußert werden soll.

Klinikkonzept für Wachkoma-Patienten

Ein weiteres Konzept wurde von Jörg Heitmann, Gesellschafter der Azurit-Gruppe vorgestellt. Der Projektentwickler stand nach eigenen Aussagen von 2009 bis 2012 in regelmäßigen Kontakt mit dem damaligen Liegenschaftsfonds. Er hatte Pläne für eine Klinik für Wachkoma-Patienten, ein Demenzzentrum und ein Altenpflegeheim auf dem Gelände. Dazu sollte es einige Wohnhäuser geben, vor allem für die Mitarbeiter der Einrichtungen, und ein Atelier-Haus für Künstler. 14 Millionen Euro sollte er für das alte Klinik-Areal bezahlen. Doch dann habe er einen Anruf bekommen, dass die landeseigene Gesellschaft Vivantes das Grundstück kaufen wolle, sagt Jörg Heitmann. Damit waren die Verkaufsverhandlungen gestoppt.

Werkstätten, Kultur und Shops

Das dritte Projekt kam von Hans-Joachim Prast, Inhaber des Architektenbüros Berlin. Er habe sich 2013 für das Gelände interessiert, das zu diesem Zeitpunkt vom Liegenschaftsfonds zum freien Verkauf stand, erzählt der Architekt. Er wollte das Areal weiter als Gesundheitszentrum betrieben und dazu einige Neubauten errichten. Dafür sollten alte Bauten abgerissen werden. Für die Patienten hatte er Werkstätten, Kultureinrichtungen und Shops geplant. 300 Millionen Euro wollte er in das Projekt investieren, doch auch er kam nicht zum Zug.

Klinik steht seit 2007 leer

Alle drei Interessenten betonten in der Veranstaltung, dass sie immer noch an ihren Pläne festhalten und sie auf dem Gelände umsetzen würden. Seit dem Umzug in das Emil-von-Behring-Krankenhaus nach Zehlendorf im Juli 2007 stehen die Gebäude der Lungenklinik leer – wenn sie nicht gerade von einem Filmteam genutzt werden. Einige Krankenhausgebäude, die erst in den 1990er-Jahren entstanden, sind noch voll funktionstüchtig. Im Bebauungsplan ist das Gelände als „Sondergebiet Krankenhaus“ eingetragen. Schon heute leben auf dem ehemaligen Klinikgelände etwa 100 Flüchtlinge. Der Senat will dort weitere 600 Flüchtlinge unterbringen.

Bebauungsplan muss geändert werden

Dagegen wehrt sich der Bezirk. „Ein Herauslösen von einer 35.000 Quadratmeter großen Fläche für eine reine Flüchtlingsunterbringung macht jedes integrative und vielfältige Konzept leider unmöglich“, hatte die Bezirksbürgermeisterin in der Sitzung der Bezirksverordneten gesagt. Um auf dem „Sondergebiet Krankenhaus“ Flüchtlinge unterzubringen, muss der Bebauungsplan geändert werden. Das hat der Bezirk bis heute nicht getan. Daraufhin hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Verfahren an sich gezogen. Doch derzeit gilt ein Baustopp, den das Verwaltungsgericht Berlin wegen der Fledermäuse angeordnet hat. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigt auf Anfrage der Berliner Morgenpost, dass der Baustopp noch nicht aufgehoben wurde.

Nächste Debatte am Montag, 12. August

Der dritte Diskussionsabend des FDP-Ortsverbandes ist am Montag, 12. August, 19 Uhr, geplant. Er findet wieder in der Wannsee-Schule, Zum Heckeshorn 36, statt. Eingeladen sind neben der Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU), Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) und Katrin Lompscher (Linke), Senatorin für Stadtentwicklung. Auch diese Veranstaltung soll dazu betragen, „die Diskussion über den Standort zu versachlichen, Ideen zu sammeln und zu konkretisieren und zu einer Entwicklungsperspektive zusammenzuführen“, so Sebastian Czaja.