Jubiläum

Die FU wird 70 - So viel Prominenz saß im Hörsaal

An der Freien Universität haben viele bekannte Persönlichkeiten studiert oder gelehrt - vom Bundespräsidenten bis zu Nobelpreisträgern.

Berlin.  Die Freie Universität ist eine Hochschule von hohem Rang, entsprechend lang ist die Liste der Prominenten, die dort gelehrt oder gelernt haben. Auch Nobelpreisträger sind darunter, etwa Ernst Ruska, der Erfinder des Elektronenmikroskops. Er erhielt 1986 den Nobelpreis für Physik. 1949 war Ruska an der FU zum Professor ernannt worden.

1986 wurde der Physiker und Chemiker Gerhard Ertl Honorarprofessor der Freien Universität. 2007 bekam er den Chemie-Nobelpreis. Und Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller hatte 2005 immerhin eine Gastprofessur an der FU. Sie hält am Dienstag die Festrede zum 70. Jahrestag der Universitätsgründung. Die Veranstaltung ist allerdings bereits ausgebucht.

Viele Politiker haben an der FU studiert

Auch viele Politiker sind oder waren mit der FU verbunden. Nur einige Beispiele: Roman Herzog, Bundespräsident von 1994 bis 1999, wurde 1965 Professor für Staatsrecht und Politik. Nach heftigen Konflikten mit Vertretern der Studentenbewegung wechselte der spätere CDU-Politiker 1969 an die Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) absolvierte neben ihrem Beruf als Europabeauftragte des Bezirks Neukölln von 2005 bis 2010 ein Promotionsstudium in Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut. Die Bundestagsabgeordnete und ehemalige Ernährungsministerin Renate Künast (Grüne) studierte an der FU Jura, ebenso die ehemaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) und Klaus Wowereit (SPD). Auch ihr Amtskollege Walter Momper (SPD) war dort Student, allerdings bei den Politologen.

Zu den Prominenten, die an der Freien Universität studiert haben, zählen ferner Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen (Medizin), Filmregisseur Wolfgang Becker (Germanistik, Geschichte), Musikerin Inga Humpe (Kunstgeschichte) und Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft Verdi (Politologie).

Konflikte als Auslöser der politischen Karriere

Eberhard Diepgen begann sein Jura-Studium 1960. Drei Jahre später wurde er zum Vorsitzenden des Studentenausschusses AStA gewählt, verlor das Amt aber nach wenigen Wochen. Weil er Mitglied in einer Burschenschaft war, wurde er in einer studentischen Urabstimmung wieder abgewählt. Später arbeitete er allerdings im Vorstand des Asta-Dachverbandes auf Bundesebene. Diepgen erinnert sich an die damaligen politischen Auseinandersetzungen an der FU.

„Wir haben für eine Studienreform und gegen den ,Muff unter den Talaren’ gekämpft, am Anfang gemeinsam, die sogenannten linken und rechten Studentenvertreter. Das verschob sich in den 60er-Jahren aber immer mehr. Die einen wollten mit Che Guevara und Mao Tse Tung Deutschland verändern, die anderen konzentrierten sich auf die Bildungs- und Studienreform und den Ausbau einer studentischen Selbstverwaltung“, sagte Diepgen der Berliner Morgenpost.

Mehr Freiräume, sein Studium zu gestalten

Die Konflikte waren Auslöser seiner politischen Karriere: „Aus Protest gegen linke Ideologen in der Studentenschaft und ihre Unterstützer unter den Hochschullehrern bin ich in die CDU eingetreten. Man wurde ja im Audimax schon niedergebrüllt, wenn man nur in Verdacht stand, eine andere Meinung zu haben als die Linken“, erklärte Diepgen.

In jener Zeit hätten aber auch noch mehr Freiräume bestanden, sein Studium zu gestalten. „Wir haben damals noch fachübergreifend große Vorlesungen gehört, zum Beispiel den berühmten Publizistikwissenschaftler Emil Dovifat. Vieles, was für mein Leben entscheidend war, habe ich nicht in den juristischen Fachvorlesungen und Seminaren gelernt. Angesichts der fortschreitenden Verschulung der Ausbildung an den Universitäten ist das heute in dieser Art leider gar nicht mehr möglich“, bedauerte der CDU-Politiker. „Die Freie Universität hat viele Wellenbewegungen mitgemacht – politisch und auch in der Qualität von Forschung und Lehre. Heute ist sie mit ihrer Qualitätsoffensive auf gutem Weg“, sagte Diepgen.

„Wir haben gelernt, eigenständig zu denken“

Sozial- und Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) studierte in den 80er-Jahren Politikwissenschaft an der Universität in Dahlem. Gemeinsam mit ihrem Cousin Udo Wolf, dem heutigen Fraktionschef der Linken im Abgeordnetenhaus, war sie aus Hessen nach Berlin gezogen. „Wir haben an der FU gelernt, unseren Kopf zu benutzen und eigenständig zu denken“, sagt sie rückblickend. Es habe etliche Hochschulstreiks und Institutsbesetzungen gegeben - vor allem aber viel ernsthafte Arbeit, insbesondere in Studienkollektiven. Politische Diskussionen und politisches Engagement seien ein wichtiger Teil dieser Arbeit gewesen, sagte die Senatorin der Morgenpost. Zudem hätten Frauengruppen in jener Zeit feministische Wissenschaft erkämpft. Ihr Studium sei ein gutes Rüstzeug für die spätere Abgeordnete und Senatorin gewesen, findet Breitenbach.

Antje Kapek, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus, studierte von Mitte der 90er-Jahre an Geographie, Jura und Umweltmanagement an der FU. Dort habe sie zunächst einmal Selbstorganisation gelernt, das sei angesichts des jeweils ganz eigenen Charakters der verschiedenen Institute und der Weitläufigkeit der Universität unabdingbar gewesen, sagte sie der Morgenpost. Vor allem aber habe sie gelernt, für gutes Lernen selbst einzustehen und dass es in aller Regel nicht nur eine Herangehensweise an Probleme und nicht nur eine Wahrheit gibt.

Herausforderungen im Team meistern

Der interdisziplinäre Ansatz ihres Studiums habe diese Sicht ebenso gefördert wie die Erkenntnis, dass man sich Herausforderungen besser im Team stellt als allein im stillen Kämmerlein, erklärte sie. Diese Interdisziplinarität sei an der FU bereits in den 90er-Jahren ausgeprägter gewesen als an anderen Universitäten. Kapek kann das aus eigener Anschauung gut vergleichen, sie studierte auch an der TU Berlin sowie in England und den Niederlanden.

Auch Antje Kapek hat bereits während des Studiums begonnen, sich politisch zu engagieren. „Gleich mein drittes Semester war ein Streiksemester, da waren die Geographen vorne weg“, erinnert sich die Grünen-Politikerin. Später gehörte sie ein Jahr dem Studentenparlament an. „Die FU war eine linke Uni. Es gab heftige, aber wichtige Debatten mit den Professoren“, sagte sie. Das Studium sei eine gute Basis für Ihre spätere Arbeit gewesen.

Sie habe aber auch die Lage der Universität und eben deren Weitläufigkeit geschätzt. „Ich habe sehr viel Zeit damit verbracht, zwischen den Instituten hin und her zu laufen oder zu fahren. Der Campus ist aber wunderschön, egal, zu welcher Jahreszeit.“ Die Lage im Grünen habe den Studenten viel Freiheit geboten und die Gemeinschaft gefördert, sagte Kapek der Morgenpost. Auf der Wiese lasse sich eben gut lernen, aber auch gut feiern. Andererseits habe es in Dahlem wenig Ablenkung gegeben.

„Man kann sich Berlin ohne die FU gar nicht vorstellen“

So lang die Liste der bekannten Absolventen, so lang wird auch die Liste der Gratulanten zum 70. Geburtstag der Universität sein. Der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) eröffnete den Reigen: „Aus einer mutigen Idee ist in nur sieben Jahrzehnten eine der weltweit besten Universitäten erwachsen. Das haben wir Generationen von Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Beschäftigten zu verdanken und können zurecht stolz sein auf unsere Freie Universität. Man kann sich Berlin ohne sie gar nicht vorstellen“, sagte Müller. Die Freie Universität habe unsere Stadt und nicht zuletzt die deutsche Gesellschaft stark geprägt und steht heute wie damals für ein freies, weltoffenes Berlin. „Und auch in der Zukunft wird sie für die dynamische Entwicklung unserer Stadt eine wichtige Rolle spielen“, ist der Regierende Bürgermeister überzeugt.

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