Nahverkehr

Studie: S-Bahn-Tunnel durch Spandau wird geprüft

Für die S-Bahn-Verlängerung von Spandau nach Nauen wird eine Tunnellösung geprüft. Die Vorplanung für Streckenausbau soll 2021 starten.

Bislang endet die S-Bahn am Bahnhof Spandau. Künftig soll sie mindestens nach Falkensee verlängert werden und könnte teilweise unterirdisch verlaufen.

Bislang endet die S-Bahn am Bahnhof Spandau. Künftig soll sie mindestens nach Falkensee verlängert werden und könnte teilweise unterirdisch verlaufen.

Foto: Ralph Peters / imago/Ralph Peters

Berlin. Die S-Bahn verlängern, Gleise für den Regional- und Fernverkehr ausbauen und Bahnhöfe zwischen Spandau und Nauen erneuen – das sind die wesentlichen Ziele für den Streckenkorridor. Dessen Ausbau ist Teil des Infrastrukturprojekts i2030 von Berlin und Brandenburg, Deutscher Bahn und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Und in der Vorbereitung steht nun der nächste Schritt bevor: Die DB Netz AG hat die Vorplanung sowie eine Machbarkeitsstudie für eine S-Bahn-Tunnellösung in Spandau ausgeschrieben.

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S-Bahn-Verlängerung

Nach bisherigem Stand ist geplant die S-Bahn von Spandau bis zum Bahnhof Falkensee oder noch eine Station weiter, nach Finkenkrug, zu verlängern. Beide Varianten sollen in der Vorplanung untersucht werden. Das Projektziel sieht ein zweigleisige Verlängerung vor; fahren soll die S-Bahn demnach im zehn-Minuten-Takt. Neue S-Bahn-Stationen sind in Spandau an der Nauener Straße und am Klosterbuschweg angedacht. „Die i2030-Partner priorisieren diese Ausbauvariante, weil durch die S-Bahn-Verlängerung eine Feinerschließung der eng besiedelten Bereiche im Bezirk Spandau ermöglicht wird“, erklärt ein Sprecher des VBB.

Wegfall von Regionalhalten

Die geplante Verlängerung der S-Bahn hat auch Auswirkungen auf die Anbindung der Bahnhöfe an die Regionalbahnen: „Die Verkehrsstationen Berlin-Albrechtshof und Seegefeld entfallen in der Fernbahn“, heißt es in den Vergabeunterlagen. Auch am Bahnhof Finkenkrug könnten künftig nur noch S-Bahnen halten. Hier sollen zwei Varianten, eine mit und ohne Aufrechterhaltung des Halts von Regionalbahnen, untersucht werden. „Mit dem möglichen Wegfall der Regionalbahnhalte in Albrechtshof und Seegefeld könnten die Fahrzeiten der Regionalbahnlinien der RB10 und RB14 reduziert werden“, erklärt der VBB-Sprecher. Dadurch werde der Nahverkehr attraktiver. Bis Finkenkrug würden Anwohner von einem zehn-Minuten-Takt der S-Bahn profitieren. „Über Finkenkrug hinaus zeigt die Regionalbahn ihr Vorteile“, so der Sprecher. Klar ist aber: Die Fahrt mit der S-Bahn ins Berliner Zentrum wird deutlich länger dauern als bisher mit der Regionalbahn.

Abzweig zur Falkenseer Chaussee

Ergänzend zur Verlängerung in Richtung Finkenkrug soll geprüft werden, ob die S-Bahn ein Stück hinter dem Bahnhof Spandau abzweigen und eingleisig auf der Infrastruktur der Havelländischen Eisenbahn weiterfahren kann. Als Endstation ist dort ein Halt Falkenseer Chaussee angedacht, hinzukäme ein Zwischenstopp Seegefelder Straße. Diese Möglichkeit soll allerdings separat, also nicht im Zuge des aktuellen Planungsauftrags betrachtet werden.

Ein neuer S-Bahn-Tunnel

Bei der Machbarkeitsstudie soll untersucht werden, ob die S-Bahn beginnend in Stresow unterirdisch geführt werden kann. In einem Tunnel ginge es dann durch das Spandauer Zentrum, erst ab dem Klosterbuschweg würde die S-Bahn wieder oberirdisch fahren. Demnach müsste eine neue unterirdische S-Bahn-Station am Bahnhof Spandau entstehen, auch der Halt Nauener Straße würde unter der Erde liegen. Zudem müsste der bestehende Bahnhof Stresow verschoben werden. In der Studie geht es zunächst darum, den „grundsätzlich technischen Nachweis der Realisierbarkeit“ für einen Tunnel zu erbringen, heißt es in den Vergabeunterlagen. Im Anschluss soll von den beiden Ländern und der Deutschen Bahn entschieden werden, ob die Untersuchung vertieft wird.

Ausbau der Gleise

Für den Fern- und Regionalverkehr soll die Anzahl der Gleise zwischen Spandau und Nauen von zwei auf vier erhöht werden. Ziel ist es, dadurch mehr Verbindungen zu ermöglichen sowie die Abhängigkeiten zwischen schnellen Fernverkehrszügen und den langsameren Regionalbahnen zu mindern, heißt es.

Ausbau vom Bahnhof Spandau

Der Bahnhof Spandau ist laut Vergabeunterlagen schon heute ein „infrastruktureller Engpass“. Für die geplante Ausweitung des Bahnverkehrs ist demnach ein Ausbau nötig. Geprüft werden dabei zwei weitere Bahnsteigkanten für den Fern- und Regionalverkehr sowie zusätzliche Weichenverbindungen und Kreuzungsbauwerke, wie Brücken.

Erneuerung der Bahnhöfe

„Die Zugangsstellen für die Reisenden werden im ganzen Korridor infolge der erweiterten Infrastruktur neu gestaltet bzw. für die S-Bahn komplett neu errichtet“, heißt es. Teilweise sollen dafür die bestehenden Anlagen zunächst zurückgebaut werden. Im Wesentlichen geht es darum, die Bahnhöfe moderner zu gestalten, zum Beispiel durch neues Mobiliar und eine neue Beleuchtung, und die Barrierefreiheit zu verbessern, etwa indem alle Bahnsteige über Aufzüge erreichbar sind. Zudem soll auch das Umfeld analysiert werden. Darauf beruhend sollen Maßnahmen für Aufenthaltsqualität, Grünflächen oder Parkmöglichkeiten abgeleitet werden. Bis circa 2030 soll die Erneuerung der Stationen erfolgen, ist in den Unterlagen zu lesen.

Die nächsten Schritte

Die Vorplanung, für die Berlin und Brandenburg erst kürzlich 23 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hatten , soll im kommenden Mai beginnen und sich dann über zwei Jahre ziehen: Erst im Juni 2023 sollen alle Ergebnisse zusammengefasst vorliegen. Der gesamte Planungsprozess für den Streckenausbau wird voraussichtlich erst 2030 abgeschlossen sein. Dann könnte nach Angaben von Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese auch der Bau starten, „sodass mit einer Fertigstellung des Projekts Mitte/Ende der 2030er Jahre gerechnet werden kann.“