Geburtstag

Auguste Feder aus Nikolassee wird 100 Jahre alt

Auguste Feder aus Nikolassee feiert am 25. Mai ihren 100. Geburtstag. Ihre Arbeit an dem Blumenmarkt habe sie fit gehalten, sagt die Jubilarin.

Vier Generationen: Auguste Feder mit Tochter Gudrun Kühn (l.), Enkelin Nicole und Urenkel Luca

Vier Generationen: Auguste Feder mit Tochter Gudrun Kühn (l.), Enkelin Nicole und Urenkel Luca

Foto: Katrin Lange

Steglitz-Zehlendorf. An diesem Nachmittag ist Urenkel Luca zu Besuch, das ist viel schöner als Mittagsschlaf. Auguste Feder hat in ihrem Haus in Nikolassee lieber mit dem kleinen Luca gespielt, als sich auszuruhen. Jetzt sitzt sie auf dem Sofa, kein bisschen müde und ist bereit, aus ihrem Leben zu erzählen. Das begann am 24. Mai 1919 am Bodensee. Kommende Woche feiert sie ihren 100. Geburtstag – ein Ereignis, das groß im Familienkalender steht.

Sie sei nie krank gewesen, habe nie Tabletten genommen, erzählt die Jubilarin. Fit gehalten habe sie die Arbeit auf dem Blumenmarkt an der Friedrichstraße in Kreuzberg, wo sie mit ihrem Mann jahrzehntelang einen Stand hatte. Was sie aber auch ihr Leben lang mochte: geräucherten Lachs, hartgekochte Eier, Erdbeertorte und jeden Tag ein Gläschen Klosterfrau Melissengeist. Statt Wein hat sie lieber Sekt getrunken.

Mit 71 Jahren hat die Geschäftsfrau aufgehört zu arbeiten

Noch bis zum vergangenen Jahr konnte sie sich allein versorgen. Man sah sie oft in der Straße das Laub zusammenfegen, sehr gründlich, sehr genau. Seit sie im Sommer 2018 auf der Treppe gestürzt ist, braucht sie Hilfe von einer Pflegerin. Ihr Tag beginnt mit Kaffee und Haferflocken. Dazu gehört die Berliner Morgenpost, Auguste Feder will wissen, „was sonst noch passiert ist“. Wenn es kleine Kartoffelpuffer zum Mittagessen gibt, kann sie auch mal 14 Stück essen, erzählt Tochter Gudrun Kühn. Es folgen ein kleines Mittagsschläfchen und Kaffeetrinken. Dann ist Fernsehstunde. „Wer wird Millionär“ sieht sie gern. Manchmal ruft sie auch Enkelin Nicole an, zu der sie eine besonders enge Bindung hat, und erinnert sie daran, die Sendung nicht zu verpassen.

Vom Bodensee zog Auguste Feder nach Berlin - als 12-Jährige

Als Auguste Feder zwölf Jahre alt war, zog die Familie vom Bodensee nach Berlin. Der Vater hatte eine Anstellung als Werkmeister in der Hauptstadt gefunden. „Da mussten wir schweren Herzens unsere Heimat verlassen“, erinnert sie sich. Die Zeit ist ihr in bester Erinnerung geblieben, „alle waren religiös, da war Ordnung“. In Heinersdorf fand die Familie eine neues Zuhause. Nach der Volksschule machte die junge Frau eine Ausbildung zur Stenokontoristin bei Telefunken an der Goerzallee in Lichterfelde. Jeden Tag fuhr sie von Pankow in den Südwesten, „mir blieb ja nix anderes übrig“. Nach der Heirat 1953 zog sie mit ihrem Mann in eine Wohnung an der Friedrichstraße, gegenüber vom Großmarkt in Kreuzberg. Als er 1976 starb, machte sie am Blumenstand allein weiter, bis 1990. Seitdem wohnt sie in Nikolassee in dem Haus, das sie schon Jahre zuvor mit ihrem Mann gekauft hatte.

Dort laufen jetzt die letzten Vorbereitungen für das große Ereignis am kommenden Freitag. Die Erdbeertorte bei ihrem Lieblingsbäcker ist bestellt, der Piccolo kalt gestellt.