Turnsport

Steglitzer Turntalente haben keine Halle mehr

Mitglieder der TSG Steglitz konnten bislang eine Halle in Schöneberg nutzen. Das ist ab August nicht mehr möglich.

Sportler protestieren vor dem Olympiastadion

Sportler protestieren vor dem Olympiastadion

Foto: Reto Klar

Berlin. Junge Turner und Trainer aus Steglitz-Zehlendorf sind in einer schwierigen Situation. Viele Jahre lang konnten sie im Turnzentrum Schöneberg des Berliner Turn- und Freizeitsport-Bundes (BTFB) trainieren. Ab August ist das voraussichtlich nicht mehr möglich. Dann soll die Halle des BTFB am Vorarlberger Damm nur noch einem Verein, der Berliner Turnerschaft, zur Verfügung stehen.

Erst vor wenigen Wochen habe der BTFB über diese Entscheidung informiert, kritisiert Hans-Jürgen Schön, Vorsitzender der Turn- und Sportgemeinde Steglitz 1878 e. V. (TSG). Dadurch werde das geförderte, leistungsorientierte Turnen im Westteil der Stadt gefährdet. Denn die Vereine müssten sich nun andere Trainingsorte suchen. „Zeiten in den Schul-Turnhallen sind aber kaum zu bekommen.“

Bislang können sechs Vereine in der Turnhalle und drei Vereine in der Mehrzweckhalle am Vorarlberger Damm trainieren. Auch eine Artistenschule, Cheerleader und Kindergärten nutzen die Räume. „Das System hat bisher gut funktioniert“, so TSG-Chef Schön. „ Es ist unverständlich, warum es nicht so weitergehen kann.“ Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, haben Sportler, Trainer und Eltern am Montagabend auf dem Olympiagelände demonstriert. Dort fand der Landesturntag des BTFB statt. „Wir hoffen auf eine gütliche Einigung“, so Schön.

Für 80 Kinder aus den Talentschulen wird eine neue Halle gesucht

Der BTFB weist die Vorwürfe aus Steglitz zurück. Man habe beschlossen, das Turnzentrum an einen Verein zu übertragen, um ihm eine „umfangreiche Entwicklung im Geräteturnen und der Gymwelt zu ermöglichen“, heißt es in einem Schreiben des Präsidiums des Turn- und Freizeitsport-Bundes. Auch die TSG Steglitz hatte sich um das Turnzentrum beworben, als es ausgeschrieben wurde. Doch die Berliner Turnerschaft bekam den Zuschlag. „Alle bisherigen Nutzer des Zentrums wurden frühzeitig über diese Beschlusslage schriftlich und mündlich informiert“, so das BTFB-Präsidium.

Zur TSG Steglitz gehören zwei Talentschulen mit etwa 80 Kindern, die bislang die Turnhalle am Vorarlberger Damm nutzen. 40 Trainer setzt der Verein dort ein. Nun sucht die TSG alternative Trainingsorte im Südwesten der Stadt. „Eine alte Fabrikhalle etwa, die wir umbauen“, sagt Hans-Jürgen Schön. Doch das braucht Zeit. Er will dafür kämpfen, dass sein Verein zumindest noch bis Ende 2018 das Turnzentrum in Schöneberg nutzen kann.

Private Fachoberschule schließt kurzfristig

Unterdessen gab es auch eine böse Überraschung für die Schüler an der Akademie für Internationale Bildung (Afib) in Charlottenburg. Mitte Mai teilte Schulleiter Friedrich Pongratz (71) in einem Schreiben mit, „dass ich meine nunmehr 40-jährige Privat-Schultätigkeit mit dem Schuljahresende 2017/18 nicht zuletzt auch aus gesundheitlichen Gründen bedauerlicherweise beenden muss.“

Knapp 90 Elft- und Zwölftklässler werden an der Einrichtung unterrichtet, die eine Fachoberschule für Medien, Sozialwesen und Wirtschaft ist. Das Schulgebäude befindet sich an der Haubachstraße. Vor allem die Schüler aus den elften Klassen sind in einer schwierigen Situation. Sie brauchen eine Einrichtung, an der sie ihre Ausbildung fortsetzen können. Unter den privaten Anbietern kommen die Rackow-Schule in Charlottenburg infrage und die Best-Sabel-Berufsakademie in Mitte.

30 Schüler der Akademie und ihre Eltern haben sich in den vergangenen Tagen an die Rackow-Schule gewandt. Mit 18 Schülern habe man Verträge abgeschlossen, bestätigte Schulleiter Tim Balzer auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Auch mehrere Lehrkräfte der Afib haben sich beworben. Die Rackow-Schule an der Fasanenstraße hat derzeit drei zwölfte Klassen. Eine vierte müsste eingerichtet werden, um weitere Jugendliche aus der Akademie für Internationale Bildung aufzunehmen. Doch dazu fehlen Räume.

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