Zehlendorf

Düppel – Ein Dorf mit Bahnanschluss

Berliner Stadtgeschichte aus Zehlendorf: Neuer Stadtführer stellt Spaziergänge durch Düppel und Umgebung vor. Das ABC des Ortsteils Düppel.

Foto: Verlag Pharus-Plan/Landesarchiv Berlin

Berliner Stadtgeschichte ist ein Lieblingsthema des Autors Andreas Jüttemann. In einem neuen Stadtführer stellt er Düppel und seine Geschichte vor und gibt Tipps für Ausflüge in den Südwesten der Stadt.

Aufgewachsen ist Andreas Jüttemann in Nikolassee. Aber in den Kindergarten ging er in Düppel und dort lag auch eine der Hauptattraktionen seiner Kindheit: die stillgelegten Strecken der Stamm- und der Friedhofsbahn. Als Kind ging er dort spazieren, als Jugendlicher schrieb er auf seiner eigenen Internetseite darüber. Jetzt hat der 29-Jährige beides zusammengebracht – in seinem Buch über Spaziergänge entlang der historischen Bahnstrecken, auf denen er sich Düppel und die angrenzenden Zehlendorfer Ortslagen erwandert hat. Der Stadthistoriker hat zuvor bereits Bücher über Nikolassee, Westend und Schmargendorf veröffentlicht.

Warum in den 90er-Jahren regelmäßig Filmteams in Dreilinden auftauchten, weshalb eine Bahn für Särge gebraucht wurde und was eine königliche Abneigung gegen Sand mit Düppel zu tun hat: Die Berliner Morgenpost stellt das Buch von A bis Z vor.

A

Alarm für Cobra 11: Auf der stillgelegten Autobahntrasse in Dreilinden fanden in den 90er-Jahren Dreharbeiten für die RTL-Action-Serie statt.

B

Bankierszüge: Damit Bankiers und andere Gutsituierte aus Zehlendorf schnell ins Büro und die Oper kamen, fuhren einige Züge zwischen Innenstadt und Vororten ohne Halt durch.

C

Checkpoint Bravo: So nannten die Amerikaner den Kontrollpunkt Drewitz/Dreilinden, der zwischen Checkpoint Alpha (Helmstedt/Marienborn) und Checkpoint Charlie lag.

D

Dreilinden: Das Forsthaus im Düppeler Forst hieß Haidekrug, sein Besitzer wollte einen klangvolleren Namen – den auch das später nebenan gebaute Jagdschloss trug.

E

Erbbausiedlung Eigenheim: 200 Mark Pacht monatlich kosteten die Grundstücke mit den in den 1930er-Jahren erbauten Häusern. Die Verträge galten bis 1999, danach wurden die Häuser verkauft.

F

Friedhofsbahn: Weil Berlin keinen Platz mehr hatte , verlegte es die Friedhöfe an den Stadtrand. Deshalb wurde 1913 die Strecke von Wannsee zum neuen Friedhof Stahnsdorf eröffnet – für Besucher und Sarg-Transport.

G

Gartenstadt Zehlendorf: Ab 1912 ließ der Beamten-Wohnungs-Verein auf einem Acker am Stadtrand bis zu 150 Quadratmeter große Wohnungen mit Garten bauen.

H

Housing Area: Die Großsiedlung für die US-Armee auf dem Düppeler Feld stammt aus den 70er-Jahren. Nach dem Abzug der Alliierten kaufte und sanierte die Wohnungsbaugesellschaft Degewo 2003 die Wohnungen und verkaufte den überwiegenden Teil weiter.

I

Internetseite: Als Jugendlicher schrieb Andreas Jüttemann auf einer eigenen Internetseite über seine Heimat (berlin.bahninfo.de).

J

Justizvollzugsanstalt Düppel: Das Gefängnis wurde 1954 in ehemaligen Baracken des Reichsarbeitsdienstes gegründet. 2007 schloss es, seit 2010 gibt es den Neubau für den offenen Vollzug.

K

Kleingartenkolonie: 1919 kaufte die Reichsbahn dem Prinzen Friedrich Leopold 1250 Hektar auf dem Düppeler Feld ab, um Parzellen für Bahn-Angestellte einzurichten. Ausrangierte Waggons dienten als Lauben.

L

Lager Düppel: Von 1946 bis 1948 lebten auf dem Gelände des heutigen Jugendfreizeitheims bis zu 5000 jüdische Flüchtlinge, die den Holocaust überlebt hatten. Sie warteten auf ihre Ausreise in die USA oder nach Israel.

M

Museumsdorf: Mittelalterliches Handwerk zeigt das Museum auf dem Gelände eines Dorfangers aus dem 12. Jahrhundert. Archäologen hatten die Siedlung freigelegt.

N

Neu-Zehlendorf: Zwischen Zehlendorf und Wannsee entstand ab 1775 die Kolonie Neu-Zehlendorf. Angeblich hatte sich König Friedrich der Große über die sandige Einöde zwischen Potsdam und Berlin beklagt. Gebaut wurden Häuser für Soldaten, die mit Ackerbau und Viehzucht ihren Ruhestand bestreiten sollten.

O

Otto von Camphausen: Nach dem preußischen Minister wurde die Straße benannt, die der „Verein zur Erziehung sittlich verwahrloster Kinder“ 1893 zu seinem Haus anlegen ließ.

P

Parforceheide: Zwischen Düppel und Potsdam ging König Friedrich Wilhelm I. mit Hunden und Pferden auf die Jagd. Nach den Parforcejagden wurde das Waldstück benannt, das später der Zehlendorfer Straße den Namen gab.

Q

Quastheide: Die Straßen der Gartenstadt Düppel tragen märkische Namen für Gewächse, beispielsweise Barkenhof (Birke) oder Flererhof (Flieder). Die Quastheide ist ein Laubwedel.

R

Rose Range: Im umzäunten Sperrgebiet mitten im Düppeler Forst übten US-Soldaten an Wochentagen das Schießen, am Wochenende durften sie hier picknicken. Seit Mitte der 90er-Jahre ist das Feld frei zugänglich.

S

Stammbahn: Die 1838 eröffnete Verbindung war Preußens erste Eisenbahnlinie. Zuerst verlief sie von Zehlendorf nach Potsdam, wurde dann bis Berlin verlängert. Eine Initiative, die Verbindung nach dem Mauerfall wieder einzurichten, war bisher erfolglos.

T

Tierklinik: „Fast jeder Berliner, dessen Haustier ein Wehwehchen hatte, ist vermutlich schon einmal nach Düppel gefahren“, schreibt Jüttemann.

U

U-Bahn: Adolf Sommerfeld, der auf seinen Grundstücken im Südwesten Wohnungen baute, finanzierte die U-Bahn bis Krumme Lanke und wollte sie bis zur Machnower Schleuse fortsetzen. West-Berlins Verkehrsplaner hielten nach dem Mauerbau an dem Plan fest, umgesetzt wurde er nie.

V

Vorwerk Neu-Zehlendorf: So nannte Erbauer Friedrich Bensch den Gutshof und die Ländereien. Ein Neffe des späteren Kaisers Wilhelm I. kaufte 1859 den Hof, der zum „Rittergut Düppel“ wurde. Heute hat dort die Veterinärmedizin der FU ihren Sitz.

W

Wespen: Der Tennis- und Hockeyverein „Zehlendorfer Wespen“ trainierte bis 1999 in der Nähe des S-Bahnhofs Mexikoplatz, baute dann eine Anlage auf dem Düppeler Feld.

Y

Der Buchstabe gehört eigentlich in den Ortsnamen: Düppel ist nach dem dänischen Dybbøl benannt.

Z

Zehlendorf-Süd: Der 1972 erbaute S-Bahnhof „war der einzige von der DDR-Reichsbahn auf Westberliner Gebiet errichtete Bahnhof“, schreibt Jüttemann. Bis 1984 hatte die DDR-Bahn auch die S-Bahnlinien im Westen betrieben.

Andreas Jüttemann: Berlin-Düppel, Spaziergänge und Entdeckungen zwischen Zehlendorf und Dreilinden, Verlag Pharus-Plan, 9,80 Euro.