Bau-Denkmal

Das Strandbad Wannsee ist schon wieder ein Sanierungsfall

Erst vor fünf Jahren wurde das Bad für 12,5 Millionen Euro saniert. Jetzt gibt es neue Schäden - und niemand will dafür verantwortlich sein.

Foto: Massimo Rodari

Viele Millionen sind bereits in die Sanierung des Berliner Strandbads Wannsee geflossen – doch schon wieder ist es marode. Allein in den Jahren 2005 bis 2007 wurde Europas größtes Binnenseebad für 12,5 Millionen Euro instand gesetzt. In den zwei Jahrzehnten davor investierten Bezirk und Land etwa 20 Millionen Euro in die Reparatur von Gebäuden, Terrassen und Promenaden.

Heute ist das denkmalgeschützte Bauwerk wieder ein Sanierungsfall. Der Landesdenkmalrat hat festgestellt, dass „das Bad verkommt“ und „dringender Handlungsbedarf“ besteht, so Mitglied Helmut Zeumer. Jetzt ist ein Streit darüber ausgebrochen, wer fünf Jahre nach dem Abschluss der jüngsten Sanierungsarbeiten dafür verantwortlich ist.

Vier Akteure sind in die Debatte verwickelt: die Senatssportverwaltung als Eigentümer des Bades, die Bäderbetriebe als Betreiber, die Stiftung Denkmalschutz Berlin, die die Sanierung zur Hälfte aus Werbeeinnahmen und Spenden finanziert hat, und die Firma Hochtief. Zwischen diesen Beteiligten ist nun zu klären, wer für die Mängel aufkommen muss.

Die neuerlichen Schäden sind nicht zu übersehen: In den Fliesen sind Risse, im Wandelgang sichtbare Feuchtigkeitsschäden, an den Stahlträgern blättert die Farbe ab. Von einer „Pinselstrichsanierung“ spricht Helmut Zeumer vom Landesdenkmalrat. „Mit frischer Farbe sieht alles gut aus, nur ist es nicht nachhaltig“, sagt der Stadtplaner und Architekt. Die Stahlkonstruktion roste schon wieder an vielen Stellen. Man sehe, dass „irgendwas schief gelaufen ist“. Vielleicht sei ja nicht richtig entrostet worden, vermutet er. Seiner Ansicht nach müsse die Stiftung Denkmalschutz Berlin als Bauherr die ausführende Firma beauftragen, die Schäden in Ordnung zu bringen.

Plakative Vorwürfe der Pinselstrichsanierung

Das sieht die Stiftung anders. Als „plakativ“ bezeichnet Christian Melcher, Rechtsanwalt und stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes, den Vorwurf der Pinselstrichsanierung. „Wir haben das ganze Strandbad von Grund auf saniert und jeden Bauschritt mit dem Denkmalschutz und den Bäderbetrieben abgestimmt“, sagt Melcher. Am Ende seien das fertig sanierte Bad und alle Gewährleistungsansprüche an die Bäderbetriebe übergeben worden. Wenn es Baumängel gäbe, müssten das die Bäderbetriebe und die Firma Hochtief miteinander klären. Rein rechtlich habe die Stiftung Denkmalschutz Berlin damit nichts zu tun.

Sowohl die Bäderbetriebe als auch die Senatssportverwaltung bestätigen die gegenwärtigen Mängel im Strandbad. „Wir haben ein Gutachten aufgrund der Schäden anfertigen lassen“, sagt Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäderbetriebe. Jetzt versuche man herauszufinden, welche Firma die einzelnen Arbeiten von Hochtief übernommen hatte.

Aus der Senatssportverwaltung heißt es dazu, dass die dokumentierten Schäden der Stiftung Denkmalschutz Berlin und dem Bauunternehmen im Rahmen der fünfjährigen Gewährleistungsfrist angezeigt wurden. Ob die Schäden im Zusammenhang mit den Sanierungsarbeiten stünden, solle im Rahmen der Auseinandersetzung geklärt werden. Im Falle einer schlechten Bauausführung, müssten die Mängel im Rahmen der Gewährleistungsfrist behoben werden.

Dem Landesdenkmalrat geht es allerdings nicht allein um die Beseitigung der aktuellen Sanierungsfälle. „Das Strandbad ist nie ganz fertig geworden“, beklagt Helmut Zeumer. So seien Fassaden im Obergeschoss weggerissen und nicht wieder aufgebaut worden, ein Sanitärgebäude verfalle gerade. Und seit mehr als 15 Jahren roste die Stahlkonstruktion des Wandelgangs auf einer Länge von 100 Metern vor dem Lido vor sich hin. Das ehemalige Restaurant mit Biergarten sei immer noch nicht wieder hergestellt.

Lido ist immer noch Ruine

Die Stiftung Denkmalschutz Berlin hatte die Sanierung des nur noch aus Ruinen bestehenden Strandlokals nicht mit übernommen. Stattdessen wurde ein neuer Betreiber für das Lokal gesucht, der die Wiederaufbaukosten von etwa drei Millionen Euro tragen sollte. Blauäugig sei das gewesen, sagt Zeumer. Denn mit einem Saisonbetrieb könne niemand diese Kosten erwirtschaften. Jetzt aber drängten die Zeit und der fortschreitende Rost. Noch gebe es ausreichend originale Substanz, die aber kaputt zu gehen drohe. .„Wir fordern das Land Berlin auf, seine Immobilie in Ordnung zu bringen und zu halten“, sagt der Stadtplaner. Das Strandbad sei ein ästhetisch und sozialgeschichtlich bedeutendes Bauwerk und eine Ikone der Moderne.

Zumindest in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, wo auch die oberste Denkmalschutzbehörde angesiedelt ist, trifft er mit dieser Forderung auf offene Ohren. „Der jetzige Zustand ist nicht befriedigend“, sagt Sprecherin Petra Rohland. Die Arbeiten müssten auf jeden Fall weitergehen.