Krankenhaus

Charité will Kinderrettungsstelle in Steglitz schließen

Die kinderärztliche Notfallversorgung am Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz soll geschlossen werden. Die CDU protestiert.

Das Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz.

Das Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz.

Foto: imago stock / imago/Schöning

Berlin. Die Charité möchte die Kinderrettungsstelle am Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz schließen. Man sei mit der Senatswissenschaftsverwaltung im Gespräch, „ob die Fortführung der kinderärztlichen Notfallversorgung an einem Krankenhaus ohne Kinderklinik einerseits erforderlich und andererseits qualitativ noch vertretbar ist“, teilte Charité-Sprecherin Manuela Zingl mit. Eine Entscheidung dazu stehe aber noch aus.

Die Kinderklinik am Steglitzer Universitätsklinikum wurde bereits in den 90er-Jahren geschlossen. Die Charité hält es nicht für sachlich geboten, dort die Kinderrettungsstelle weiterzubetreiben. Sie verweist auf den erheblichen Bedarf an qualifiziertem Personal für nur wenige Behandlungsfälle. Die Fachärzte, so die Charité, seien oft nur unter großen Schwierigkeiten bereitzustellen und fehlten dann an anderer Stelle – vor allem im Virchow-Klinikum (RVK) in Wedding, wo 100 Kinder pro Tag in der Rettungsstelle behandelt würden.

Am Benjamin Franklin seien es maximal zehn pro Tag. Kinder, die nach einer Untersuchung und Erstversorgung in der Rettungsstelle stationär aufgenommen werden, müssten wegen der in Steglitz fehlenden Kinderstation ohnehin in ein anderes Krankenhaus transportiert werden.

Überarbeitetes Versorgungs-Konzept liegt vor

Rund um den Jahreswechsel 2017/2018 hatte die Charité die Kinderrettungsstelle schon einmal wegen Personalmangels für mehrere Wochen geschlossen. Die Schließung wurde damals sehr kurzfristig angekündigt. Sie sollte ursprünglich auch an Weihnachten und Silvester gelten, was einen Sturm der Entrüstung auslöste und kurz darauf revidiert wurde.

Die Wissenschaftsverwaltung war aber im Gegenzug bereit, eine Schließung zu prüfen, wenn die Charité ein Konzept vorlegen kann, wie der Versorgungsauftrag durch niedergelassene Kinderärzte und andere Krankenhäuser im Süden Berlins erfüllt werden kann. Die Charité habe im vergangenen Frühjahr ein solches Konzept präsentiert, das allerdings Fragen offen ließ, sagte der Sprecher der Wissenschaftsverwaltung, Matthias Kuder. Ein mehrfach überarbeitetes Konzept liege inzwischen vor.

Entscheidung soll bald fallen

Dieses werde nun mit der Senatsgesundheitsverwaltung abgestimmt und auch mit verschiedenen Partnern, etwa Vivantes-Kliniken, Krankenkassen sowie niedergelassenen Ärzten, besprochen. Die Entscheidung solle „bald“ fallen. Die kinderärztliche Notfallversorgung werde auch Thema der nächsten Charité-Aufsichtsratssitzung im März sein. Wichtigstes Ziel sei, die Versorgung sicherzustellen.

Auf einer kürzlich von Adrian Grasse, forschungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, organisierten Veranstaltung zur Kinderrettungsstelle im Steglitzer Klinikum, nannte der ärztliche Direktor Ulrich Frei vor allem wirtschaftliche Gründe für die Schließung. „Aus Sicht der CDU wäre das die falsche Entscheidung“, sagte Adrian Grasse im Anschluss. Denn die Entwicklung in Steglitz-Zehlendorf, also auch der Zuzug vieler Familien mit Kindern, werde nicht berücksichtigt. „Wir machen weiter politisch Druck“, so Grasse.

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