Erlebnispfad

Warum im Grunewald plötzlich blaue Bäume stehen

| Lesedauer: 5 Minuten
Annette Kuhn
An der Station mit den blauen Bäumen: Lotta, Oskar und Anton (v.l.) können hier etwas über Kohlendioxid und den Wald lernen

An der Station mit den blauen Bäumen: Lotta, Oskar und Anton (v.l.) können hier etwas über Kohlendioxid und den Wald lernen

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Wie gehen Berlins Wälder mit dem Klimawandel um? Auf einem Rundweg im Grunewald wird es veranschaulicht.

Verdutzt schauen Lotta, Oskar und Anton auf den Holzbohlenweg, der sich auf ihrem Spaziergang vor ihnen auftut. Die drei Kinder sind oft hier, aber das haben sie noch nie gesehen. Und gleich ein paar Hundert Meter die nächste Holzstation. Mal als Insel, mal als Plateau, mal als Turm, immer versehen mit Informations­tafeln. Das ungewohnte Bild im Wald ist der Erlebnispfad „Wald. Berlin. Klima“, der am Gründonnerstag eröffnet wurde. Über vier Kilometer erstreckt er sich durch den Grunewald und ist eine Außenstation der Internationalen Gartenausstellung. Schon 2014 haben die Planungen für den Pfad begonnen, im Oktober letzten Jahres hat dann die eigentliche Bauphase begonnen. Rund eine Million Euro hat das Projekt gekostet.

Spaziergängern bieten sich auf dem Rundweg Einblicke in das Leben des Waldes, seine Funktionen, seine Bedeutung speziell in der Großstadt und wie er umgebaut werden kann, damit er sich besser an den Klimawandel anpasst. Dazu sind an elf Informationsstationen, „Waldwohnzimmer“ genannt, jeweils ein paar Hundert Meter voneinander entfernt verschiedene Szenarien aufgebaut. Gezeigt wird zum Beispiel, welche Tiere und Pflanzen im Wald leben und tatsächlich entdeckt Lotta auch gleich einen Reiher auf der Wiese. An einer Station geht es darum, wie aus dem Wald Trinkwasser gewonnen wird und da liefern sich Oskar und Anton gleich eine kleine Wasserschlacht. Auf einem Steg wird man zu den Moorgebieten Barssee und Pechsee geführt und dabei die Bedeutung von Mooren erklärt, und an weiteren Stationen wird dokumentiert, wie der Grunewald und andere Berliner Waldgebiete derzeit zu Mischwäldern umgebaut werden.

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Zum großen Teil stehen Kiefern in den Wäldern

Bislang bestehen die Berliner Wälder zum größten Teil aus Kiefern, sie machen 60 Prozent des Bestandes aus. Das ist vor allem geschichtlich bedingt: Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die meisten Wälder abgeholzt, auch der Grunewald bestand in weiten Teilen nur noch aus Sandflächen. Die Kiefer eignete sich da besonders gut zur Wiederaufforstung, weil sie robust und anspruchslos ist. Seit einigen Jahren arbeiten die Berliner Forsten aber daran, die kieferndominierten Bestände in Mischwälder umzuwandeln. „Auf natürlichem Weg würde dieser Prozess an die 500 Jahre dauern“, erklärt Marc Franusch, Sprecher der Berliner Forsten, „so viel Zeit aber haben wir nicht, daher wurde bereits vor Jahren damit begonnen, Kiefernwälder zu lichten und Laubbäume neu zu pflanzen“.

2012 hat das sogenannte Mischwaldprogramm gestartet, es wird jährlich mit einer Million Euro finanziert und zurzeit schwerpunktmäßig im Köpenicker Forst und im Grunewald an der Havelchaussee umgesetzt. In den ersten fünf Jahren wurden im Rahmen des Programms insgesamt 1,6 Millionen Bäume auf einer Waldfläche von zusammen 490 Hektar gepflanzt. Umgekehrt wird jedes Jahr in allen Berliner Wäldern, die zusammen eine Fläche von 28.500 Hektar ausmachen, etwa 110.000 Kubikmeter Holz geerntet. Der Anteil von Kiefern liegt dabei zwischen 70 und 80 Prozent. „Bis 2050 läuft das Programm und bis dahin soll sich der Anteil an Kiefern auf 40 Prozent reduzieren“, so Franusch.

Die Stärkung des Anteils an Laubbäumen ist deshalb so wichtig, weil die Kiefer als immergrüner Baum auch im Winter viel Wasser braucht, ein Laubbaum aber im Winter fast ohne Wasser auskommt. Das wirkt sich auf die Grundwasserbilanz also deutlich positiver aus. Außerdem ist ein Mischwald stabiler, weil er weniger anfällig für witterungsbedingte Einflüsse oder Schädlinge ist. Das Risiko wird stärker gestreut. In einer Monokultur könne es hingegen schneller zu einem Flächenschaden kommen, erklärt Franusch.

Im blauen Wald

Ein Highlight gibt es an der zehnten Station. Plötzlich stehen Lotta, Oskar und Anton in einem blauen Wald. Zumindest sind die Stämme blau gestrichen. Gezeigt werden soll hier, wie viel Kohlendioxid ein Mensch im Jahr erzeugt und welche Waldfläche gebraucht wird, um der Luft so viel CO2 wieder zu entziehen. Im Schnitt ist es ein halber Hektar Wald und genau auf dieser Fläche sind die Bäume blau gestrichen.

Aus der bloßen Zahl wird für die drei Kinder eine vorstellbare – und beeindruckende – Größe. Da reichen Berlins Wälder bei Weitem nicht, um den CO2-Verbrauch auszugleichen. Der Wald allein kann also den immer noch wachsenden CO2-Ausstoß, der für den Treibhauseffekt und damit für die Klimaerwärmung mitverantwortlich ist, nicht ausgleichen. Auch dafür lohnt sich also ein Besuch der Waldausstellung: Die Besucher werden daran erinnert, dass sie selbst etwas tun können, um den CO2-Ausstoß zu verringern: weniger Strom verbrauchen oder mal statt ins Auto aufs Rad zu steigen.