Porträt

Michael Kögel wird mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Ein Vater, drei Kinder und vier Geschäftsführer-Posten: Michael Kögel engagiert sich seit Jahren für Stiftungen und Vereine.

Michael Kögel wurde für sein Engagement mit dem  Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Michael Kögel wurde für sein Engagement mit dem  Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet

Foto: Katrin Lange

Berlin.  Er kann nicht Nein sagen. Obwohl es ihn an sein Limit bringt. Michael Kögel hatte jahrelang vier Geschäftsführer-Posten, einen davon bis Ende 2018 hauptberuflich, die anderen drei ehrenamtlich. Der 66-Jährige ist alleinerziehender Vater von drei Kindern, 17 Jahre der älteste Sohn, 16 Jahre die Zwillinge, Mädchen und Junge. Er hätte genug zu tun. Doch Kögel will auch nicht Nein sagen. Wenn er gefragt wird, hilft er. Vorbild will er sein, nicht nur für seine Kinder. „Die Jugend braucht Vorbilder“, sagt Kögel. Für sein Engagement wurde er kürzlich mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Für Kögel kam die Auszeichnung völlig unerwartet

Er sei äußerst dankbar, denn es sei wichtig, wenn die nächste Generation sieht, dass es sich „bezahlt“ macht, also anerkannt wird, wenn man mehr mache als normal. Er wolle mehr Menschlichkeit in das System bringen, „in dem etwas falsch läuft, weil es nur um Geld und Investitionen geht“. Er habe noch Politiker wie Helmut Schmidt, Willy Brandt und Franz Josef Strauß als Vorbilder gehabt. „Doch heute? Welcher Politiker könnte noch ein Vorbild sein?“, fragt er. Das sei seiner Meinung auch der Grund für einen erstarkenden Rechtsextremismus. „Die Menschen sind unglücklich und unzufrieden“, sagt Kögel. Wenn heute so einer käme, wie der Rattenfänger von Hameln, würden ihm die Menschen vielleicht wieder nachlaufen. Das gelte es zu verhindern. Deshalb engagiert er sich in seinen Stiftungen, die auch zum Ziel hätten, sich gegen Rechte stark zu machen.

An der Freien Universität hat Michael Kögel den Abschluss zum Diplom-Kaufmann gemacht. Er arbeitete als Verwaltungschef an verschiedene Kliniken, bevor er im Jahr 2000 Geschäftsführer des Evangelischen Zentrums für Altersmedizin in Potsdam wurde. Das hat er hauptberuflich bis Ende 2018 gemacht. Ab diesem Jahr wird er sich noch mehr um seine Ehrenämter kümmern können, denn mit 66 Jahren geht er in Rente und verlässt das Zentrum für Altersmedizin in Potsdam.

Kögel arbeitet gern mit älteren Menschen

Sie hätten etwas zu erzählen, oft eine spannende Vita, viel erlebt, Lebenserfahrung. Und sie seien dankbar, wenn man sich die Zeit nehme, ihnen zuzuhören. Ehrenamtlich ist der Lichterfelder in drei Stiftungen tätig, in denen er auch viel mit älteren Menschen zu tun hat. So ist er Geschäftsführer der „Evangelischen Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte“, der Stiftung „Hilfe für Opfer der NS-Willkürherrschaft“ und der „Evangelischen Frauenhilfe Brandenburg“.

Die Hilfsstelle für Rasseverfolgte, die ihren Sitz am Teltower Damm in Zehlendorf hat, kümmert sich um Menschen, die teils schon vor 1933 vom Judentum zum Christentum konvertiert sind, aber dennoch verfolgt wurden, weil ihre Vorfahren Juden waren. „Wer überlebt hat, ist oft traumatisiert“, sagt Kögel. Er erzählt die Geschichte von einem 96 Jahre alten Mann, der in den 1930er-Jahren erst nach Kuba ausgewandert ist, dann nach Süd-Amerika, dann in die USA. Überall sei er nicht angekommen, habe sich nicht willkommen gefühlt. Jetzt ist der Mann zurück in Deutschland. Er sei topfit, sagt Kögel, und lebe heute in Berlin.

Eine ähnliche Geschichten kennt er auch von der Hilfe-Stiftung für Opfer der NS-Willkürherrschaft, die ihr Büro an der Königin-Luise-Straße in Dahlem hat. Die Stiftung hatte ihn angefragt, ob er sie nicht unterstützen könne. Kögel hatte vorher keine Berührungspunkte mit dem Thema, wollte aber etwas Neues machen und sagte zu. Die Stiftung ist Ansprechpartner für Opfer, die oft aus der ehemaligen Sowjetunion kommen und eine Zuwendung beantragen können. Auch hier hat Kögel den Fall, dass ein 94-jähriger Russe jüdischer Abstammung nach Deutschland zu seinen Kindern gekommen ist. Während der Nazi-Zeit wurde er hinter den Ural verbannt, dann kehrte er nach Russland zurück. Jetzt lebt er bei seiner Familie in Berlin.

„Die ehemals Verfolgten sind echte Kämpfernaturen“, sagt Kögel. Deshalb würden sie auch so alt werden. Bedenken, dass die Stiftungen bald keine Überlebenden mehr zu betreuen hätte, kennt er nicht. Das Trauma der Verfolgung stecke in den Genen, oft hätten auch die Nachkommen darunter zu leiden, so Kögel. Auch um die müsse man sich kümmern.
Bei seinen Kindern hat die Vorbildfunktion schon funktioniert. Auch sie engagieren sich jetzt ehrenamtlich, erzählt er. Sie betreuen als Teamer die Konfirmanden in der Gemeinde. Er ist stolz auf sie.

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