Leerstand

Warum der Steglitzer Bierpinsel dunkel bleibt

Obwohl seit mehr als zehn Jahren kein Licht mehr im Bierpinsel brennt, wirbt Vattenfall mit dem Turm an der Schloßstraße.

Der Bierpinsel an der Schloßstraße in Steglitz ist seit 2002 geschlossen

Der Bierpinsel an der Schloßstraße in Steglitz ist seit 2002 geschlossen

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening Berlin / picture alliance / Arco Images

Die orangefarbenen Anzeigen von Vattenfall sind überall in der Stadt zu sehen: Der Energieversorger wirbt in jedem Bezirk mit einem anderen, für den Kiez typischen Bauwerk. In Steglitz-Zehlendorf heißt der Slogan deshalb: „Energie für die Pfaueninsel. Und für den Bierpinsel“. Abgebildet ist ein Pfau, dessen halb geöffnetes Federrad die Konturen des Bierpinsels wiedergibt. Die Frage drängt sich auf: Geht das Licht im Bierpinsel wieder an? Will Vattenfall gar den Turm betreiben? Nein, das ist nicht der Fall sondern eine Fehlinterpretation der Werbung.

Der Gastronomie-Turm an der Steglitzer Schloßstraße ist seit 2002 geschlossen. Dazu haben ein erheblicher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf geführt. Zwischenzeitlich gab es immer wieder kürzere Versuche, mit Kunstaktionen das markante Bauwerk aus den 70er-Jahren zu reaktivieren. Davon übrig ist noch die Fassadenbemalung von Graffiti-Künstlern. Doch bis heute liegt das einst als futuristisch bezeichnete Gebäude hoch oben auf der Tiburtius-Brücke im Dunkeln.

Vattenfall versorgt den Bierpinsel mit Energie

Warum wirbt dann gerade ein Energieversorger mit einen Bauwerk, dass so gar keine Energie verbraucht? „Vattenfall ist der Versorger des Bierpinsels“, erklärt Pressesprecher Steffen Herrmann. Selbst wenn das Gebäude nicht betrieben werde, müsse eine Notversorgung sichergestellt werden. Der Bierpinsel sei eines von vielen Motiven, die für die Werbekampagne ausgesucht wurden. Darüber hätten sich viele Leute den Kopf zerbrochen. Ein leuchtendes Element im Stadtbild sei der Bierpinsel tatsächlich nicht, gibt Steffen Herrmann zu. Deshalb würde Vattenfall es sich natürlich wünschen, dass er wieder betrieben wird.

Eigentümerin des Bierpinsels ist Tita Laternser. Sie hat das Bauwerk 2006 gekauft mit der vertraglichen Auflage, es zu sanieren und wieder Gastronomie im Turm zu eröffnen. Das Vorhaben wurde gestockt, als es im Winter 2009/10 zu mehreren Wasserrohrbrüchen kam. Seitdem ist der Bierpinsel ein Versicherungsstreit. Ein Gutachten nach dem anderen wurde erstellt, doch bis heute offenbar ohne Erfolg. „Nach meiner Information ist der Streit mit der Versicherung für die Begleichung der Schadenssumme noch immer nicht abgeschlossen“, sagt der zuständige Stadtrat für Immobilien Michael Karnetzki (SPD).

Das Grundstück, auf dem der Bierpinsel steht, gehört dem Land Berlin. Der Bezirk verwaltet es und kümmert sich um den Erbbaupachtvertrag. Daher kann das Amt bei der Immobilie immer noch mitreden. Vor fast einem Jahr hatte Karnetzki bereits mit einer Vertragstrafe gedroht, wenn die Eigentümerin ihren Verpflichtungen nicht nachkäme. Davon ist jetzt keine Rede mehr.

Eigentümerin ist für die Instandhaltung zuständig

Stattdessen haben Ende Juli Mitarbeiter der Bauaufsicht das Gebäude besichtigt. „Die Eigentümerin wurde im Nachgang Anfang August aufgefordert, entsprechend der ohnehin bestehenden Eigentümerverpflichtung für die Verkehrssicherheit und auch der vertraglichen Verpflichtung mit dem Bezirksamt die notwendigen Instandsetzungsarbeiten am Gebäude zu veranlassen“, sagt Michael Karnetzki. Das Gebäude müsse in einem guten und den gesetzlichen Vorschriften entsprechenden Zustand erhalten werden. Tita Laternser sei aufgefordert worden, das Bezirksamt über die veranlassten Arbeiten zu informieren. „Eine Antwort auf diese Aufforderung liegt bislang nicht vor“, sagte der Bezirksstadtrat.

Dagegen widerspricht die Inhaberin des Turms. „Ich bin mit allen, die im Bezirksamt für mich und den Bierpinsel wichtig sind, im Gespräch“, sagt Tita Laternser am Montag. Zudem bestätigte sie, dass der Streit mit der Versicherung über den Wasserschaden immer noch nicht beendet ist. Eigentlich wollte Tita Laternser schon im Frühjahr dieses Jahres mit dem Umbau beginnen. Sie will den Bierpinsel wieder als Gastronomieturm verpachten. Eine Bar mit Restaurant könnte sie sich zum Beispiel gut vorstellen.

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