Museumsdorf Düppel

Mittelalter-Dorf soll Neubau aus Holz und Lehm erhalten

Im Museumsdorf Düppel soll in den nächsten Jahren ein multifunktionales Haus entstehen. Bei dem Entwurf kann das Publikum mitreden.

Studenten der Technischen Universität Berlin bei einer ersten Vor-Ort-Studie im Museumsdorf Düppel

Studenten der Technischen Universität Berlin bei einer ersten Vor-Ort-Studie im Museumsdorf Düppel

Foto: Matt Crabbe

Das Museumsdorf Düppel braucht einen Neubau. Das hatte der Senat 1995 beschlossen. Fast 25 Jahre später werden die Besucher der mittelalterlichen Siedlung an der Clauertstraße in Zehlendorf noch immer von Containerbauten aus den 1970-er Jahren empfangen. „Sie sind nicht nur in die Jahre gekommen, sondern auch immer wieder ein Sanierungsfall“, sagt Museumsleiter Marcus Geschke. Jetzt könnte endlich Bewegung in das Neubauprojekt kommen. Zum einen hat die SPD auf ihrem Landesparteitag Ende März einen Antrag beschlossen, mit dem sie den Senat auffordert, „für die Errichtung eines Mehrfunktionsgebäudes im Museumsdorf Düppel, unter dem Dach des Stadtmuseums Berlin, zeitnah die rechtlichen und finanziellen Voraussetzung zu schaffen.“ Damit ist der Neubau Thema im Senat.

Studenten stellen ihre Ideen vor

Zum anderen hat Eva Fassbinder, Diplomingenieurin für Architektur und im Vorstand des Förderkreises Museumsdorf Düppel, ein Projekt mit Studenten der Technischen Universität Berlin gestartet. Sie sollen erste Ideen für die Errichtung des Neubaus zusammentragen, die dann in öffentlichen Veranstaltungen diskutiert werden. Am Sonntag, 5. Mai, 14 Uhr, stellen die 24 Master-Studenten ihre ersten Ergebnisse im Museumsdorf Düppel vor. Die Veranstaltung ist öffentlich, jeder kann mitreden und seine Vorstellungen einbringen.

Ausstellungen, Bibliothek und Archiv

Das neue zweistöckige Gebäudes soll auf dem Wirtschaftshof auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern entstehen und Verwaltung und Museumsbetrieb vereinen. Geschätzte Kosten: zwischen fünf und zehn Millionen Euro. Das Mehrzweckgebäude erfüllt seinen Namen: Neben Kassenbereich, Museumsshop, Büros und Sanitäreinrichtungen soll es auch Platz für Ausstellungen, ein Labor für experimentelle Archäologie, eine Lehrküche und Seminarräume geben. Der Förderverein kann sein Archiv dort unterbringen, außerdem sind eine Bibliothek und ein Café geplant.

Entwürfe gemeinsam diskutieren

„Das Haus soll ein öffentlicher Raum werden, also soll auch die Gemeinschaft darüber entscheiden“, sagt Eva Fassbinder. Wichtig sei, zusammen zu diskutieren und die Entwürfe zu gestalten. In einer ersten Studie vor Ort haben sich die Studenten das Museumsdorf, das auf den Grundmauern einer alten Siedlung aus dem 12. Jahrhundert entstanden ist, unter bestimmten Fragestellungen genauer angesehen. Welche Ressourcen existieren in und um das Museumsdorf? Wer sind die Akteure in Düppel? Welches Wissen wird hier erworben und gewonnen? Die Studenten haben Besucher, Vereinsmitglieder und Mitarbeiter befragt, um eine Idee davon zu bekommen, welche Anforderungen der Neubau erfüllen muss.

Wiederverwendbare Materialien

Für Eva Fassbinder ist neben der öffentliche Debatte auch das Thema „zirkuläre Bauweise“ ein wichtiger Aspekt bei dem Projekt. „Es sollen nur Materialien verwendet werden, die hinterher komplett wiederverwendet oder kompostiert werden können“, sagt die Architektin. Holz, Lehm und Bambus seien die Baustoffe der Zukunft. Auf Holz und Lehm werde man mit Sicherheit für den Neubau in Düppel zurückgreifen. Bis zum Herbst, so ihre Planung, solle das Grundkonzept stehen.

Museum soll das ganze Jahr öffnen

Der Neubau ist nicht nur aus Gründen des heutigen Arbeitsschutzes notwendig. Die Container sind nicht isoliert, die Heizkosten enorm, ständig stehen Reparaturen an. Ein weiterer Grund ist aber auch der geplante Ganzjahresbetrieb. Noch vor einigen Jahren war das Museum nur von Ende März bis Oktober geöffnet, heute beginnt die Saison einen Monat eher und endet im Dezember. „Im Prinzip haben wir fast keine Saison mehr“, sagt Museumsleiter Marcus Geschke. Aber gerade in den Wintermonaten werde ein festes Haus mit Ausstellungsräumen für die Besucher gebraucht.

Immer mehr Besucher in Düppel

Seit Jahren nehmen die Besucherzahlen zu. Waren es 2016 insgesamt 37.000, kamen 2017 schon 47.000 und im Jahr 2018 immerhin 55.000. Wäre das Museum das ganze Jahr geöffnet, könnten die Zahlen noch einmal gesteigert werden, so Geschke. Er hat vor zwei Jahren ein Betriebskonzept für das Museumsdorf erstellt und dafür die Zustimmung vom Stiftungsrat bekommen. 50 Seiten ist es lang. Wichtigster Punkt: der Neubau. Jetzt hofft er, so schnell es geht, auf den Senatsbeschluss und die Finanzierung, damit es endlich losgehen kann.

Alltag wie vor 800 Jahren

Das Museumsdorf Düppel ist ein einzigartiges Beispiel für experimentelle Archäologie. Das Alltagsleben im Mittelalter soll so getreu wie möglich nachempfunden werden, im Museum läuft das Leben wie vor 800 Jahren ab. So werden zum Beispiel mittelalterliche Handwerkstechniken vorgeführt, wie Holzschnitzen, Spinnen, Korbflechten und Teerschwelen. Auf der Weide stehen Skudden – eine alte Schafrasse sowie Hinterwäldler Ochsen.