Wasserstraßen

Ausbau von Spree und Havel: Arbeiten in Spandau starten

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Das Spandauer Wasserstraßenkreuz an der Altstadt wird ausgebaut. 

Das Spandauer Wasserstraßenkreuz an der Altstadt wird ausgebaut. 

Foto: Wasserstraßen-Neubauamt Berlin

Zur Vorbereitung werden an der Spreemündung nahe der Altstadt Spandau Bäume gefällt. Der Ausbau soll noch 2021 beginnen.

Berlin. An einem rund einen Kilometer langen Abschnitt der Spree in Spandau haben die Vorbereitungen für den geplanten Ausbau der Wasserstraße begonnen. Der betroffene Abschnitt erstreckt sich bis zur Mündung der Spree in die Havel nahe der Altstadt Spandau. Am Nordufer sollen nun - überwiegend vom Wasser aus - Bäume gefällt und damit der notwendige Platz für die anschließenden Bauarbeiten geschaffen werden. Das Projekt ist Teil des Ausbaus der sogenannten Berliner Nordtrasse zwischen der Schleuse Charlottenburg und dem Pichelsdorfer Gmünd, der in den kommenden Jahren fortgesetzt wird.

Der Spandauer Abschnitt, an dem nun die Bauvorbereitungen laufen, habe eine "Schlüsselfunktion für das Gesamtbauvorhaben", erklärte Rolf Dietrich, Leiter des Wasserstraßen-Neubauamts Berlin (WNA). Die Berliner Nordtrasse umfasst eine insgesamt neun Kilometer lange Strecke von Spree und Havel und soll vertieft werden, sodass dort auch große Schiffe unterwegs sein können. Das soll beim Ziel von Land wie Bund helfen, die Straßen von schwerem Güterverkehr zu entlasten. "In Berlin profitieren vor allem der Westhafen und der Südhafen, die vollwertig ans westeuropäische Wasserstraßennetz angeschlossen werden", so Dietrich.

Durch den Ausbau des Spandauer Abschnitts werde es möglich, dass bis zu 110 Meter lange Schiffe von der Spree direkt in die Schleuse Spandau einfahren können, erklärte Dietrich. Bislang sei das nur Schiffen mit einer Länge von maximal 67 Metern erlaubt. Größere Boote, die von der Spree zur Schleuse wollen, müssten bislang zunächst durch die Havel bis zur Kladower Seenkette fahren, um dort zu wenden. Durch den Ausbau werde also auch die Spandauer Havel vom Verkehr entlastet, so Dietrich. Dafür wird es aber notwendig, die Landzunge "Spandauer Horn" gegenüber der Altstadt nahezu komplett abzubaggern. Profitieren sollen neben Güterschiffen auch Kreuzfahrtschiffe.

Die nun gestarteten Holzungsarbeiten würden alle "von einer ökologischen Baubegleitung auf Einhaltung der Umweltauflagen überwacht", betonte der Amtsleiter. Zudem soll ein Teil der gefällten Bäume später weiter verwendet werden. Diese würden zunächst im Altarm der Spree an der Siemensbahnbrücke zwischengelagert und künftig für die naturschutzfachlich hochwertigen Flachwasserzonen an den Ufern von Spree und Havel genutzt, so Dietrich. Solche Zonen, an denen die Ufervegetation erhalten bleiben könne und zusätzlicher Lebens- oder Laichraum für Tiere geschaffen werde, sollen auf einer Länge von insgesamt drei Kilometern entstehen.

Ausbau der Spree schafft auch Platz für Radweg

Eine wichtige Rolle spielt das Vorhaben in Spandau nach Angaben des Amtsleiters auch für den Radwegeausbau. Denn parallel zur Straße am Juliusturm soll eine neue, zentrale Wartestelle für besonders große Schiffe errichtet werden, wobei neue Landflächen entstehen. Diese sollen planmäßig für die Verlängerung des Spree-Rad- und Wanderwegs genutzt werden, der dann bis zur Altstadt Spandau führen kann. Zudem wird am Stresowufer in Spandau eine neue, vom Bezirk gewünschte Parkbucht geschaffen, an der in Zukunft ein Restaurantschiff anlegen soll.

Der Ausbau der Berliner Nordtrasse, der Teil vom "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 17" ist, wird insgesamt aber deutlich reduzierter erfolgen als ursprünglich geplant. Der eigentlich vorgesehene Vollausbau des Abschnitts hatte vor mehr als zehn Jahren für deutliche Kritik gesorgt. So stand im Raum, dass mehr als 1000 Bäume für die Verbreiterung von Havel und Spree gefällt werden müssten. Uferbereiche und wohl auch der benötigte Platz für den Spree-Rad- und Wanderweg auf der Nordseite wären bei der Umsetzung weggefallen.

Die Pläne wurden daraufhin noch einmal grundlegend überarbeitet. Die Wasserstraße soll nun nicht mehr verbreitert, sondern nur vertieft werden. Und auch das erfolgt in geringerem Maße als zunächst geplant. Die neue Wassertiefe soll nicht mehr vier, sondern nur 3,50 Meter betragen. Entsprechend der neuen Pläne können die Flüsse künftig von Güterschiffen von bis zu 185 Metern Länge und gut elf Metern Breite befahren werden. Diese kommen aber nicht überall aneinander vorbei, weshalb eine Verkehrsregelung und Wartestellen notwendig werden, wie eben parallel zur Spandauer Straße am Juliusturm. Die Zahl der Bäume, die weichen müssen, hat sich laut Dietrich ebenfalls deutlich reduziert, nun sollen es noch 89 sein.

Insgesamt investiert der Bund rund 58 Millionen Euro in den Ausbau der Berliner Nordtrasse. Erste Bauarbeiten dafür haben bereits 2018 begonnen, damals wurde das Ufer vor der alten Spandauer Geschützgießerei am Südufer der Spreemündung gesichert. Nun stehen noch vier Bauprojekte aus, bei denen das Ufer auf insgesamt 20 Kilometer erneuert wird und die zeitversetzt nacheinander abgearbeitet werden sollen. Mit dem ersten dieser Projekte soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Der Abschluss des Gesamtbauvorhabens aber erst für das Jahr 2028 geplant.

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