Bauhaus

Bauhaus: Das letzte Kapitel in Steglitz

Bis zur Auflösung 1933 war die Schule noch fünf Monate an der Birkbuschstraße. Wolfgang Holtz führt am Freitag über das Gelände.

Heimatforscher Wolfgang Holtz hat die letzten Monate des Bauhauses in Steglitz recherchiert. Am Freitag macht er eine Führung dazu

Heimatforscher Wolfgang Holtz hat die letzten Monate des Bauhauses in Steglitz recherchiert. Am Freitag macht er eine Führung dazu

Foto: Katrin Lange

Berlin. Nur noch ein altes Backsteingebäude aus der Zeit um 1900 steht auf dem historischen Gelände an der Siemensstraße. Es wird begrenzt von der Birkbusch- und der Nicolaistraße. Auf diesem Grundstück hatte von 1897 bis 1921 die „Neue Photographische Gesellschaft“ (NPG) - eine der bedeutendsten Fotofabriken der Welt mit 1200 Angestellten – ihren Sitz. Was weniger bekannt ist: Von Oktober 1932 bis April 1933 nutzten Bauhaus-Schüler und -Lehrer ehemalige Fabrikgebäude der NPG. In den zwölf Sälen der zwei Flachbauten wurde Malerei, Tischlerei, Schlosserei sowie Fotografie unterrichtet. Es waren die letzten fünf Monate des Bauhauses, bis es endgültig in Steglitz aufgelöst wurde. Heute gehört das Viertel zu Lankwitz.

Ausstellung am originalen Schauplatz

Heimatforscher Wolfgang Holtz hat bereits vor Jahren die Geschichte der Neue Photographische Gesellschaft erforscht und in einer Ausstellung aufgearbeitet. Jetzt hat er sich auch mit den letzten Monaten des Bauhauses befasst und Dokumente, darunter alte Pläne und Zeitungsartikel, ausgewertet. Die Ergebnisse seiner Nachforschungen sind am originalen Schauplatz an der Siemensstraße 26 in dem heutigen Institut für Medizinische Diagnostik zu sehen. Am Freitag, 10. Mai, lädt Wolfgang Holtz zu einer Führung durch die Ausstellung und durch den Kiez ein. Treffpunkt ist 16 Uhr an der Siemensstraße, Ecke Nicolaistraße, vor der Gedenktafel der „Neuen Photographischen Gesellschaft”. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos.

Kandinsky leitete die freie Malklasse

Im August 1932 musste das Bauhaus in Dessau geschlossen werden. Man unterstellte Lehrern und Schülern, kommunistisch unterwandert zu sein. „Mies van der Rohe entschied im Herbst 1932 mit etwa 100 Schülern an neuer Stelle weiterzuarbeiten“, erzählt Wolfgang Holtz. Sie zogen nach Berlin an die Birkbuschstraße 55/56, wo er die zwei Flachbauten angemietet hatte. Wassily Kandinsky leitete die freie Malklasse, Mies van der Rohe ein Bauseminar. „Nur ein halbes Jahr konnte dort gearbeitet werden“, so der Lichterfelder Heimatforscher. Immerhin hätte noch eines der legendären Bauhaus-Feste gefeiert werden können.

Hausdurchsuchung in Steglitz

Am 10. April 1933 kam es zur einer Hausdurchsuchung in Steglitz, „angeblich wurde kommunistisches Material gefunden“, so Holtz. Daraufhin wurden die Räume versiegelt, der Lehr- und Forschungsbetrieb musste beendet werden. Ein Weiterbetrieb war an mehrere Bedingung geknüpft: Dazu gehörte, dass jüdische Lehrer das Institut verlassen, nationalsozialistische Themen auf den Stundenplan gesetzt werden und einige Lehrer der Partei beitreten sollten. Diese Forderungen wurden in einer letzten Sitzung im Juli 1933 abgelehnt und die Bauhaus-Auflösung einstimmig beschlossen.

Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

Steglitz wurde damit zum letzten originalen Schauplatz und zum Schlussakkord für das Bauhaus. Daran soll zum Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ in diesem Jahr erinnert werden. Geplant sind in diesem Rahmen verschiedene Veranstaltungen im Bezirk, darunter auch geführte Rundgänge durch die Taut-Siedlung in Zehlendorf.