Wannsee

Der Verein Seglerhaus ist seit 150 Jahre auf Erfolgskurs

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Katrin Lange
Das prachtvolle Vereinshaus wurde 1910 eröffnet. Im Restaurant können die Gäste weit über den Wannsee blicken

Das prachtvolle Vereinshaus wurde 1910 eröffnet. Im Restaurant können die Gäste weit über den Wannsee blicken

Foto: Amin Akhtar

Der Verein Seglerhaus am Wannsee feiert Jubiläum. Er ist der älteste Segelverein Deutschlands und feierte viele Triumphe bei Regatten.

Kurz vor dem Startsignal zur ersten Regatta am Donnerstagmittag wird es hektisch rund um das Clubhaus des Vereins Seglerhaus am Wannsee. Im Laufschritt rollen die Brüder Matthias, Johannes und Sebastian Poell ihr Boot mit dem Slip-Wagen am Vereinshaus vorbei ans Ufer. Jetzt muss jeder Handgriff sitzen. Sie sind spät dran, aber auch ein eingespieltes Team. In 20 Minuten müssen sie am Start vor Schwanenwerder sein.

Mit ein paar Handgriffen lösen sie ihr Segelboot, Baujahr 1924, vom Anhänger. Klatschend gleitet es ins Wasser. Die drei Brüder sind extra aus Wien an den Wannsee gekommen. Sie wollen dabei sein – bei der historischen Jubiläumsregatta und bei der 150-Jahr-Feier. „Wir möchten aber nicht nur dabei, sondern auch schnell sein und gewinnen“, sagen die Brüder. Kein Wettbewerb ohne Kampfgeist.

Drei Tage lang feiert der älteste Segelverein Deutschlands am Großen Wannsee sein Jubiläum. Das Programm beginnt mit einer historischen Jubiläumsregatta. Donnerstag war der erste Tag, am heutigen Freitag geht es ab 12 Uhr in die zweite Runde. Am Start sind 33 Teilnehmer, mit Jollen, die vor 1967 gebaut worden sind. Sie haben verschiedene Parcours von Boje zu Boje auf der Havel und auf dem Wannsee zu absolvieren, je nachdem, aus welcher Richtung der Wind kommt. Elf Seemeilen, also etwa 20 Kilometer, waren am Donnerstag geplant.

Die beiden Wettkampftage im Vorfeld verstehen sich als Einsegeln für die große Herausforderung am Sonnabend. Die Regatta am 15. Juli unter dem Namen „20. trifft 21. Jahrhundert“ beginnt ebenfalls um 12 Uhr. Sie spiegelt die Segelgeschichte Deutschland wider. Alte Segeljachten und Jollen werden dabei von modernen olympischen Booten „gejagt“. Ab 13 Uhr gibt es auf der Jollenwiese von der Jugendabteilung ein Programm, um 18.30 Uhr beginnt der Showabend mit einem Sektempfang.

Der Verein richtet auchdie Kieler Woche mit aus

Der Verein Seglerhaus am Wannsee ist mit 1000 Mitgliedern auch einer der größten Vereine in Deutschland. Er ist ebenfalls Mitausrichter des größten Segelevents in Europa, der Kieler Woche. Am 6. Oktober 1867 wird der Verein an der Unterhavel gegründet. 1881 erwerben die Segler das heutige Clubgrundstück am Großen Wannsee 22–26 und lassen das erste Seglerhaus bauen, von dem heute noch Teile stehen. Für die Errichtung des neuen Seglerhauses „haben sechs Banker ihr Geld zusammengelegt“, erzählt Frank Butzmann, Geschäftsführer des Vereins. Die Namen ihrer Boote sind dafür in Fassadensteine gemeißelt.

Im Jahr 1910 wird das neue Clubhaus eröffnet, darin sind unter anderem ein Restaurant mit Blick über den Wannsee und einem Festsaal für Vereinsfeiern. Heute können die Segler auch in einem Fitnessraum trainieren und nach einem Segeltörn in der Sauna entspannen. Neben dem Clubhaus steht den Vereinsmitgliedern ein circa 10.000 Quadratmeter großes Gelände mit Steganlage für 261 Boote zur Verfügung. Im Bootspark sind etwa 500 Jachten, Jollen und Motorboote. Der Verein ist Eigentümer von Gelände und Clubhaus.

Stolz ist der Verein aber nicht nur auf das großzügige Haus, das zu den schönsten Clubhäusern Europas gezählt wird. Stolz ist er auch auf die Leistungen in den Wettkämpfen. Schon in den Anfangsjahren ersegelten die Jachten des Vereins Siege in internationalen und nationalen Wettkämpfen. „Seit 1936 sind wir immer mit mindestens zwei Teams aus dem Verein bei den Olympischen Spielen dabei“, sagt Frank Butzmann.

Vereinsteam holt Gold bei den Olympischen Spielen

1936 holte die Mannschaft Bischoff/Weise auf dem Vereinsstarboot „Wannsee“ Gold. 1964 gewann Willy Kuhweide die Goldmedaille in der Finn-Dinghy-Klasse, 1972 holte er noch einmal Bronze. „Seitdem jagen wir den Medaillen hinterher“, sagt Butzmann. Er selbst sei 1992 als Trainer und 1996 als Aktiver dabei gewesen und habe 1996 mit einem Starboot einen neunten Platz belegt.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Nachwuchsarbeit. In der Jugendabteilung trainieren 150 Kinder und Jugendliche in fünf Klassen. Auch von ihnen sind regelmäßig Teilnehmer bei den Olympischen Spielen dabei, wie 2016 in Rio.

Begonnen haben die Jubiläumsfeierlichkeiten in diesem Jahr schon mit dem Ansegeln. Das wurde gemeinsam mit dem Berliner Yacht-Club veranstaltet. Auch dieser Verein wird in diesem Jahr 150 Jahre, „allerdings ist er ein paar Tage jünger als wir“, sagt Geschäftsführer Butzmann. Die Jubiläumsevents richten beide Clubs teilweise gemeinsam aus.

Auf dem Wannsee sind die drei Brüder aus Wien mittlerweile schon aus dem Blickfeld verschwunden. Ihr Schiff, die „Pan II“, haben sie im Jahr 2000 gekauft. Die Jolle stammt aus der Wörtherseewerft in Österreich, wo sie 1924 gebaut wurde. Sie ist aus Gabun-Mahagoni gefertigt – einem afrikanischen Holz, das grob und streifig ist, aber sehr edel aussieht. Seit ihrer Kindheit segeln sie gemeinsam, erzählen die Brüder. Ihre Eltern sind auch mit zum Jubiläum nach Berlin gekommen, sie haben ihr eigenes Boot dabei. „Hoffen wir, dass guter Wind bleibt und die Böen günstig kommen“, sagt Johannes noch, kurz bevor er das Boot anschiebt und als Letzter hineinklettert.