Lichterfelde-Süd

2500 Wohnungen an der Osdorfer Straße - und grasende Pferde

Die Pläne für das Viertel in Lichterfelde-Süd sind fertig. 10.000 Menschen sollen dort eine Wohnung finden. Aber auch ein Teil des Wald- und Wiesengebiets bleibt übrig.

Die Pläne für ein neues Stadtviertel an der Osdorfer Straße in Lichterfelde-Süd sind fertig. 2500 Wohnungen, Kitas, Schulen, Sportplätze will dort die Groth-Gruppe für 800 Millionen Euro errichten. 10.000 Neu-Lichterfelder könnten in das Viertel ziehen, das auf einer Fläche von 39 Hektar entstehen wird. Übrig bleiben 57 Hektar des ehemals militärisch genutzten Geländes "Parks Range" – ein hügeliges Wald- und Wiesengebiet, dessen Landschaftsbild 20 Jahre nach dem Abzug der US-Truppen den Savannen in Mitteleuropa vor etwa 5000 Jahren ähnele, so Umweltstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne). In vier Workshops haben sich jetzt Planer, Investoren, Kiezakteure und Lokalpolitiker an einen Tisch gesetzt, um ein Konzept für die sogenannte Grüne Mitte zu erstellen. Mit dem Ergebnis: "Die Lichterfelder Weidelandschaft ist gerettet", sagt die Umweltstadträtin.

Zum Erhalt des Landschaftsschutzgebietes, wo sich Moorfrosch, Zauneidechse und Fledermaus angesiedelt haben, soll vor allem der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) beitragen. Er hat generell seine Bereitschaft erklärt, den Betrieb zu übernehmen. Allerdings sind die Details noch nicht geklärt. Im Moment werden verschiedene Modelle diskutiert, wie sich die Trägerschaft realisieren lässt. "Wir haben ein großes Interesse, dass ein Teil des Geländes als Weidelandschaft erhalten bleibt", sagt BUND-Pressesprecherin Carmen Schultze. Bereits heute grasen auf dem Gelände Pferde der Reitergemeinschaft Holderhof. Das soll nicht nur so bleiben, sondern noch ausgebaut werden. Die Pferde könnten auch künftig gezielt als Weidetiere eingesetzt werden, um das Landschaftsbild zu erhalten, sagt Carmen Schultze.

Angebote für Naherholung

Ein weiteres Ergebnis der Workshops ist, das Gelände für die Öffentlichkeit und die Naherholung zugänglich zu machen. Von einer "sanften Besucherlenkung und der Schaffung weiterer verträglicher Naturerfahrungsmöglichkeiten" ist im Ergebnisprotokoll die Rede. Dabei sollen weniger sensible Teilflächen für die Erholung geöffnet werden. "Wir können den Zugang nicht völlig freigeben", sagt die BUND-Sprecherin. Von den vielen Spaziergängern würden sich die Weidetiere gestört fühlen. Aber auch die anderen Tiere, darunter auch Bodenbrüter, müssten vor frei umherlaufenden Hunden geschützt werden. Deshalb plädiert sie für ein öffentliches Wegekonzept, das einen gezielten Zugang ermöglicht, ähnlich wie im Schöneberger Naturpark Südgelände. Auch dort sind nicht alle Bereiche öffentlich begehbar.

Die Mitstreiter des Aktionsbündnisses Landschaftspark Lichterfelde Süd begrüßen zwar die Debatte um den Erhalt der Grünen Mitte. Von einer Rettung des gesamten schützenswerten Areals könnte aber keine Rede sein, sagt der Vorsitzende Helmut Schmidt. Eine Grenze zwischen dem Gelände, das bebaut werden soll, und dem Naturschutzgebiet sei nie exakt definiert worden. Nach den aktuellen Plänen für das Wohngebiet sollen auch Teile des Naturschutzgebietes bebaut werden. Das Aktionsbündnis fordert nach wie vor, dass das Gelände nicht so massiv bebaut wird, wie es bereits in der benachbarten Thermometersiedlung in den 70er-Jahren geschah. Dort leben heute etwa 6000 Menschen in den Hochhäusern. "1500 Wohnungen – das ist das, was die Gegend verträgt", sagt Helmut Schmidt, selbst Anwohner.

Arbeiten beginnen im vierten Quartal 2016

Nach der derzeitigen Terminplanung sollen die Hochbauarbeiten im vierten Quartal 2016 beginnen. Der Investor, die Groth-Gruppe, strebt für die 2500 Wohnungen eine Mischung aus gefördertem und freifinanziertem Wohnungsbau sowie Eigentum an. Sechs zwölfgeschossige Hochhäuser, dazu sechsgeschossige Bauten sowie drei- und zweigeschossige Reihen- und Doppelhäuser sind an den Rändern der Grünen Mitte mit dem Weideland geplant. Dazu soll die Infrastruktur entwickelt werden mit Schulen, Kitas, Geschäften, Arztpraxen und Freizeit- und Sportmöglichkeiten. Stadtteiltreffpunkte, Straßen, Plätze und Grünanlagen werden den neuen Kiez komplettieren. Zielgruppen sind nach Aussagen des Investors insbesondere Familien, aber auch Senioren, Singles und Paare.

Fast 40 Jahre lang wurde in Lichterfelde Süd auf dem Gelände an der Osdorfer Straße der Häuserkampf trainiert. Seit ihrem Abzug der US-Truppen vor 20 Jahren liegt das gesamte Areal brach. Jahrelang wurden Pläne, Ideen und Projekte diskutiert und verworfen. So sollten auf dem Gelände unter anderen ein Golfplatz, ein Platz für Volksfeste und eine autofreie Stadt entstehen. Mit dem Verkauf der Fläche an die Groth-Gruppe und dem Beschluss, ein neues Wohnquartier zu entwickeln, ist Neugestaltung des Areals in der Debatte.

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