Wohnen

Studenten testen "Tiny House" in Schlachtensee

Die 6,4 Quadratmeter große Minibehausung kostet nur 100 Euro Miete im Monat. Vier Wochen lang läuft das Probewohnen im "Tiny House".

Ein "Tiny House" auf dem Dorfplatz im Studentendorf Schlachtensee.

Ein "Tiny House" auf dem Dorfplatz im Studentendorf Schlachtensee.

Foto: Katrin Lange

Berlin. Der erste Gedanke ist: Was macht der Bauwagen mitten auf dem Dorfplatz im Studentendorf Schlachtensee? Zwei Männer treten aus der Tür heraus, definitiv keine Bauleute. Einer ist Florian Hessler, der Social-Media-Manager des Studentendorfs. Viel Zeit zum Reden hat er gerade nicht. „Wir müssen noch Wasser und Strom installieren“, sagt Hessler und ist wieder verschwunden.

Das Häuschen auf Rädern ist eine 6,4 Quadratmeter große Holzhütte, die der Architekt Van Bo Le-Mentzel entworfen hat, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im Februar werden Studenten vier Wochen lang das sogenannte "Tiny House" auf dem Dorfplatz testen, um herauszufinden, ob man auf so kleinem Raum wirklich gut leben kann. Mit 100 Euro Warmmiete pro Monat ist es auf jeden Fall unschlagbar günstig.

Dreizehn Studierende werden jetzt jeweils zwei Tage lang in dem Häuschen wohnen. „Wir hatten viel mehr Bewerber als Kapazitäten“, sagt Hessler, der nun doch erst einmal die Installation unterbrochen hat. Bei 50 Bewerbern habe er aufgehört zu zählen, fünf Monate lang hätte er das Minihäuschen belegen können. Am Ende habe das Los entschieden, so Hessler.

"Immer mehr Studierende finden keinen Wohnraum in der Stadt"

Die Innenausstattung ist eine logistische Meisterleistung. Auf der unteren Ebene befinden sich eine kleine Sitzecke, ein Schreibtisch, Küche, ein echtes Öfchen, dahinter Toilette, Waschbecken und sogar eine Dusche. Auf der zweiten Ebene, die nur die halbe Fläche einnimmt, sind das Bett und noch ein Schreibtisch. Sitzt man daran, hängen die Füße allerdings in der Küche.

„Wir stehen vor der Herausforderung, dass immer mehr Studierende keinen Wohnraum in der Stadt finden und die Baubranche heute aufgrund gestiegener Baupreise und Fachkräftemangel Wohnungen unter 400 Euro Warmmiete nicht mehr anbieten kann“, sagt Andreas Barz, Vorstandsvorsitzender der Studentendorf Schlachtensee eG.

Tatsächlich kostet eines der rund 900 Zimmer im Studentendorf durchschnittlich 370 Euro Warmmiete pro Monat. Platz gibt es noch auf dem Grundstück in Schlachtensee, um weitere Studentenzimmer zu bauen. „Aber kaum ein Büro schafft es, so zu kalkulieren, dass wir unter der 400-Euro-Marke bleiben, die wir uns als Genossenschaft zum Ziel gesetzt haben“, so Barz.

Studentendorf hat gute Erfahrungen mit Experimenten

Es ist ein neues Experiment. Tatsächlich hat zuvor noch kein Studentendorf „Tiny Houses“ als Zukunftslösung in Erwägung gezogen. Aber das Studentendorf hat schon gute Erfahrungen mit Experimenten: Es war bereits ein Wohnlabor, um im zerstörten Nachkriegsdeutschland neue Wohnräume mit einer neuen demokratischen Gemeinschaftskultur zu schaffen. Das Studentendorf Schlachtensee, das in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert, steht mittlerweile als internationales Kulturdenkmal unter Denkmalschutz.

Nach der vierwöchigen Testphase werden alle Bewohner in einem Workshop ihr Feedback geben. Die Hinweise sollen in die Planung eines Co-Being-Houses in Schlachtensee einfließen. Dieser Typenbau des Architekten Van Bo Le-Mentzel bietet einen großen Gemeinschaftsbereich, um den herum sich die 100-Euro-Wohnungen gruppieren. Der Bedarf ist da. „Seit Anfang 2000 ist das Studentendorf immer voll vermietet“, sagt Florian Hessler.

Am 22. Februar 2019 findet von 10 bis 18 Uhr ein Publikumstag statt für alle interessierten Nachbarn, Bewohner und Freunde des Studentendorfes. Sie können an diesem Tag die kleine Holzhütte besichtigen.