Gedenkort

Mehr als 1200 Unterschriften für einen Erinnerungsort

Das Aktionsbündnis Lichterfelde Süd will die Baracken des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers am Landweg erhalten.

Reste alter Baracken, die zum Kriegsgefangenenlager in Lichterfelde Süd gehörten

Reste alter Baracken, die zum Kriegsgefangenenlager in Lichterfelde Süd gehörten

Foto: Reto Klar

Tausend Unterschriften hätten sie gebraucht, genau 1270 sind zusammengekommen. Damit dürfte einem Einwohnerantrag für einen historischen Erinnerungs- und Lernort auf dem ehemaligen Militärgelände Parks Range in Lichterfelde Süd nichts mehr im Wege stehen. Nach einer Prüfung durch das Bezirksamt wird der Antrag in der Versammlung der Bezirksverordneten beraten. Das Aktionsbündnis Lichterfelde Süd hat gemeinsam mit der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde (IKZ) und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) die Unterschriften gesammelt und im Amt eingereicht. Sie wollen erreichen, dass die Reste der Baracken des Kriegsgefangenenlagers aus dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gelände zwischen Osdorfer Straße, Landweg und Réamurstraße, dessen Geschichte erst jetzt aufgearbeitet wird, erhalten bleiben. Dafür haben die drei Initiativen auch einen Antrag auf Denkmalschutz beim Landesdenkmalamt gestellt.

Auf dem Grundstück, das bis 1994 von den US-Alliierten genutzt wurde, plant die Groth-Gruppe ein neues Stadtquartier. Geplant sind 2500 Wohneinheiten, davon etwa 2100 Wohnungen in Geschossbauten. Dazu sollen etwa 400 Doppel- und Reihenhäuser entstehen. Der städtebauliche Vertrag zwischen Investor und Bezirk, in dem Einzelheiten des Bauprojekts festgelegt sind, ist bereits unterschrieben. Doch vor knapp einem Jahr stellte sich heraus, dass einige Baracken auf dem noch teils gewerblich genutzten Gelände aus dem Zweiten Weltkrieg stammen und als Unterkunft für Kriegsgefangene genutzt wurden.

Das Landesdenkmalamt hat bereits signalisiert, dass es so viele Baracken wie möglich erhalten will. Auch die Groth-Gruppe ist daran interessiert, eine Lösung zu finden, und befindet sich in Gesprächen mit den beteiligten Ämtern. „Der Einwohnerantrag wird inzwischen von den Linken und der SPD mit eigenen Anträgen in der Bezirksverordnetenversammlung unterstützt“, sagt Gerhard Niebergall vom Aktionsbündnis Lichterfelde Süd. Positive Aussagen gebe es auch von der FDP und den Grünen, sowie „Wohlwollensäußerungen“ der CDU. Entscheidend sei jetzt, so Niebergall, dass in dem Bebauungsplan 6-30 für Lichterfelde Süd ein historischer Erinnerungs- und Lernort in zu erhaltenden authentischen Gebäuden festgesetzt wird.

Im Jahr 1938 errichtete die Reichsbahnbaudirektion auf dem Gelände an der Osdorfer Straße, Ecke Landweg ein Lager für sudetendeutsche Arbeiter. Am 1. Dezember 1939 übernahm die Wehrmacht das Lager, um Kriegsgefangene unterzubringen. Offiziell wurde es im August 1940 als Stammlager Stalag III D in Betrieb genommen. Im Januar 1941 stammten die meisten Insassen aus Frankreich, die sofort zur Arbeit eingesetzt wurden. Das Lager wurde im Krieg zerstört und 1945 aufgelöst. Von 1953 bis 1994 nutzte die Berlin-Brigade der US-Army das 100 Hektar große Gelände. Auf dem Truppenübungsplatz befand sich eine Häuserkampf-Anlage. Seit 2012 gehört das Areal der Groth-Gruppe, die dort ein Stadtquartier mit Wohnungen, Schule, Kita und Geschäften plant.