Steglitz

Der Bierpinsel könnte zum Hotel werden

In dem Turm an der Steglitzer Schloßstraße könnte ein sogenanntes Kapselhotel entstehen. Vorbild dafür ist Amsterdam

Der Bierpinsel in Steglitz

Der Bierpinsel in Steglitz

Foto: Massimo Rodari

Berlin. Wie schläft es sich in einer Wabe oder Wohnkabine, in einem Sarg oder Schließfach? Das alles sind nett oder nicht so nett gemeinte Bezeichnungen für sogenannte Kapselhotels. Vom Schlafkomfort in den vollautomatischen Miniboxen könnten sich schon bald Übernachtungsgäste an der Steglitzer Schloßstraße überzeugen. Axel Bering, Geschäftsführer der Schlossturm GmbH, hat die Idee, im Bierpinsel ein Kapselhotel einzurichten.

Es wäre die erste Herberge dieser Art in Berlin. Vorbild für seine Pläne sei das CityHub in Amsterdam, sagt Bering, der im Auftrag der Eigentümerin Tita Laternser den Bierpinsel entwickelt. Dort steht an der Rezeption statt eines freundlichen Mitarbeiters ein Terminal für den Check-in. Zu den Duschen geht es über den Gang und zum Schlafen ins Bett auf dem Schrank. Sitzen geht im Bett, stehen nicht. Es ist nichts für Menschen mit Platzangst, aber eine Alternative für junge Menschen zum Hostel. Denn so viel steht fest: In der Kapsel haben sie ihre Ruhe, allein oder zu zweit. Und noch etwas stellt Axel Bering klar: Schlafsärge, wie in Japan, sollen es nicht werden.

Der Geschäftsführer wird jetzt ein Konzept erstellen und es noch im ersten Quartal mit dem Bezirk abstimmen. Diese Woche stellte Bering seine Pläne für den Bierpinsel erstmals in der Öffentlichkeit vor. Das DRK Südwest hatte zum „Runden Tisch Steglitz-Mitte“ in die Bibliothek an der Schloßstraße eingeladen, mehr als 50 Interessierte waren gekommen. Der Runde Tisch wird etwa alle zwei Monate veranstaltet zu Themen, die gerade in Steglitz aktuell sind.

Ein Hotel mit Restaurant sei machbar

Eigentümerin Tita Laternser hat 2006 den Bierpinsel mit dem Erbbaurecht erworben. Das Gebäude gehört ihr, das Grundstück dem Bezirk. Deshalb muss die Nutzung mit dem Bezirk abgestimmt werden. Im Erbbaurechtsvertrag und im Bebauungsplan ist für den Bierpinsel Gastronomie festgeschrieben. Doch nach Jahren des Leerstandes wegen eines Wasserschadens hat das Bezirksamt jetzt ein großes Interesse, dass der knapp 50 Meter hohe Turm wieder bespielt wird. Nach Aussage einer Mitarbeiterin der Immobilienabteilung sei es wichtig, dass der Bierpinsel öffentlich zugänglich bleibe. Wohnungen dürften nicht eingebaut werden. Ein Hotel mit Restaurant sei hingegen machbar.

Genau das hat Bering vor: Auf einer Etage soll ein Restaurant entstehen und auf den beiden anderen das Kapselhotel. Lassen sich die Minischlafboxen nicht realisieren, gibt es noch die Option ein „Office-to-Go“ einzurichten, in dem sich Start-ups einmieten könnten. Auf dem Dach wäre künftig Platz für eine Sky-Bar. Die Realisierung der Pläne hängt nicht zuletzt vom Brandschutzkonzept ab. Das muss jetzt parallel zu den Nutzungsplänen erstellt werden. „Nach dem Baurecht ist der Bierpinsel ein Hochhaus“, sagt Bering. Deshalb gebe es auch besondere Brandschutzauflagen. Ende 2016 wurde der Bierpinsel unter Denkmalschutz gestellt. Der schreibt unter anderem vor, dass der Bierpinsel wieder seine rote Fassade erhält. Etwa dreieinhalb Jahre rechnet der Geschäftsführer für Planung, Sanierung und Umbau. Das Investitionsvolumen liegt bei 2,5 Millionen Euro.

Belebung mit Kunst, Kultur und Restauration gewünscht

Bei der Vorstellung der Pläne wünschten sich einige Gäste im Publikum wieder Gastronomie im Bierpinsel, andere sprachen sich für einen Kulturstandort aus. „Eine Belebung des Bierpinsels mit Kunst, Kultur und Restauration könnte die Schloßstraße nach 20 Uhr wieder etwas beleben“, sagt Stephani Bahlecke vom Verein Kunstraum Steglitz. Bering signalisierte, dass er gesprächsbereit sei.

Noch ist der Bierpinsel bei Sotheby’s für 3,2 Millionen Euro zum Verkauf ausgeschrieben. Auf die Frage, ob es ihm wichtiger sei, einen Käufer zu finden oder seine Pläne umzusetzen, antwortet Bering mit einer Gegenfrage: „Würden Sie Ihr Auto verkaufen, wenn Ihnen jemand 10.000 Euro bietet, obwohl es nur 2000 Euro wert ist?“ Seit August 2017 wird der Turm von der Immobiliensparte des Auktionshauses angeboten. Bislang hat sich kein Käufer gefunden.

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