Stadtentwicklung

Vom Tieranatomischen Theater zum modernen Campus

Wie haben Bauten der Wissenschaft das Stadtbild geprägt? Dieser Frage geht eine neue Ausstellung an der Freien Universität nach.

Der Hörsaal des Tieranatomischen Theaters der Humboldt-Universität.

Der Hörsaal des Tieranatomischen Theaters der Humboldt-Universität.

Foto: pa

Berlin. Seit 1565 ist das Stadtschloss in Berlins Mitte nicht nur eine Residenz sondern auch ein Ort der Wissenschaft. Die Kunstkammer enthielt zu dieser Zeit erste wissenschaftliche Instrumente und naturkundliche Sammlungen. In diesem Jahr wird die Wissenschaft in das wiederaufgebaute Schloss – das repräsentative Humboldt-Forum – zurückkehren. Damit hat sich der Kreis geschlossen. Wie haben Bauten der Forschung und Wissenschaft das Stadtbild Berlins geprägt? Das ist das Thema einer Ausstellung, die bis zum 10. März 2019 im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin zu sehen ist.

Gezeigt werden mehr als 300 Jahre Geschichte der Berliner Wissenschafts- und Stadtentwicklung, unter anderem im Vergleich mit anderen europäischen Städten. Konzipiert wurde die Ausstellung „Architekturen der Wissenschaft“ von der Historikerin Gabriele Metzler von der Humboldt-Universität zu Berlin.

Gleich am Anfang des Rundgangs bekommt der Besucher an einem interaktiven Stadtplan einen Überblick darüber, wie sich Universitäten und Akademien in der wachsenden Stadt mehr und mehr verteilt haben. Es beginnt im Jahre 1710 mit den ersten Gebäuden außerhalb des Festungsgrabens, darunter der Charité. 1809 wird das Prinz-Heinrich-Palais Universitätsgebäude. Im frühen 19. Jahrhundert wird die Charité ausgebaut, es kommen die Tiermedizin, die Bauakademie und die neue Sternwarte dazu. Im späten 19. Jahrhundert entstehen die ersten Institutsbauten, insbesondere für die Naturwissenschaften.

Die ersten dezentralen Einrichtungen werden im frühen 20. Jahrhundert gebaut, so geht die Hirnforschung nach Buch, der Botanische Garten zieht nach Dahlem. Nach 1945 wird der Campus der Freien Universität nach und nach ausgebaut. Heute sind die Wissenschaftsstandorte über das gesamt Stadtgebiet verteilt.

Die Ausstellung zeigt aber auch, wie sich eine Architektur herausbildet, die immer mehr auf die Bedürfnisse der Forschung zugeschnitten war. Anfangs wurden vor allem repräsentative Bauten für die Wissenschaft umgenutzt, wie zum Beispiel das Prinz-Heinrich-Palais. Es entstanden aber auch neue Bauten im Stil des preußischen Frühklassizismus, wie zum Beispiel das Tieranatomische Theater.

Repräsentation oder Funktionalität – hieß es im Handbuch der Architektur im Jahr 1905, und „ob es wohl zweckmäßig sei, mit ungewöhnlich hohen Kosten die gegenwärtig üblichen Monumentalbauten zu errichten, oder ob man sich nicht mit ganz einfachen Nützlichkeitsbauten (etwa in Barackenform) begnügen sollte“. Baracken wurden nicht gebaut, aber Hochhäuser für die TU am Ernst-Reuter-Platz und die Rost- und Silberlaube an der Freien Universität In Dahlem. Ein neuer Wissenschaftscampus entstand unter anderen in Adlershof.

Bis 10. März 2019, Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin, Garystraße 35, (U-Bhf. Freie Universität/Thielplatz, U3), Eintritt frei

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