Eiskiosk

Eis statt Bücher am Dorfanger

Stefan Deutschmann verkauft im ehemaligen Kulturkiosk jetzt Eis aus eigener Produktion. Die ersten sind schon Stammkunden.

Stefan Deutschmann verkauft im ehemaligen Kulturkiosk an der Zehlendorfer Dorfaue Eis aus eigener Herstellung

Stefan Deutschmann verkauft im ehemaligen Kulturkiosk an der Zehlendorfer Dorfaue Eis aus eigener Herstellung

Foto: Katrin Lange

Steglitz-Zehlendorf. Am Kiosk an der alten Dorfaue in Zehlendorf hat sich eine kleine Schlange gebildet. Es sind nicht einmal 15 Grad an diesem späten Nachmittag, langsam wird es dunkel. Statt Bücher gibt es seit kurzem Eis in dem schlichten Zweckbau, der unter Denkmalschutz steht. „Ich bin begeistert von diesem Gebäude“, sagt Stefan Deutschmann hinter dem Tresen. Das sei einer der Gründe gewesen, warum er unbedingt mit seinem Eisgeschäft in den Kiosk wollte. Der Zehlendorfer betreibt bereits in Treptow ein Eiscafé und eine Eisproduktion. Jetzt hat er eine Filiale im ehemaligen Kulturkiosk an der Kreuzung Teltower Damm und Potsdamer Chaussee eröffnet.

Eigentlich wollte er schon vor dem Sommer an den Start gehen. Doch immer wieder kam es zu Verzögerungen. Erst konnte er nicht wie geplant im Januar in den Kiosk hinein. Und nachdem die letzten Bücherkisten gepackt waren, gab es Probleme mit den Handwerkern. Stefan Deutschmann ist trotzdem guter Dinge. „Die Leute freuen sich so, dass hier wieder etwas passiert“, sagt der ehemalige Kameramann. Eine Kundin bestätigt das sofort. Es sei schon so viel in dem Kiosk gewesen, erzählt die Zehlendorferin. Erst ein Zeitungsladen, dann ein Blumengeschäft und schließlich der Verkauf von antiquarischen Büchern. Jetzt zähle sie sich schon zu den Stammkundinnen und schwöre auf Mango und Pistazie, die Kugel zu 1,20 Euro.

Eis essen, kochen und experimentieren – das mache er leidenschaftlich gern, sagt Deutschmann. Bei der Vereinigung italienischer Eishersteller habe er sich das Handwerk zeigen lassen und dann weitere Rezepte ausprobiert, komplett ohne Aromastoffe. Das Eis stammt aus seiner eigenen Produktion. Er weiß, was die Kunden mögen. „Für mein Schoko-Sorbet nehmen die Leute auch weitere Wege in Kauf und kommen aus den Nachbarbezirken“, so der Eisdielen-Betreiber. Und auch der Kaffee, den er mit einer süditalienischen Röstmaschine herstelle, sei sehr beliebt.

Kiosk steht seit den 70er-Jahren unter Denkmalschutz

Der Kiosk war dem Zehlendorfer schon früher aufgefallen. Er interessiere sich sehr für Architektur und verpasse keinen Tag des offenen Denkmals, so Deutschmann. Immer wieder sei er am Kiosk vorbeigekommen und habe es schade gefunden, dass er nicht richtig genutzt werde. Diese Zeit ist jetzt vorbei. Nicht nur Eis sondern auch Waffeln, Sandwichs, Smoothies und heiße Getränke, wie Kakao, will Deutschmann noch bis Weihnachten verkaufen. Im Januar und Februar plant er eventuell eine Pause, bevor im Frühjahr der „ganz große Aufschlag“ kommt, so der Eismann. Bis dahin teste er einiges aus – alles laufe noch ein bisschen unter „Probebetrieb“.

Der Kiosk wurde 1955 nach dem Entwurf des Architekten Kurt Kurfiss errichtet. Seit den 70er-Jahren steht er unter Denkmalschutz. Bereits 1931 war ein Holzkiosk an der Stelle errichtet worden. Im Zuge der Erweiterung der Potsdamer Straße wurde er abgerissen und dafür der heute existierende Kiosk errichtet. Mit seinen Keramikfliesen galt er als Zeichen für das neue Zehlendorf.

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