Lichterfelde-Süd

Baracken der Kriegsgefangenen sollen erhalten bleiben

Einstimmig wurde der Einwohnerantrag für einen Lern- und Gedenkort in den authentischen Gebäuden des Kriegsgefangenenlagers angenommen.

Noch immer stehen Reste der originalen Baracken auf dem ehemaligen US-Militärgelände „Parks Range“ in Lichterfelde-Süd.

Noch immer stehen Reste der originalen Baracken auf dem ehemaligen US-Militärgelände „Parks Range“ in Lichterfelde-Süd.

Foto: Reto Klar

Berlin. So einig sind sich die Bezirksverordneten in Steglitz-Zehlendorf selten: Alle sechs Fraktionen, von Linke bis AfD, haben einstimmig einen Antrag beschlossen, den die Einwohner gestellt haben. Die Initiative für einen historischen Lern- und Gedenkort Lichterfelde-Süd hat in dem Antrag gefordert, die authentischen Gebäuden des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag III D als Ort der Erinnerung zu erhalten. Das soll jetzt auch im Bebauungsplan berücksichtigt werden.

Fast 1200 gültige Unterschriften eingereicht

Fast 1200 Unterschriften hat das Aktionsbündnis Lichterfelde Süd gemeinsam mit der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde (IKZ) und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) für den Einwohnerantrag gesammelt und im Amt eingereicht.

Alle zusammen kämpfen seit längerem dafür, dass die Reste der Baracken des Kriegsgefangenenlagers aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gelände zwischen Osdorfer Straße, Landweg und Réamurstraße, dessen Geschichte erst jetzt aufgearbeitet wird, erhalten bleiben. Die Groth-Gruppe will auf dem Gelände ein neues Stadtquartier mit 2500 Wohnungen, Schule und Kita errichten.

Stiefkind Erinnerungskultur

„Es gab Zeiten, da war Gedenk- und Erinnerungskultur das Stiefkind im Bezirk, das man gerne im Keller versteckt hätte“, sagt Annette Pohlke, Vertrauensperson des Einwohnerantrags. Die Entscheidung der Bezirksverordneten zeige, dass diese Zeiten vorbei seien und das Thema großen Rückhalt bei der Bevölkerung und in der Versammlung der Bezirksverordneten habe.

Hans Porep, ebenfalls Vertrauensperson, ergänzt: „Wir werden sehr genau beobachten, wie es jetzt weiter geht, und die Bezirksverordneten gegebenenfalls an das Votum, das sie gefällt haben, erinnern.“ Der Wille der Einwohner soll auch bei den konkreten Baumaßnahmen berücksichtigt werden.

Workshops zum Bebauungsplan

Mit der Verabschiedung des Antrags muss der Lern- und Gedenkortes in den erhaltenen Baracken des Lagers im Bebauungsplan festgeschrieben werden. Vor der öffentlichen Auslegung der Pläne gibt es erstmals ein besonderes Angebot für Anwohner und Interessierte: Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) plant drei Workshops, in denen erklärt werden soll, wie Bebauungspläne zu lesen sind und welchen Einfluss die Öffentlichkeit nehmen kann.

„Die Bürger sollen verstehen, was dort eigentlich ausgelegt wird“, sagt Cerstin Richter-Kotowski. Ein Workshop solle sich speziell an Kinder- und Jugendliche richten.

Lager wurde im Krieg zerstört

Das Kriegsgefangenenlager wurde im August 1940 als Stammlager Stalag III D in Betrieb genommen. Die meisten Insassen stammten aus Frankreich und wurden sofort zur Arbeit eingesetzt. Das Lager wurde im Krieg zerstört und 1945 aufgelöst. Von 1953 bis 1994 nutzte die Berlin-Brigade der US-Army das 100 Hektar große Gelände. Auf dem Truppenübungsplatz befand sich eine Häuserkampf-Anlage. Seit 2012 gehört das Areal der Groth-Gruppe.

Die Reste des Kriegsgefangenenlagers, darunter noch alte Baracken, in denen zwischenzeitlich Gewerbe war, wurden erst vor knapp zwei Jahren wiederentdeckt. Sie sollen unter Denkmalschutz gestellt werden, ein Antrag beim Landesdenkmalamt ist eingereicht.