Breitenbachplatz

Abriss der Brücke als Modell für „menschengerechte“ Stadt

Der Abriss der Brücke wird von Politikern unterstützt. Er könnte ein Modell für den Rückbau der autogerechten Stadt sein.

Der Breitenbachplatz wird von der Autobahnbrücke zerschnitten

Der Breitenbachplatz wird von der Autobahnbrücke zerschnitten

Foto: Katrin Lange

Berlin.  Vor 50 Jahren stand die Stadtplanung ganz im Zeichen einer autogerechten Stadt. Zubringer, Überflieger, Autobahnkreuze – alles wurde gebaut, um schnell ans Ziel zu kommen. Heute steht die „menschengerechte“ Stadt wieder im Mittelpunkt: breite Fußwege, schnelle Radwege, schöne Stadtplätze. Sechs Initiativen aus Steglitz, Wilmersdorf und Friedenau, darunter die Initiative Breitenbachplatz, haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen (menschengerechte-stadt.de), um dafür gemeinsam Projekte auf den Weg zu bringen. Sie werden sich am 18. Mai beim Europafest auf dem Leon-Jessel-Platz in Wilmersdorf präsentieren.

Brücke könnte Modellprojekt sein

Das erste große Modellprojekt könnte die Brücke am Breitenbachplatz sein. Seit Jahren fordern Anwohner und Politiker den Abriss, jetzt ist es Thema im Abgeordnetenhaus. Die zuständigen Ausschüsse befassen sich derzeit mit einem Antrag der CDU-Fraktion, die den Rückbau der Breitenbachplatzbrücke fordert und die Aufenthaltsqualität auf dem Platz verbessern will. Die Koalitionsfraktionen SPD, Grüne und Linke hätten diese Forderung mit ihrem eigenen Antrag ausgebaut, informierte jetzt Ulrich Rosenbaum von der Initiative Breitenbachplatz die aktiven Mitstreiter.

Räume in der Stadt zurückgewinnen

Bei der SPD Wilmersdorf-Süd geht man noch einen Schritt weiter. „Der Brückenabriss könnte ein Leuchtturmprojekt zum Nachdenken darüber werden, wie in der Stadt bestimmte Räume zurückgewonnen werden“, sagt der Abgeordnete Florian Dörstelmann, der seinen Wahlkreis in Wilmersdorf Süd und Schmargendorf hat. Es sei an der Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, welchen Nutzen die Bauwerke aus der Zeit der autogerechten Stadt noch hätten. Oft würden sie Stadtfläche einnehmen, die dringend benötigt werde.

Bedeutung schöner Plätze nimmt zu

„Wenn ich am Breitenbachplatz bin und unter der Brücke stehe, bin ich jedes mal irritiert“, sagt Dörstelmann. Gerade in der heutigen Zeit habe die Bedeutung schöner Plätze wieder zugenommen. Deshalb liege ihm der Abriss der Brücke schon lange am Herzen. „Wir müssen das Thema konsequent angehen“, so der Abgeordnete. Er möchte die Planungen gern in den nächsten Jahren erleben, zumal es parteiübergreifend Zustimmung für den Abriss gebe.

Verkehr muss umgeleitet werden

Dennoch ist es mit dem Rückbau allein nicht getan. „Der Verkehr muss anders abgeleitet werden, nicht dass man ab der Schlange in die Seitenstraße fährt“, sagt Dörstelmann. Das wird auf jeden Fall ein Thema der Planungsvorbereitungen sein. Schon heute beginnen die Anwohner, sich ihren Platz zurückzuerobern. Immer mittwochs, 17 Uhr, wird auf dem Breitenbachplatz Boule gespielt.