Soziales

Sozialstunden: Geschichtsverein kooperiert mit Spandauer Amt

Stellen zu finden, wo Jugendliche Sozialstunden ableisten können, ist schwer. Der Spandauer Geschichtsverein bietet diese Möglichkeit.

Karl-Heinz Bannasch, Vorsitzender des Spandauer Geschichtsverein, und Jugendstadtrat Stephan Machulik (SPD) haben einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Bei dem Verein können nun Jugendliche Sozialstunden ableisten.

Karl-Heinz Bannasch, Vorsitzender des Spandauer Geschichtsverein, und Jugendstadtrat Stephan Machulik (SPD) haben einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Bei dem Verein können nun Jugendliche Sozialstunden ableisten.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Es sei eine sehr zeitaufwendige und herausfordernde Aufgabe für das Spandauer Jugendamt, sagt Bezirksstadtrat Stephan Machulik (SPD): passende Stellen zu finden für straffällig gewordene Jugendliche, die zu Sozialstunden verurteilt wurden. Und die Suche sei noch schwieriger geworden, weil viele Vereine oder Einrichtungen mehr Abstand davon nehmen würden, junge Straftätern bei sich arbeiten zu lassen. „Wir sind deshalb immer auf der Suche nach Kooperationspartnern, bei denen die Jugendlichen die Sozialstunden ableisten können“, so Machulik. Ein neuer Partner ist nun gefunden.

Bei ihm handelt es sich um den Spandauer Geschichtsverein, der seinen Sitz auf der Insel Eiswerder hat. Einen entsprechenden Kooperationsvertrag haben Stadtrat Machulik und der Vorsitzende des Vereins, Karl-Heinz Bannasch unterzeichnet. Man sei auf einige Vereine zugegangen, ob sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnten, sagt Machulik. Der Geschichtsverein sei der erste gewesen, der gesagt hat: Wir wären dazu bereit.

Spandauer Geschichtsverein hat Konzept entwickelt

„Wir haben in unserer Satzung auch einen Bildungsauftrag verankert und Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen“, erklärt Bannasch. Für die Kooperation mit der Jugendgerichtshilfe sei ein Konzept entwickelt und vorgestellt worden. Demnach müssten die jungen Erwachsenen zwischen 14 und 21 Jahren „alle Aufgaben machen, die ich auch mache“, sagt er.

Dazu gehöre es, zu fegen oder Kaffee zu kochen, genauso wie an den wöchentlichen Vereinstreffen teilzunehmen. Gleichzeitig sollen die Jugendlichen auch etwas über das Ehrenamt lernen. Die jungen Straftäter bekommen, während sie die Sozialstunden ableisten, einen Ansprechpartner im Verein, wobei die Tat des Jugendlichen diskret behandelt wird. „Nur ich erfahre, was die Person angestellt hat“, betont der 61-Jährige.

Erste Spandauerin leistet im Verein bereits Sozialstunden ab

Geld für seinen Einsatz bekomme der Verein nicht. „Aber wir wollen damit auch Vorbild für andere Vereine sein“, sagt Bannasch. „Es sagen immer alle: Man muss den Jugendlichen eine Chance geben. Aber dazu braucht es auch Vereine, Firmen oder Organisationen, die das machen.“ Dass der Bedarf vorhanden ist, zeigt sich auch daran, dass die Stellenbesetzung bei dem Geschichtsverein nicht lange gedauert hat. Eine erste, 17-jährige Spandauerin sei bereits im Einsatz, um ihre Sozialstunden abzuleisten, berichtet der Vorsitzende.

„Uns ist es wichtig, dass wir Organisationen finden, wo die Jugendlichen viel mit Menschen zu tun haben und sehen, wie diese mit Konflikten umgehen“, so Machulik. Zusammengearbeitet wird deshalb zum Beispiel auch mit zwei freien Trägern aus der Jugendarbeit. Und auch beim Geschichtsverein gebe es diesen Kontakt zu anderen, zumal dort unter den Mitgliedern viele „lebenserfahrene Menschen mit gefestigtem Charakter“ seien. Die Hoffnung des Stadtrats ist nun, dass der Einsatz des Geschichtsvereins auch eine Außenwirkung hat. Und sich so auch andere Spandauer Organisationen finden, die es sich vorstellen können, mit der Jugendgerichtshilfe zu kooperieren.

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