Bildung

Streit über neue evangelische Grundschule

Der Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf will gegenüber der Buschgraben-Grundschule eine neue Schule bauen. Aber es gibt Protest.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlin. Die einen waren gekommen, weil sie am liebsten schon ihre Kinder anmelden wollten. Die anderen, weil sie gegen den Bau der neuen Grundschule protestieren wollten. Der Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf hatte kürzlich zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung in die Ev. Kirchengemeinde zur Heimat eingeladen, um seine Pläne für eine neue Grundschule an der Ludwigsfelder Straße 30 vorzustellen.

Direkt gegenüber ist die Grundschule am Buschgraben, die derzeit schon nicht mehr genügend Anmeldungen für drei erste Klassen hat. Eltern und Anwohner sehen die Existenz der staatlichen Grundschule bedroht und fordern den Kirchenkreis auf, die Schulpläne an einem anderen Standort zu verwirklichen.

Das Grundstück an der Ludwigsfelder Straße gehört dem Kirchenkreis

1965 entstand dort ein Gemeindehaus, 1981 kam ein Ökogarten dazu, der sich zu einem sozialen Treffpunkt im Kiez entwickelte. Von 2000 bis 2016 wohnten nach Auskunft von Superintendent Johannes Krug Christen aus Syrien und den Libanon im Gemeindehaus. Weil das Haus in einem schlechten Zustand ist, wurden neue Quartiere für die Christen gefunden. „2017 haben wir uns dann gefragt, was wir mit dem Grundstück anfangen könnten“, sagt Krug. Es hätte mehrere Ideen gegeben, wie zum Beispiel ein Hospiz für sterbende Obdachlose, eine Kita, eine Unterkunft für Asylbewerber oder ein Mehrgenerationenhaus. Entschieden habe man sich dann aber für eine Grundschule. „Seit Jahren bemühen wir uns in Zehlendorf, eine evangelische Grundschule zu eröffnen“, erklärt der Superintendent.

Schullandschaft in Zehlendorf soll bereichert werden

Der Bedarf sei da, im Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf gebe es 50.000 evangelische Christen, davon besuchten knapp 500 Kinder evangelische Kitas.
Eine Konkurrenz zu der schon bestehenden Buschgraben-Grundschule wolle man nicht sein, sagt Yvonne Barckhausen, die zukünftige Schulleiterin der evangelischen Grundschule.

Stattdessen solle die Schullandschaft in Zehlendorf bereichert werden. Die zweizügige Schule werde etwa 300 Kindern offen stehen, unabhängig von ihrer sozialen, kulturellen und religiösen Herkunft. Die verlässliche Halbtagsschule bietet von der ersten bis zur sechsten Klasse ein theaterpädagogisches Konzept an sowie die Schwerpunkte digitale Medien und Natur. Die Grundschule in freier Trägerschaft, die ein Schulgeld in Abhängigkeit vom Einkommen der Eltern erhebt, will im August 2020 an einem Interimsstandort eröffnen. Im Herbst 2021 soll der Baustart an der Ludwigsfelder Straße erfolgen, im August 2023 der Schulstart im Neubau.

Projekt erntet auch Kritik

Anwohner, Lehrer und Eltern, die ihre Kinder an der Grundschule am Buschgraben haben, sehen das Projekt kritisch. „Ich freue mich über jeden Schulneubau“, sagt Borika van Dorp, Rektorin der Buschgrabenschule, die in der Debatte im Publikum saß. Den Neubau gegenüber ihre Schule sehe sie jedoch „sehr kritisch“. Tatsächlich sind die Zahlen der Erstklässler in Zehlendorf in den vergangenen Jahren von 2558 (2001) auf 1963 (2917) um fast 600 Schüler gesunken. Allerdings haben sowohl die Buschgraben-Grundschule als auch die neue Schule in Trägerschaft der Evangelischen Schulstiftung kein Einzugsgebiet. Das heißt, beide Schulen nehmen Kinder aus ganz Berlin auf.

Claudia Schick hat derzeit schon ihren zweiten Sohn an der Grundschule am Buschgraben. Sie hält in der Veranstaltung in der Kirche ein leidenschaftliches Plädoyer für „ihre Schule“. „Alles, was die neue evangelische Grundschule zu bieten hat, haben wir auch“, sagt die Mutter von zwei Söhnen. Englisch, Theater, Religionsunterricht – all das werde in der Burschgrabenschule angeboten. Und darüber hinaus gebe es eine Turnhalle, für die am Standort der evangelischen Schule kein Platz mehr ist. An der gebundenen Ganztagsschule seien alle Kinder bis 16 Uhr betreut, danach gebe es einen Späthort. In Lankwitz, wo Schulplätze fehlten, da wäre es gut, eine neue Schule zu bauen, sagt Claudia Schick. Aber an der Ludwigsfelder Straße sei es weder sinnvoll noch notwendig. „Dort sollte ein Seniorenheim entstehen für die Menschen aus der Postsiedlung, die jetzt langsam älter werden“, so Schick.

Anwohner der benachbarten Postsiedlung fürchten vor allem mehr Verkehr in ihren kleinen Straßen. „Warum wird diese Schule errichtet? Die Buschgraben-Grundschule ist doch schon nicht ausgelastet“, sagt ein älterer Herr aus der Postsiedlung. Frank Mückisch (CDU), Bildungsstadtrat in Steglitz-Zehlendorf, findet die Idee, eine neue evangelische Schule zu eröffnen gut. „Es ist wichtig, den Eltern eine vielfältige Bildungslandschaft mit öffentlichen und nichtöffentlichen Schulen anzubieten“, sagt Mückisch.

Der Kirchenkreis und die Landeskirche seien sich einig über das Schul-Projekt sagt Superintendent Johannes Krug. Man werde jetzt auf den Bezirk und die zuständige Senatsverwaltung zugehen und die nächsten Schritte zur Genehmigung veranlassen.

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