Senat

Infokampagne: Ab in die Tonne, aber bitte in die Biotonne

Der Senat startet eine Info-Kampagne, damit mehr Berliner noch besser den Müll trennen.

Starten eine Kampagne für die Biotonne: Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Berlin-Brandenburg, Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und Werner Kehren, Vorstand der Berliner Stadtreinigung.

Starten eine Kampagne für die Biotonne: Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Berlin-Brandenburg, Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und Werner Kehren, Vorstand der Berliner Stadtreinigung.

Foto: Katrin Lange

Berlin.  Die Familienessen ist beendet, alle Reste sind auf einem Teller gesammelt, die Servietten obendrauf und ab in den Müll. Beim Salatschnippeln steht der Mülleimer der Einfachheit halber gleich mit auf der Arbeitsplatte, damit Gurkenschalen und Blätter nicht erst zwischengelagert werden müssen. Und wer einen Komposthaufen hat, füttert den zuweilen auch mit Lebensmittelresten, wie Käse, Fisch und Fleisch. So geht es noch in vielen Haushalten zu.

Um genau dieses Verhalten zu ändern, hat die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz am Montag eine Infokampagne für die Biotonne unter dem Motto „Nachbarn werben Nachbarn“ in Zehlendorf gestartet. Ziel ist es, darüber aufzuklären, dass die Biotonne noch mehr genutzt werden soll und dass sie auch eine sinnvolle Ergänzung zum Komposthaufen im Garten ist.

Viele Kompostierer in den Außenbezirken

Im Pflanzencenter Rothe an der Clayallee waren für die erste Veranstaltung auf einer Biotonne stapelweise Sammelboxen für Küchenabfälle – genannt Biotoni – aufgebaut. „Wir starten unsere Aktion in den Außenbezirken, weil wir hier möglichst viele Kompostierer von der Biotonne überzeugen wollen“, erklärt Sprecher Jan Thomsen vorab.

So ein überzeugter Kompostierer war auch Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Sein Verband unterstützt die Aktion. „Ich habe mich eines Besseren belehren lassen“, sagt Busch-Petersen. Er wohnt in Pankow in einem Eigenheim und hält die Biotonne mittlerweile für eine „sinnvolle Ergänzung“. Denn es sei auch effektiver, nicht zu viel Kompost zu erzeugen.

20 Veranstaltungen an verschiedenen Orten geplant

An insgesamt 20 Orten wie beispielsweise Pflanzencentern, Einkaufsmärkten oder Stadtteilfesten soll in den kommenden Wochen für die Biotonnen geworben werden. „Die Hälfte aller Abfälle sind Bioabfälle“, sagt Senatorin Regine Günther. Dieser Teil, der oft noch in der grauen Restmülltonne lande, sei aber organisch verwertbar. So würden sich daraus klimafreundliches Biogas gewinnen lassen.

Deswegen hat Berlin die Bio-Tonne zum 1. April 2019 verpflichtend eingeführt. „Die Verwertung von jährlich etwa 300.000 Tonnen Bioabfällen aus den Küchen und Gärten der Stadt bietet großes Potenzial, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu verringern“, so Günther.

Die BSR betreibt heute schon 160 ihrer insgesamt 320 Müllfahrzeuge mit Biogas aus Berliner Bioabfall und spart so jährlich mehr als 2,5 Millionen Liter Diesel ein. Was bei der Vergärung übrig bleibt, kann als Kompost in der Landwirtschaft verwendet werden und spart dort Torf und künstlichen Dünger ein – beides schont das Klima. „Durch den Betrieb der Müllfahrzeuge mit Biogas werden bis zu 9000 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr eingespart“, erläutert die Umweltsenatorin.

99 Prozent der Haushalte mit Biotonnen versorgt

Werner Kehren, Vorstand der Berliner Stadtreinigung (BSR), stimmt ihr zu. „Es ist wichtig, dass wir die Erfassung von Bioabfällen ausweiten“, so Kehren. Bislang hatte die BSR 100.000 Behälter stadtweit aufgestellt. Im vergangenem Quartal sind noch einem 50.000 Behälter dazugekommen. „Das bedeutet, dass 99 Prozent der Haushalte eine Biotonne haben“, sagt der Vorstand. Bioabfälle seien etwas Sinnvolles, nicht zuletzt für den Betrieb seiner Fahrzeuge. Deshalb würde er sich über etwas mehr Abfälle in den Biotonnen freuen.

Küchen-Sammelbehälter für Bioabfälle als Prämie

Mit der Informationskampagne „Nachbarn werben Nachbarn“ sollen auch diejenigen Haushalte für die Biotonne gewonnen werden, die ihre Bioabfälle im eigenen Garten kompostieren. In den Außenbezirken gibt es noch etwa 50.000 Grundstücke ohne Biotonne. Wer jemanden aus seinem Familien- oder Freundeskreis für den Einsatz einer Biotonne als Ergänzung zum Kompost gewinnt, erhält als Prämie den Küchen-Sammelbehälter Biotoni für Bioabfälle. Dafür kann man sich unter www.berlin.de/biotonne einen Biotoni-Gutschein herunterladen und ausdrucken. Dieser muss dann in einer der Abholstellen eingelöst werden, die Adressen stehen ebenfalls auf der Internet-Seite. Beim Abholen muss der Name des Geworbenen angegeben werden.

Überdüngung ist schädlich

Nach Auskunft der Senatsumweltverwaltung macht die Biotonne auch für Selbst-Kompostierer Sinn. Denn nicht jeder organische Abfall darf auf den Komposthaufen. Fleischreste, Knochen, gekochte Lebensmittel oder altes Brot sind tabu, weil sie Ratten anlocken würden. Zudem produziert ein durchschnittlicher Haushalt mehr Bioabfall als die eigene Grünfläche an Dünger verträgt. Überdüngung ist aber genauso schädlich wie Nährstoffmangel.

Wer weniger Müll in die graue Tonne wirft, schont Ressourcen, schützt das Klima und kann Geld sparen. Denn je voller die Biotonne, desto leerer bleibt die Restmülltonne. Und wenn die Restmülltonne seltener geleert werden kann, verringern sich auch die Müllgebühren.

Zwei abgestimmte Informationskampagnen

Gemeinsam mit der BSR will die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz noch mehr Menschen vom Nutzen der Biotonne überzeugen. Mit zwei aufeinander abgestimmten Informationskampagnen werden unterschiedliche Zielgruppen erreicht: Die Informationskampagne der Senatsverwaltung ist für die gartenreichen Bezirke Berlins konzipiert. Die Informationskampagne der BSR richtet sich vor allem an die Zielgruppe der Mieterinnen und Mieter in der Innenstadt. Der Handelsverband Berlin-Brandenburg als Interessenorganisation von 2000 Handelsunternehmen in der Region unterstützt die Informationskampagnen für die Nutzung der Biotonne.