Fahndung

Den Ermittlern bleibt nach dem Tunnelraub nur die Hoffnung

Auch zwei Jahre nach dem spektakulären Tunnel-Coup in der Berliner Volksbank an der Schloßstraße hat die Polizei keinen der Räuber ermittelt. Und die Chancen dafür werden immer schlechter.

Foto: Paul Zinken / dpa

Der Aufsehen erregende Einbruch in den Tresorraum einer Berliner Volksbank durch einen Tunnel liegt bereits zwei Jahre zurück. Die polizeilichen Ermittlungen treten auf der Stelle. Die Proteste der betroffenen Mieter der geplünderten Schließfächer sind verebbt, die Hinweise zu den Tätern versiegt und die Sonderkommission der Polizei ist längst aufgelöst: Von den raffinierten Tätern des spektakulären Tunnelraubs in Steglitz und ihrer Millionenbeute fehlt weiter jede Spur. „Es gibt nichts Neues“, fasste ein Polizeisprecher zum zweiten Jahrestag der Tat am Mittwoch überaus knapp zusammen.

Fortschritte hat lediglich die Volksbank im Gespräch mit den bestohlenen Bankkunden erzielt. Immerhin 63 Prozent der insgesamt 294 betroffenen Kunden der Bank wurden bisher ganz oder teilweise entschädigt. Vor einem Jahr waren es indes erst gut 40 Prozent.

Professionelles Vorgehen

Die „Interessengemeinschaft Tunnelraub“ – ein Zusammenschluss der Bankraubopfer – existiert zwar noch, ist aber auf ein gutes Dutzend zusammengeschmolzen. „Wir sind zu wenige für eine erneute Protestdemonstration“, sagt der 60-jährige Siegfried W. Vor einem Jahr protestierten die Diebstahlopfer noch gegen die ihrer Ansicht nach völlig unzureichende Entschädigung durch die Berliner Volksbank. Jetzt haben sich viele der Geschädigten nach eigenen Aussagen mit der Bank geeinigt. Über die Höhe der gewährten Leistungen müssen die Kunden schweigen.

300 Schließfächer aufgebrochen

Am 14. Januar 2013 wurde der filmreife Coup mitten im Südwesten Berlins entdeckt. Die Bankräuber hatten von einer Tiefgarage eines Wohn- und Geschäftshauses an der Wrangelstraße aus – unter dem Kundenparkplatz der Bank hindurch – einen 45 Meter langen, fachmännisch abgestützten Tunnel in den Tresorraum der Bank gegraben. Die verstärkte Außenwand des Gebäudes hatten die Kriminellen dabei mit einem Beton brechenden Spezialbohrer überwunden. In dem Tresorraum brach die Bande knapp 300 Schließfächer auf und durchwühlte deren Inhalt nach Wertgegenständen. Die Räuber packten Bargeld, Goldbarren, Münzen und Schmuckstücke zusammen, ehe sie nahezu spurlos verschwanden. Die Täter müssen etwa ein Jahr lang an dem Tunnel gearbeitet und etliche Tonnen Erdreich unbemerkt entsorgt haben.

Feuer gelegt, um Spuren zu verwischen

Um Spuren zu verwischen, legten die Einbrecher vor ihrer Flucht Feuer im Keller des Geldinstituts und im Tunnel selbst. Die Ermittlungen ergaben, dass die gesuchten Täter zur Anmietung der Tiefgarage ein Personaldokument vorgelegt hatten, das mit einem Foto eines Unbeteiligten versehen war. Die Täter hatten einfach ein Foto eines Studenten aus Nordrhein-Westfalen aus dem Internet heruntergeladen und eingefügt.

Die Polizei schätzte den Wert der Beute auf rund zehn Millionen Euro. Doch genau weiß das keiner. Deshalb fällt es einigen der Geschädigten bis heute so schwer, Bank und Versicherungen nachzuweisen, was sie an Schätzen in ihren Schließfächern aufbewahrt hatten. Komplett entschädigt wurde nur, wer den Inhalt seines Schließfaches noch zusätzlich versicherte. Das hatten lediglich 57 der 294 Betroffenen getan. Die bekamen insgesamt 1,8 Millionen Euro vom Versicherer der Bank.

Verhandlungen mit Geschädigten

Die Volksbank verhandelt nach Angaben ihrer Sprecherin Nancy Mönch noch immer mit gut einem Drittel der Geschädigten. „Wir haben allen Betroffenen ein Angebot für eine Kulanzlösung gemacht“, sagt Mönch. Mit 110 sei bisher keine Einigung erzielt worden. Insgesamt 3229 einzelne Fundstücke konnte die Bank nach dem Raub sicherstellen. Die Eigentümer konnten aber nur in 1729 Fällen ermittelt werden. Beim Rest gelang keine Zuordnung. „Das ist sehr schwierig“, sagt Mönch. Denn „dazu gehören einzelne beschädigte Perlen, Teile einer Goldkette oder verschmolzene Klumpen von Schmuckstücken, die niemand als seinen Besitz erkennt.“ Ebenso seien etwas Bargeld und verschiedene Edelmetalle zurückgeblieben. Diese Werte sollen in eine Kulanzlösung einfließen.

800 Hinweise, keine heiße Spur

Die Polizei tappt nach wie vor im Dunkeln. Sämtliche rund 800 Hinweise führten nicht auf die Spur der Täter. Auch die insgesamt 50.000 Euro Belohnung von Versicherung und Bank brachten keinen heißen Tipp, das Geld ist immer noch unangetastet. Dabei hinterließen die Einbrecher DNA-Spuren. Doch bisher konnten die Ermittler diese Spuren keinen Menschen zuordnen. „Wir hoffen auf den DNA-Treffer“, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf. „Wir warten darauf, dass bei irgendeinem Verbrechen die passende DNA auftaucht. Wenn das nicht passiert, gibt es keine realistische Chance, die Tat aufzuklären.“

Auf der Internetseite der Berliner Polizei sind unter der Rubrik Sachfahndung auch zwei hochwertige und auffällige Schmuckstücke abgebildet, die vor zwei Jahren erbeutet wurden. Es handelt sich um eine Halskette mit Diamanten und einen Ring in Schmetterlingsform, der vermutlich mit Saphiren besetzt war. Der Weiterverkauf des Schmucks wäre eine weitere Möglichkeit für die Ermittler, doch noch eines Tages auf die Spur der Tunnelräuber zu kommen.

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