Oskar-Helene-Heim

Für eine provisorische Kita fallen Bäume - Anwohner protestieren

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Karoline Beyer

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Auf dem Gelände des früheren Oskar-Helene-Heims werden alte Bäume gefällt – zum Ärger der Nachbarn. Die Robinien sollen einer provisorischen Kita auf Zeit weichen.

Mehr als ein halbes Jahrhundert sind sie alt, die großen Robinien, die krachend ins Unterholz fallen. An der Waltraudstraße heulen die Motorsägen, Arbeiter zerkleinern das gefällte Holz. Horst Garschig steht am Zaun des Grundstücks Nummer 45 und schüttelt den Kopf. „Diese alten Bäume fallen zu sehen, ist nicht leicht“, sagt er. Der 78-Jährige lebt seit 1961 im Haus gegenüber und beobachtet die Arbeiten, die seit einigen Tagen andauern, mit großer Skepsis.

Auf dem Teil des Grundstücks soll bald eine Kindertagesstätte stehen, allerdings nur vorübergehend, als Container-Bau. Die Kinder gehören zur Kita „Kiddies International“, deren Haus auf dem Gelände des ehemaligen Oskar-Helene-Heims, wie berichtet, zurzeit saniert wird. Ihr derzeitiges Ausweichquartier, die ehemalige Kinderchirurgie, wird abgerissen, 75 Kinder sollen für sechs bis neun Monate in die Container umziehen.

Ortstermin am Dienstag

Aufgestellt und finanziert werden diese vom neuen Eigentümer des Grundstücks, der „Wohnkompanie“, die seit dem Frühjahr an der Clayallee einen Komplex aus Wohn- und Medizingebäuden baut, wo einst das Oskar-Helene-Heim war. Zu diesem Komplex soll auch das sanierte Kita-Haus gehören. „Wir haben überhaupt nichts dagegen, dass hier Kinder herkommen. Im Gegenteil“, sagt Horst Garschig. „Aber hier stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht, vor allem wenn die Container bald wieder entfernt werden.“

Am Dienstag kamen viele Menschen zur Waltraudstraße 45, um bei den Arbeiten zuzusehen – der Landschaftsplaner der Wohnkompanie, ebenso die vom Unternehmen beauftragten Eingriffs- und Baumgutachter. Sie wollten sich nicht öffentlich zu den Fällungen und Planungen äußern und auch nicht namentlich erwähnt werden. Sie waren sich aber einig, dass die Arbeiten notwendig sind.

Die Wohnkompanie fällt die Bäume nach Aussage von Sprecher David Eckel, weil deren Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben ist: „Wir haben dafür alle Genehmigungen. Für die Kindergartenkinder wäre es zu gefährlich. Die Bäume drohten laut Gutachten abzubrechen.“ Der Landschaftsplaner wies auf ein sogenanntes Druckwiesel am Fuß der zwei am Weg stehenden Robinien. Die Bäume sind beide zweistämmig, unten, wo ihre Stämme auseinandergehen, hat sich eine Verdickung gebildet, in der erste Risse zu erkennen sind. Nach Aussage des Gutachters würden sie mittelfristig ohnehin auseinanderbrechen und fallen. Auch die wenigen Bewohner des ehemaligen Schwesternheimes des Oskar-Helene-Heimes, das unmittelbar neben der geplanten Containerbaustelle steht, wären davon bedroht.

Genehmigungen liegen vor

Oliver Schruoffeneger, Referent von Gesundheits- und Tiefbaustadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne), bestätigte das. „Alle erforderlichen Genehmigungen lagen vor“, sagt er. Auch wenn das Grundstück im Landschaftsschutzgebiet liege, gehe Sicherheit vor. „Insgesamt werden vier Bäume gefällt. Zuvor hat ein Ornithologe untersucht, ob in dem Baum genistet wird. Der Landschaftsplaner überprüft, welche Bäume gefällt werden müssen.“ Im Frühjahr wurden bereits etliche Bäume für einen Kita-Spielplatz gefällt. Später soll dort ein öffentlicher Gehweg entlangführen.

Seit März 2012 sei die Wohnkompanie Eigentümerin des Grundstücks und könnte haftbar gemacht werden, wenn jemand durch stürzendes Holz zu Schaden käme, sagt Schruoffeneger. Daher würden nun auch die Bäume des angrenzenden Waldgeländes zwischen Container-Aufstellfläche und Baustelle an der Clayallee überprüft. „Alles, was jetzt steht und geschützter Wald ist, bleibt bestehen“, sagt Eckel. „Das Gelände wird nicht komplett gerodet. Der Investor wollte ursprünglich viel mehr Fällungen bewilligt haben, aber es bleibt bei den Rändern um die bereits vorhandenen Stellen, für die es eine Baugenehmigung gibt“, betont Oliver Schruoffeneger.