Lichterfelde

Kranke Berlinerin Ursula: Nachbarn gründen Hilfs-Netzwerk

Als die Lichterfelderin sehr krank wurde, gründeten Nachbarn eine gemeinsame Whatsapp-Gruppe.

Ursula Lewandowski freut sich über die Hilfe ihrer Nachbarn.

Ursula Lewandowski freut sich über die Hilfe ihrer Nachbarn.

Foto: Katrin Lange

Berlin.  Sie haben ihr schon einen Weihnachtsstern gebracht und einen Strauß Rosen, aber auch Bier und Cola, wenn sie auf einmal Appetit darauf hatte. Sie haben eine spontane Geburtstagsparty in der Kantine des Krankenhauses organisiert und regelmäßige Besuche, Einkäufe, Besorgungen abgesprochen. Sie – das sind die Nachbarn von Ursula Lewandowski. Das sind Hanni, Helga, Regina, Vera, Renate und die anderen, die eine gemeinsame Whatsapp-Gruppe, den „Uschi-Kreis“, gegründet haben, als es der 76-Jährigen von einem Tag auf den anderen sehr schlecht ging. „Das hat mich so gerührt und überrascht“, sagt die Lichterfelderin.

Seit 35 Jahren wohnt Ursula Lewandowski in einer Reihenhaus-Siedlung zwischen dem Dahlemer Weg und der Goerzallee. Ihr Mann ist gestorben, sie hat ihn bis zuletzt betreut und beim letzten Atemzug in den Armen gehalten. Seitdem ist sie allein, sie hat keine Angehörigen in Berlin, nur einen Neffen in München, der sich kümmert und der in die Whatsapp-Gruppe aufgenommen wurde, damit er über den Zustand der Tante Bescheid weiß. Sie war Chefassistentin und nie krank, hatte nie Beschwerden, bis sie im August über Übelkeit klagte. Im Krankenhaus dann die Diagnose: Schlaganfall und Nierenversagen. Es folgten zwei Operationen im Herzzentrum. Dreimal in der Woche muss sie jetzt zur Dialyse ins Krankenhaus Waldfriede.

In den vergangenen fünf Monaten war Ursula Lewandowski mehr in Kliniken als zu Hause. „Und obwohl ich allein bin, habe ich mehr Besuch bekommen als andere“, sagt sie. Alle hätten sich gekümmert, nach Wünschen gefragt und sie erfüllt. Die letzte Operation an der Herzklappe ist wenige Wochen her, seitdem geht es ihr besser. Sie vermisst schon ihre „Muckibude“, die Rückenschule, den Kraftsport. Die Nachbarn sind in Bereitschaft.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.