Zehlendorf

Legionellen-Alarm in Berliner Grundschule

In der Dreilinden-Grundschule in Zehlendorf mussten die Duschen in der Turnhalle gesperrt werden. Dort wurden gefährliche Legionellen gefunden. Die Schule erfuhr davon erst auf Nachfrage.

An der Dreilinden-Grundschule in Zehlendorf gibt es Probleme mit Legionellen. Seit Ende vergangener Woche sind in der Turnhalle der Schule die Duschen gesperrt, weil bei der Routine-Überprüfung eine Besiedlung mit den gefährlichen Bakterien festgestellt wurde. Legionellen sind Stäbchenbakterien, die beim Einatmen eine gefährliche Lungenentzündung auslösen können, die unbehandelt tödlich verlaufen kann.

Schulleiterin Britta Ullrich sagte der Berliner Morgenpost jetzt, dass die Überprüfung bereits im November stattgefunden habe. „Über die Ergebnisse der Untersuchung sind wir aber erst auf Nachfrage beim Gesundheitsamt informiert worden.“ Die Duschen seien zu selten benutzt worden, teilte das Gesundheitsamt der Schule mit. Das könne zu einem Legionellenbefall führen.

Schulleiterin Ullrich hofft, dass jetzt schnell gehandelt wird. „In den Winterferien soll es eine Thermosanierung der Duschanlage geben“, sagte sie. Ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest. Die Leitungen würden zunächst erhitzt und dann stark abgekühlt. Das töte die Legionellen ab, die sich bei Temperaturen von 50 bis 60 Grad Celsius am stärksten vermehren.

Duschen sollen baulich saniert werden

Immobilienstadtrat Michael Karnetzki (SPD) bestätigte der Berliner Morgenpost, dass die Duschen in den Winterferien auch baulich saniert werden sollen. Die Kosten belaufen sich auf 25.000 Euro. Cerstin Richter-Kotowski (CDU), Schulstadträtin in Steglitz-Zehlendorf, kritisierte, dass die Schule von dem Legionellenbefall erst auf Nachfrage erfahren hat. Grundsätzlich problematisch sei auch, dass im Zuge der Energieeinsparung das warme Wasser so herunterreguliert werden müsse, dass es nicht mehr heiß genug wird und sich Legionellen entwickeln können.

Die Dreilinden-Grundschule ist nicht die einzige Schule mit Problemen. Viele Berliner Einrichtungen sind marode. Allein im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, in dem es viele Altbauten gibt, liegt der Sanierungsbedarf bei 410 Millionen Euro – der Spitzenwert aller Bezirke. Der Sanierungsstau an öffentlichen Schulen war auch der Anlass für eine Podiumsdiskussion am Montagabend in der Johann-August-Zeune-Schule in Steglitz. Das Kuriose daran: Sie sollte eigentlich in der Aula der benachbarten Fichtenberg-Oberschule an der Rothenburgstraße stattfinden. Doch die war immer noch gesperrt, weil das Dach undicht ist.

200 Millionen Euro pro Jahr nötig

Zum ersten Mal hatten die Eltern die Initiative ergriffen, um Politiker zu kaputten Schulen zu befragen. Eingeladen hatte der Bezirkselternausschuss (BEA), der auch im Dezember 2014 wieder einen virtuellen Adventskalender organisiert hatte. Jeden Tag wurde ein schulischer Missstand öffentlich gemacht, wie gesperrte Sporthallen, fehlende Klassenräume, marode Sanitäranlagen. Nach der Aktion wollten Eltern und Lehrer jetzt wissen, wo die Ursachen für die Sanierungsprobleme liegen. Sie bekamen Antworten wie Personalmangel und Unterfinanzierung.

Das Land Berlin verfügt über Schulgebäude mit einem Wert von elf Milliarden Euro. Für die jährliche Instandhaltung werden in der Immobilienbranche zwischen 1,5 und drei Prozent des Wertes angesetzt. Nach dieser Rechnung müsste das Land jedes Jahr 200 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Tatsächlich sind es 80 Millionen. Dazu kommen noch Mittel aus Sonderprogrammen, über die die Bezirke verfügen können.

„Mehr Transparenz, wo das Geld aus den verschiedenen Quellen hinfließt“, fordert Stefanie Remlinger, bildungspolitische Sprecherin der Grünen. Vor allem sollte sichergestellt werden, dass die Bezirke die Sonderprogramme nicht für andere Zwecke nutzten. Ihre weitere Forderung: ein professionelles Gebäudemanagement. Auch Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) sieht „strukturelle Probleme“. Es seien zu viele Stellen zu lange mit Koordinieren beschäftigt, so Heilmann. Er würde die Arbeit dezentralisieren, damit Bezirk und Senat sich nicht ständig abstimmen müssten. Birgitt Unteutsch, deren Kind in die Montessori-Gemeinschaftsschule in Lichterfelde geht, sagte: „Das Entscheidende ist, dass endlich die Schulen schnell saniert werden.“

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