Unterkunft

Bürgerinitiative will den Wald am Dahlemer Weg erhalten

Im Dahlemer Weg soll ein Wald für eine Flüchtlingsunterkunft abgeholzt werden. Dabei steht in der Thielallee ein Übergangsheim leer.

Rainer Marohl und Klaus Hufnagel wollen verhindern, dass das Wäldchen abgeholzt wird

Rainer Marohl und Klaus Hufnagel wollen verhindern, dass das Wäldchen abgeholzt wird

Berlin. Das kleine Wäldchen am Dahlemer Weg, direkt gegenüber vom Heinrich-Laehr-Park ist seit 60 Jahren eine geschützte Grünanlage. Dicht bewachsen sehe es fast aus wie ein kleiner Urwald, sagt Anwohner Rainer Marohl. Doch vielleicht nicht mehr lange. Am Dahlemer Weg 247 in Lichterfelde ist eine Modulare Unterkunft für 500 Flüchtlinge (MUF) geplant.

„Der baulichen Planungen laufen“, sagt Karin Rietz, Sprecherin der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales. Und das, obwohl ein Gutachten des Naturschutzbeauftragten der Umweltverwaltung zu dem Schluss komme, dass der Wald „als Gesamtareal zu erhalten ist“, kritisiert Marohl. Er hat die Bürgerinitiative „Lebenswertes Lichterfelde“ gegründet, mit der er sich für den Erhalt der Grünanlage einsetzt. Jetzt hat die Initiative zwei andere Standorte als Alternative vorgeschlagen: die Thielallee 88 und die Potsdamer Chaussee, Ecke Hohentwielsteig.

„Wir sind nicht gegen den Bau von neuen Unterkünften“, sagt Marohl. Aber der Baumbestand müsse erhalten bleiben. Das Totholz sei ein wahres Paradies für Wildbienen, Weinbergschnecken und Insekten. Vögel, wie Habicht, Milan, Eule und Bussard, habe er schon gesichtet. Dazu sei das Wäldchen ein Rückzugsort für viele Nager, Ringelnattern und Erdkröten.

Marohl wehrt sich gegen die Behauptung des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf, dass die Grünfläche nur ein „wertloser Stangenwald“ sei. Das stimme nicht, so der Lichterfelder. Es sei ein Biotop-Wald mit einer höheren Wertigkeit als der angrenzende Heinrich-Laehr-Park.

Von Anfang sind die Aktiven auf der Suche nach Alternativstandorten gewesen. „Natürlich ist uns bewusst, dass die geflüchteten Menschen untergebracht werden müssen, aber bitte nicht auf Kosten wertvoller Baumbestände“, sagt Marohl. Deshalb wolle man eine konfliktfreie Lösung und die habe man jetzt gefunden mit den beiden Vorschlägen. „Die ehemalige Übergangsunterkunft an der Thielallee 88 steht vollkommen leer und wird aber bewacht“, so der ehemalige Chemielaborant. Und die Containeranlage Potsdamer Chaussee, Ecke Hohentwielsteig sei kaum genutzt. „Man sollte die Thielallee 88 mit den wenigen geflüchteten Menschen aus der Containeranlage belegen“, so Marohl. Dann könnten die Container am Hohentwielsteig abgebaut und durch modulare Unterkünfte ersetzt werden. Das alles erspare dem Steuerzahler teure Erschließungs- und Nachpflanzungskosten.

Bundesanstalt hat andere Pläne mit der Thielallee 88

Doch so einfach ist es nicht. „Die Thielallee ist freigezogen“, bestätigt Karin Rietz von der Senatsverwaltung für Soziales. Das Haus gehöre der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). „Die Bima hat eigene Pläne mit dem Gebäude“, sagt Rietz.

Nicht viel anders ist die Lage im Containerdorf am Hohentwielsteig. Dort ist Platz für 340 Menschen. „Derzeit ist es mit 284 Personen belegt“, sagt Sascha Langenbach, Sprecher des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LaF). 13 Plätze könnten derzeit nicht belegt werden, dass könne bauliche Gründe haben. Mit diesen Zahlen sei die Auslastung gar nicht so schlecht.

2000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative schon gesammelt. Noch hoffen die Akteure, gehört zu werden. Eine Podiumsdiskussion ist in Planung. „Wir haben auch vor, uns um den Wald zu kümmern, ihn zu entrümpeln und zu pflegen“, sagt Rainer Marohl. Ähnlich wie im Park am Schöneberger Südgelände an der Papestraße könnten es einen ausgeschilderten Naturlehrpfad geben. Und er würde auch Führungen für Kitas und Grundschulen anbieten. „Unser Interesse ist, dass der Wald so bleibt, wie er ist“, so Marohl.