Interreligiöses Zentrum

Wie am Hüttenweg doch noch eine Synagoge entstehen könnte

Seit Jahren soll im interreligiösen Zentrum am Hüttenweg in Berlin-Dahlem eine Synagoge gebaut werden. Die katholische „All Saints“-Gemeinde ist jedoch dagegen. Dennoch scheint eine Lösung möglich.

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Der Moment für einen Neuanfang ist gekommen: Seit Jahren lebt die Synagogengemeinde Sukkat Schalom im Gemeindezentrum am Dahlemer Hüttenweg im Provisorium. Die liberale jüdische Gemeinde hat keinen sakralen Ort im Haus. Für die Gottesdienste muss jeden Freitag und Sonnabend ein Mehrzweckraum umgeräumt werden. „Das ist kein Zustand“, sagt Rabbiner Andreas Nachama, der die Gottesdienste dort hält und Direktor der Stiftung Topografie des Terrors ist. Aus diesem Grund ist die Gemeinde gerade in ein neues Provisorium in die Synagoge an der Herbartstraße in Charlottenburg gezogen. Seit vier Jahren soll am Hüttenweg eine Synagoge entstehen. Die Hoffnungen sind groß, dass der Bau jetzt realisiert werden kann. Die Pläne sind fertig.

Drei Religionen unter einem Dach – das ist Alltag im Gemeindezentrum am Hüttenweg. Das Gebäudeensemble mit Kirche und Kindergarten, das katholische, protestantische und jüdische Glaubensgemeinschaften vereint, wurde 1957 von der US-Armee als „House of Tolerance“ eröffnet. Das blieb auch nach dem Abzug der US-Truppen so. Hauptmieter ist seit 1999 die „All Saints Catholic Community“, die mit den anderen Untermietverträge abgeschlossen hat. Im Februar 2014 laufen die Verträge aus, dann soll die Zukunft des Zentrums neu geordnet werden. Das ist nicht einfach. „Die Vorstellungen der unterschiedlichen Nutzer gehen zum Teil noch auseinander“, sagt Michael Karnetzki (SPD), Bezirksstadtrat für Immobilien.

Mehrere Mieter im Gemeindezentrum am Hüttenweg

Alle wollen im Gemeindezentrum bleiben, soviel steht fest. Nur die Frage ist, ob es wieder einen Hauptmieter oder die drei Religionsgemeinschaften und die Kita als vier gleichberechtigte Nutzer geben soll. Nicht nur die Meinung der Nutzer, auch die Meinungen im Bezirksamt gehen dazu auseinander. Die CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung will diese Frage nun öffentlich klären. Sie fordert in einem Antrag, den Vertrag mit dem katholischen Hauptmieter „All Saints“ nicht zu verlängern und dafür allen Nutzern Mietverträge über Teilflächen zu geben.

„Es muss etwas passieren“, sagt CDU-Fraktionschef Torsten Hippe. Er halte es für unwürdig, dass die liberale Synagogengemeinde Sukkat Schalom ihre Gottesdienste in einem Provisorium abhalten müsse. Jeder solle seinen Raum haben, keinem dürfe es schlechter gehen, sagt Hippe zum Ziel der neuen Vertragsgestaltung. Bereits vor vier Jahren hatten die Bezirksverordneten den Weg frei gemacht für den Neubau einer Synagoge auf dem Gelände, doch bis heute ist es nicht dazu gekommen. Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) weiß den Grund: „All Saints hat nicht zugestimmt.“ Von der katholischen Gemeinschaft war keine Stellungnahme zu bekommen, sie reagierte weder auf telefonische Anfragen noch auf E-Mail.

Christlich-jüdische Dialog wichtiger Teil der Gemeindearbeit

Der Bezirksbürgermeister vertritt eine andere Position als der CDU-Fraktionschef. „Das Bezirksamt hat deutlich gemacht, dass es nicht mit mehreren Nutzern Verträge abschließen will“, sagt Kopp. Stattdessen solle es einen Trägerverein geben, unter dessen Dach die vier Nutzer vereint sind. Bislang hat „All Saints“ den Vorsitz gehabt. Doch nun liegt dem Bezirksbürgermeister ein weiterer Antrag vor: Auch Sukkat Schalom hat sich als Trägerverein beworben.

Befürwortet wird das Engagement der jüdischen Synagogengemeinde von der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Dahlem, zu der die St.-Annen-Kirche und die Jesus-Christus-Kirche gehören. „Wir unterstützen das Anliegen von Sukkat Schalom, Trägerverein zu werden“, sagt Pfarrerin Marion Gardei. Auch ein Erweiterungsbau für eine Synagoge sei begrüßenswert. Der christlich-jüdische Dialog mit Sukkat Schalom sei schon seit Jahren Teil ihrer Gemeindearbeit. Auch Katja von Damaros, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, berichtet von den guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu der jüdischen Gemeinschaft. So würde man Fest, wie Chanukka, zusammen feiern. Viele Neubauten würden derzeit in Dahlem entstehen. Für die Zuzügler verschiedener Konfessionen bräuchte man ein funktionierendes interreligiöses Zentrum.

Drei Pläne für neue Synagoge am Hüttenweg

Die Pläne für einen Synagogenbau am Hüttenweg liegen bereit. Drei Konzepte sind in der Auswahl. So könnte der Innenhof, der derzeit eine Grünfläche ist, überdacht und zu einem Synagogenraum ausgebaut werden. „Mit dieser Variante müsste nur wenig an der bisherigen Struktur geändert werden“, sagt Rabbiner Andreas Nachama. Der Gemeindesaal bliebe unangetastet und die Kosten hielten sich in Grenzen. Eine weitere Möglichkeiten wäre, andere Räume zu entkernen. Dritte Variante ist ein Neubau. „Das ist der größte Aufwand, könnte aber architektonisch sehr schön sein“, so Nachama. Welches Konzept auch zu Tragen komme: Wichtig sei, dass die Gemeinschaft Sukkat Schalom am Hüttenweg endlich einen Gebetsort bekomme. „Der größte Teil der Gemeinde wohnt im südlichen Grunewald und Steglitz.“

Das Bezirksamt, so lässt Immobilienstadtrat Michael Karnetzki wissen, steht zur vertraglich festgelegten Nutzung. Das Gebäude der ehemaligen US-amerikanischen Kirche solle der „traditionellen ökumenisch-kirchlich und gemeinschaftlich-kulturellen Nutzung sowie für Aktivitäten zur Erhaltung und Vertiefung der deutsch-amerikanischen Freundschaft“ dienen. Wie dieser Vertrag im Detail ausgefüllt werden soll, sei noch nicht entschieden.

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