Bauprojekt am Wannsee

Bezirk scheitert - und zieht niemanden zur Verantwortung

Der Siebengeschosser am Wannsee darf nicht gebaut werden. Dreimal verliert der Bezirk vor Gericht. Konsequenzen gibt es nicht.

Freier Blick über den Wannsee von Heckeshorn auf das Strandbad Wannsee. Der Blick soll auch frei und unverstellt bleiben (Archivbild)

Freier Blick über den Wannsee von Heckeshorn auf das Strandbad Wannsee. Der Blick soll auch frei und unverstellt bleiben (Archivbild)

Wannsee. Der Streit um den Bau eines siebengeschossigen Wohn- und Geschäftshauses am Wannsee ging durch drei Instanzen. Dreimal hat der Bezirk Steglitz-Zehlendorf vor Gericht verloren. Doch Konsequenzen für die verantwortlichen Mitarbeiter im Stadtplanungsamt wird es nicht geben.

Noch immer sieht sich das Bauamt im Recht. Stefan Förster (FDP), Mitglied im Abgeordnetenhaus, wollte in einer Anfrage wissen, welche fachlichen Gründe dazu führten, einen Bauvorbescheid trotz der sensiblen, naturnahen Lage am Wannsee für ein Haus mit sieben Etagen zu erlassen. Aus dem Amt heißt es dazu: „Ganz bewusst sollte hier eine städtebauliche Dominante entstehen.“

Der Bezirk beruft sich in der Beantwortung der Anfrage im Abgeordnetenhaus auf den "Vorgängerbau mit seiner großen Kubatur und seiner großen Betonfassade". Tatsächlich stand auf dem circa 6500 Quadratmeter großen Grundstück am Wannsee vorher ein mehrgeschossiges Gebäude aus den 1970er-Jahren, das auch als Hotel „Wannseeblick“ genutzt wurde und inzwischen abgerissen ist. Dieser Bau hätte eine beeinträchtigende Wirkung für die Wannseelage gehabt, argumentiert der Bezirk. Daher sei es dem Stadtplanungsamt wichtig gewesen, einen zeitgemäßen Baukörper zu entwickeln. „Für ein modernes Gebäude sind entsprechende Geschosshöhen notwendig“, so die Begründung des Bezirks. Die Genehmigung sei daher nach dem Kenntnisstand der geltenden Rechtsordnung nach besten Wissen erteilt worden. Dieser Auffassung schließt sich auch der Senat an: Ein grob fahrlässiges Handeln der Mitarbeitenden im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf sei nicht erkennbar.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte Mitte August in letzter Instanz entschieden, dass ein Investor, der bereits einen Bauvorbescheid vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf hatte, sein am Wannsee geplantes Haus mit sieben Stockwerken nicht bauen darf. Fast sieben Jahre dauerte der Rechtsstreit zwischen dem Investor, dem Potsdamer Yacht Club und dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf. Der Yacht Club ist Grundstücksnachbar und an der Königstraße ansässig.
Im August 2011 hatte das Bezirksamt den Bauvorbescheid erlassen. Dieser wurde von allen drei Gerichtsinstanzen als rechtswidrig bezeichnet. Für das Gebiet am Wannsee gilt ein 1958 beschlossener Bebauungsplan, der ein Sondergebiet für Wohn- und Wassersportnutzung mit beschränkter Bebauung und Erholungsfunktion vorsieht. Darin ist unter anderem festgeschrieben, dass zwei Vollgeschosse zulässig sind. Der Investor wollte sieben Stockwerke errichten lassen.

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