Nutzungskonzept

Sauna, Fitness und Veranstaltungen im Strandbad Wannsee

Unternehmerin Antje Lange legt ein Konzept für eine ganzjährige Nutzung des Bades vor.

Lido im Strandbad Wannsee: Nicole Ludwig (Grüne, li.) MdA und Unternehmerin Antje Lange

Lido im Strandbad Wannsee: Nicole Ludwig (Grüne, li.) MdA und Unternehmerin Antje Lange

Foto: Katrin Lange

Sie will den Sprung wagen – nicht ins kalte Wasser, aber in eine neue Ära des Strandbades Wannsee. Unternehmerin Antje Lange hat am Freitag vor dem verfallenen Restaurant Lido ein Konzept für eine ganzjährige Nutzung des Bades vorgestellt. Ihre Ideen: Sauna, Fitness-Club, die Wiedereröffnung des Lidos mit Biergarten, eine Mehrzweckhalle für Veranstaltungen und ein Kita – das alles könnte im Strandbad entstehen. „Es gibt vielleicht einige Probleme im Strandbad, nur eines nicht: nicht genug Platz“, sagt Antje Lange. Auch Investoren und Betreiber hätten sich bei ihr gemeldet.

Das Konzept wurde am Rande eines „Sportbezirkstags“ von Nicole Ludwig (Grüne), Mitglied des Abgeordnetenhauses und Sprecherin für Sport, vorgestellt. Auf ihrer Tour durch Steglitz-Zehlendorf war das Strandbad Wannsee die erste Station, als nächstes ging es zur DLRG Wasserrettung Heckeshorn und zum Stand-up-Paddeling am Schlachtensee. Eineinhalb Stunden sah sich Ludwig im Strandbad um, ließ sich den Sanierungsstau zeigen – und das völlig marode Restaurant. Sie versprach am Ende, ein Symposium mit allen Beteiligten zu organisieren, wie Denkmal- und Umweltschützern sowie den Wasserbetrieben. Die Politikerin hat nur einen Kommentar zu dem vorgestellten Konzept: „Machen!“ Man sei sich einig, dass etwas passieren müsse, so Ludwig, deshalb sollten schnell politische Entscheidungen getroffen werden. Wichtig sei, dass gute Investoren und Betreiber gefunden würden. Die Bäderbetriebe dürften mit der neuen Nutzung nicht belastet werden.

Komplettsanierung steht bevor

Das Strandbad Wannsee gehört dem Land Berlin, betrieben wird es von den Berliner Bäderbetrieben (BBB). Stefan Kreuder vom Management der Bäderbetriebe steht „vollumfänglich hinter der Idee einer ganzjährigen Nutzung“. Vor allem das Lido und der Wandelgang müssten wieder aufgebaut werden, denn es sei schon peinlich, wenn internationale Besucher kommen.

Stefan Kreuder hat derzeit aber noch andere Sorgen: Eigentlich steht nach zwölf Jahren wieder eine Komplettsanierung des Bades an. Er zeigt beim Rundgang die kaputten Fliesen und brüchigen Decken. Die Wandelgänge im Obergeschoss und die Sonnendecks sind deshalb in diesem Sommer nicht zugänglich. „Wenn man es richtig machen will, dauert die Sanierung etwas zwei Jahre“, schätzt Badleiter Steve Kleinschmager. Die Mittel sind im Senat beantragt. Sobald sie freigegeben sind, können die Ausschreibungen beginnen.

Für die Bäderbetriebe und Nicole Ludwig geht es mit dem neuen Nutzungskonzept vor allem auch darum, den Wirtschaftsfaktor „Naherholung“ im Strandbad Wannsee zu stärken. Einig sind sich alle am Freitag, dass das Bad mehr Potential bietet als nur Baden. Da gibt es noch einen ungenutzten Kinosaal, riesige Hallen, die nur als Lager dienen, kaputte Toilettenhäuschen.

Weihnachtsmarkt und Kunstevents

Das alles will Antje Lange mit Leben füllen. Sie kann sich in den Hallen A und B eine Sauna- und Wellnessanlage vorstellen und rechnet mit einer Investitionssumme von zehn Millionen Euro, Bauzeit zwei Jahre. Ein Fitness-Studio könnte im Toilettenhaus am Lido entstehen. Das Restaurant wird aufgebaut und mit einem Biergarten verpachtet. Um mehr Besucher in das Strandbad zu ziehen soll es ganzjährig Veranstaltungen geben, so ein Weihnachtsmarkt, Kunstevents, Gourmetwochen. Der Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf hätte Interesse, eine Kita im Bad zu betreiben.

Unterstützt werden die Pläne auch von den Bezirksverordneten der Grünen. Sie fordern in einem Antrag, die Nutzungsmöglichkeiten im Strandbad zu erweitern und das Lido wiederherzustellen.

In der Sitzung im Juni solle der Antrag auf der Tagesordnung stehen, so Michael Gaedicke (Grüne), Bezirksverordneter und Sprecher für Sport.

Schon vor zehn Jahren diskutierte man die Idee

Die Idee, das Strandbad Wannsee ganzjährig zu nutzen, ist nicht neu. Bereits vor mehr als zehn Jahren wurde darüber diskutiert. Damals war das Bad anlässlich des 100-jährigen Bestehens im Jahr 2007 komplett saniert worden. In diesem Zug sollte auch das Restaurant aufgebaut werden, aber es fand sich kein Investor. Die ganzjährige Nutzung scheiterte nicht nur an Investoren und Betreibern sondern auch am Denkmalschutz. Die Zeiten haben sich geändert, „Investoren sind kein Problem“, sagt Antje Lange. Für sie gibt es am Ende der Präsentation ihres Konzeptes nur eine Frage: „Wagen wir den Sprung?“