Schuldenfalle

Abi-Ball endet für 18-Jährige mit 2200 Euro Schulden

An der Kopernikus-Oberschule musste der Abi-Ball storniert werden. An einer anderen Schule wurde er zur Schuldenfalle.

Der Abiball der Kopernikus-Oberschule fand schließlich in der Mensa statt

Der Abiball der Kopernikus-Oberschule fand schließlich in der Mensa statt

Foto: Privat

Berlin. Ein eilig organisierter Ersatz-Ball und ein Abi-Ball, der für eine 18-Jährige mit 2000 Euro Schulden endet – für die Abiturjahrgänge von zwei Oberschulen in Steglitz-Zehlendorf ging die Schulzeit mit viel Aufregung und Ärger zu Ende.

„Ich war blauäugig“, sagt Marie, die den Ball für die Kopernikus-Oberschule an der Lepsiusstraße mitorganisiert hat. Die Veranstaltung musste in letzter Sekunde storniert werden.

Anika, Abiturientin der Bröndby-Oberschule an der Dessauerstraße, hatte den Ball-Vertrag für ihre Schule unterschrieben. „Drei Nächte lang konnte ich nicht schlafen“, sagt die ehemalige Schülerin. Jetzt hat sie Schulden. Beide Mädchen wollen ihre wahren Namen nicht in der Zeitung lesen.

Die zwei Schulen hatten ihre Bälle mit dem Unternehmen „Abiplaner“ organisiert, das ein Geschäftsbereich von Berlin Event ist. „Wir haben bis zum Schluss gemeinsam nach Lösungen gesucht“, sagt Geschäftsführer Olaf Marsson.

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Die Organisation der Abibälle beginnt in der Regel zwei Jahre vor dem Abitur. So war es auch an der Kopernikus-Schule. „Der Jahrgang über uns hatte uns den Tipp gegeben, den Ball mit Abiplaner zu organisieren“, erzählt Marie. Alles hätte gut funktioniert. Also hat sich das Abi-Ball-Komitee dorthin auf den Weg gemacht. Der strittige Punkt sei von Anfang an die Zahl der Teilnehmer gewesen, sagt die junge Frau. Sie hätten bei etwa 80 Abiturienten an maximal 200 Leute gedacht. Im Büro bei Abiplaner sei man aber bei der Kalkulation mit einem Rechner auf 380 gekommen. Kosten: 68 Euro pro Karte mit vollem Programm: Essen, Trinken, Roter Teppich, Fotografen, insgesamt etwa 25.000 Euro.

Abiturienten verließen sich auf die Experten

Da es knapp vor den Sommerferien war, hatten die Schüler auf eine Vorabfrage der Kartenwünsche verzichtet. Sie ließen sich davon überzeugen, dass der Rechner und die Experten die richtige Zahl ermittelt hatten. Marie war die einzige des Komitees, die 18 Jahre alt war. „Ich sollte mir den Vertrag durchlesen und sofort unterschreiben“, erinnert sie sich.

Heute sagt sie: „Ich hätte ihn lieber erst mit nach Hause nehmen sollen.“ Statt 380 Karten wurden nur 160 verkauft. Beide Seiten wurden kurz vor dem Ball unruhig. Abiplaner spornte die Schüler an, den Kartenverkauf anzukurbeln. Die Schüler ahnten jedoch schon, dass nichts mehr ging und versuchten, ein neues Angebot auszuhandeln. Eltern und eine Rechtsanwältin wurden eingeschaltet.

„Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir untätig waren“, sagt Olaf Marsson von Berlin Event. Ihm sei daran gelegen gewesen, dass der Ball stattfinden würde, denn er habe für die Location einen Vertrag über drei Wochen und einer festen Miete von 90.000 Euro. Daran sei nichts zu rütteln. Aber eine Schülerin wollte er auch nicht in die Insolvenz schicken. Also habe er Angebote herausgenommen und alle Kosten soweit heruntergerechnet, dass er im Prinzip nur noch mit einer schwarzen Null herausgekommen wäre.

In letzter Sekunde wurde der Abi-Ball storniert

Das neue Angebot: Etwa 16.000 Euro für 160 Teilnehmer. Doch die Summe der verkauften Karten belief sich nur auf etwas mehr als 10.000 Euro. Fehlten noch 6000 Euro. „Wir hatten zuerst gehofft, die Summe mit Spenden reinzubekommen“, sagt Marie. Aber das sei dann zu riskant gewesen. In letzter Sekunde wurde der Ball storniert, Stornogebühren: 8000 Euro.

Die werden jetzt von dem bereits gezahlten Kartengeld beglichen. Das Geld ist weg, dafür haben aber alle gemeinsam – Schule, Förderverein, Eltern und Schüler – noch einen Ersatz-Ball in der Mensa der Schule organisiert. Am selben Tag wie geplant, für 2500 Euro, mit einem Buffet, zwei Grills, Helium-Ballons, Musik und Fotograf. „Es ist ein toller Abend geworden“, sagt Marie. Berlin Event habe sich mittlerweile bei Marie für „das ganze Hin und Her“ entschuldigt, berichtet ein Vater.

Bröndby-Oberschule: Schülerin muss 2226 Euro abbezahlen

Ähnlich liegt der Fall der Bröndby-Oberschule, auch hier wurden zu wenige Tickets verkauft. „185 Karten standen im Vertrag, nur 120 wurden zum Preis von 62 Euro verkauft“, erzählt Anika. Stornieren? Zusammenlegen? Auch hier wurde nach Lösungen gesucht.

Letzten Endes gab es die Hoffnung, noch an der Abendkasse die restlichen Karten zu verkaufen. Doch nur sieben Karten gingen weg, nach Auskunft der Schülerin zum Preis von 65 Euro an der Abendkasse. 2226 Euro stehen jetzt für die nicht verkauften Karten aus, die muss Anika in Raten von 100 Euro pro Monat abzahlen. Sie hat das Abi in der Tasche und startet mit Schulden ins Leben. „Ich war eine ahnungslose Schülerin“, sagt Anika.

Eltern und Schulleiter sollen sich einschalten

Aufgrund der beiden Fälle will Olaf Marsson noch einmal intern prüfen, wie so etwas vermieden werden kann. „Vielleicht müssen wir an dem Vertragswerk etwas ändern oder Verträge mit den Schulen machen statt mit den Schülern“, sagt der Geschäftsführer.

Seit 16 Jahren organisiert der Geschäftsbereich Abiplaner Bälle, bislang mehr als 1100. Allein in dieser Saison sind es 71. „Jeder einzelne Ball ist eine neue Herausforderung, die wir stemmen“, sagt Marsson. Sein Rat: Ganz wichtig sei, an den Schulen vorher Verbindlichkeitslisten herumgehen zu lassen, um eine genaue Idee von der Anzahl der Karten zu bekommen. Das war offenbar im Fall der Kopernikus-Schule nicht geschehen. „Und wir würden uns wünschen, dass sich die Eltern oder Schulleiter mit einschalten“, so Marsson. Das sei an vielen Schulen, mit denen man langjährige Erfahrungen habe, bereits der Fall.

Anika hofft auf Hilfe, um die 2200 Euro rasch bezahlen zu können

Die Aufregung an beiden Schulen und der Ärger über die Verträge, die 18-jährige Schülerinnen im guten Glauben unterschrieben haben, hat sich etwas gelegt. Eltern und Schüler der Kopernikus-Oberschule sagen heute: „Mit dem gelungenen Ersatz-Ball hat alles noch ein gutes Ende gefunden.“ Für Anika von der Bröndby-Oberschule ist es wichtig, dass der Ball überhaupt stattfinden konnte. Nun hofft sie auf Hilfe, um die Summe von 2200 Euro rasch bezahlen zu können.