Fragespiel

Wie wird man Quizmeister, Herr Klussmann?

Der Berliner Sebastian Klussmann ist TV-Quizzer bei "Gefragt - Gejagt". Am Wochenende organisiert er die Deutsche Quiz-Meisterschaft.

Der Besserwisser: Quizspieler Sebastian Klussmann will nicht alles googeln müssen.

Der Besserwisser: Quizspieler Sebastian Klussmann will nicht alles googeln müssen.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Manchmal hilft beim Quizzen nur Tinder. So jedenfalls hat sich Sebastian Klussmann Ländervorwahlen eingeprägt. Eine lästige, aber nötige Aufgabe für Quizzer wie den 29-Jährigen. „Damit habe ich immer viele Probleme gehabt.“ Dann kam Tinder. Klussmann reist gerne und viel. Auch in Italien, Polen oder Russland habe er die Dating-App genutzt und Bekanntschaften gemacht. Die Ländervorwahlen hätten sich dadurch „emotional verknüpft“, wie er es nennt. „So habe ich mir in letzter Zeit wirklich viele Vorwahlen gemerkt.“

Die meisten Menschen würden die Wissenlücke getrost in Kauf nehmen. Klussmann nicht. Er ist einer der besten Quiz-Spieler Deutschlands. Wenn der Steglitzer an diesem Wochenende bei der Deutschen Quiz-Meisterschaft in Moabit antritt, könnte die Antwort auf die polnische Vorwahl entscheidend sein. Die Konkurrenz ist groß und wächst stetig. Denn Leute wie Klussmann, Fernseh-Quizzer in der ARD-Sendung „Gefragt – Gejagt“ und Gründer des Deutschen Quiz-Vereins, befeuern einen anhaltenden Boom. Sie haben Quizzen vom Zeitvertreib zum beliebten Hobbysport gemacht.

Im Moabiter Loewe-Saal treten am Sonnabend und Sonntag rund 260 Spieler aus ganz Deutschland an. Klussmann begeistert diese Zahl. „Vor ein paar Jahren habe ich noch die Hundert gefeiert.“ Längst sind sie in andere Dimensionen vorgestoßen, müssen immer größere Räume mieten. Dabei fing alles erst vor wenigen Jahren ganz klein an. 2011 gründete Klussmann zusammen mit sieben Gleichgesinnten in einer Charlottenburger Kneipe den Deutschen Quiz-Verein.

„Da nahm das Quizzen als Wettbewerbssport in organisierter Form in Deutschland seinen Lauf.“ Und es entwickelt sich gut. Mittlerweile hat der Verein 470 Mitglieder an über 30 Standorten in Deutschland. Beim einmal monatlich stattfindenden Deutschland-Cup , einer Art dezentral ausgerichteter Bundesliga, nehmen in Berlin rund Hundert Quizzer regelmäßig teil.

Sebastian Klussmann: Vom Hobby- zum Berufs-Quizzer

Auch Klussmann saß am vergangenen Sonntag wieder beim Deutschland-Cup in der Schwartzschen Villa in Steglitz bewaffnet mit einem Stift über dem Fragebogen. 100 Fragen von Politik, über Literatur bis Naturwissenschaften galt es zu beantworten. Klussmann schaffte 77. Ein Top-Wert, der jahrelanges Lernen und viel Leidenschaft fürs Faktenwissen verlangt. Klussmann bringt sie mit.

Angefangen hat es im Kindesalter. Als Achtjähriger schaute er mit seiner Oma Ratesendungen im Fernsehen und quizzte gegen sie. Das Interesse, sich Wissen aus unterschiedlichsten Bereichen anzueignen, begleitete ihn durch seine Jugend. Zum Wettbewerbsquizzen kam er 2007 über ein Pub-Quiz in England. „Ich fand die Idee ganz toll, mit Freunden in ein Pub zu gehen und zusammen zu quizzen“, sagt er.

Zurück in Berlin ging er auch hier zum Kneipen-Quizzen. Kurze Zeit später stieß er auf die Weltmeisterschaft, organisierte den Wettbewerb in Berlin, flog zur Europameisterschaft nach England und stieß zur Nationalmannschaft. Im Folgejahr wurde er zum Gründungspräsidenten des Deutschen Quiz-Vereins. Das Hobby wurde entgültig ein enormer Teil seines Lebens – und später zum Beruf. Seit 2013 ist er einer der Jäger bei der ARD-Quizsendung „Gefragt – Gejagt“, einem absoluten Quotenhit im Ersten.

Faktenwissen hält Sebastian Klussmann notwendig für die Demokratie

Was macht den Reiz beim Quizzen aus? „Es ist eine Art Wettbewerb. Eine Möglichkeit zu messen, wie gut ich bin.“ Dann komme der weitere Reiz: das Dazulernen. „Für mich ist Quizzen vor allem auch eine Möglichkeit, an Wissen heranzukommen, auf das ich vorher nicht gestoßen wäre.“ Fragen, die er nicht beantworten kann, markiert er, macht Fragezeichen hinter Begriffen in der Fragestellung, auf die er gar keine Antwort liefern soll, um sich später mit den Themen zu beschäftigen.

So hätten sich schon neue Hobbys entwickelt, sagt er. „Bei der ersten Europameisterschaft gab es einige Fragen zu moderner Kunst.“ Ein Thema, das ihn nicht sonderlich interessierte. „Aber ich fand spannend, was ich gesehen habe.“ Durch die Fragen habe er geschaut, welche Museen es überhaupt dafür gebe. „So hat sich ein großes Hobby entwickelt.“

"Besserwisser" ist der Spitzname von Sebastian Klussmann

Wer viel weiß, gilt schnell als Besserwisser – sein Spitzname bei „Gefragt – Gejagt“. Damit umzugehen, habe er erst lernen müssen. „Früher bin ich gleich reingegrätscht und habe unbedingt zeigen müssen, dass ich das besser weiß.“ Heute sei er gelassener, schaue, wie sich das Gespräch entwickele. Bei unbedeutenden Randfakten, halte er sich zurück. Stehe das zweifelhafte Wissen im Zentrum des Gesprächs, stelle er es jedoch richtig. Genauso, wenn er auf arrogante Gesprächspartner treffe. „Wenn da jemand ist, der sich in seinem Besserwissertum sonnt, dann muss ich einschreiten. Da möchte ich die Federn rupfen.“

Dabei ist pures Faktenwissen immer mehr Menschen egal. Das Wissen der Welt tragen sie immer googlebar in der Hosentasche mit sich herum. Für Klussmann hat es dennoch seinen Wert. „Man sollte sein Hirn nicht in die Cloud auslagern“, findet er. „Unsere Demokratie funktioniert nur, wenn wir mündige Bürger haben, die Dinge einordnen können, die auch außerhalb ihres eigenen Berufsfeldes liegen.“ Mit dem Fakt im Kopf könne man bessere Schlüsse ziehen und Nachfragen stellen. „Je mehr wissen wir haben, desto differenzierter sehen wir die Welt.“

Das nutzt Klussmann auch in anderen Bereichen. Neben den Fernseh-Auftritten arbeitet er als Berater für auswärtige Politik. Zudem moderiert er Quizze bei Unternehmensfeiern und hält Vorträge dazu, wie man sich Dinge besser merken kann. Er empfiehlt: Wissen über Sinneseindrücke verknüpfen. So wie mit Tinder.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen am 16. Februar 2019.

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