Verkehrssicherheit

Nach Unfall: Kreuzung am Bahnhof wird untersucht

Die Spandauer Kreuzung ist ein Unfallschwerpunkt, nun wird geprüft, wie sie sicherer werden kann. Auch für andere Knoten gibt es Pläne

Die Kreuzung am S-Bahnhof Spandau.

Die Kreuzung am S-Bahnhof Spandau.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Es war keine gute Woche: Innerhalb von lediglich vier August-Tagen gab es in Spandau drei tödliche Verkehrsunfälle. Im Anschluss hat die Unfallkommission die Stellen untersucht, um zu prüfen, ob die Verkehrssicherheit dort durch Anpassungen erhöht werden kann. Während für die Ecke Pichelsdorfer Straße/ Brüderstraße zunächst keine Notwendigkeit gesehen wird, baulich etwas zu verändern, soll sich an den anderen Unfallorten etwas tun – oder zumindest eine weitere Untersuchung stattfinden.

Die Kreuzung zwischen Bahnhof und Rathaus Spandau gehört seit Jahren zu den Knotenpunkten im Bezirk, an denen es besonders häufig kracht. 108 Verkehrsunfälle wurden dort im vergangenen Jahr registriert, bis Ende Juli dieses Jahres waren es 40, wie aus der Antwort auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Franziska Leschewitz und Kristian Ronneburg hervorgeht. Am 17. August dieses Jahres wurde dort eine Radfahrerin von einem rechtsabbiegenden Fahrzeug aus der Seegefelder Straße in die Klosterstraße überfahren.

Analyse für Kreuzung am Bahnhof Spandau bis Mitte November

Ein Mitarbeiter der Unfallkommission habe die verkehrliche Infrastruktur und insbesondere die Sichtachsen an der Kreuzung unmittelbar nach dem Unfall untersucht, erklärt eine Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung auf Anfrage. „Das Ergebnis wurde in der vergangenen Sitzung der Unfallkommission vorgestellt, die daraufhin beschloss, die Kreuzung insgesamt auf Optionen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit hin zu untersuchen – nicht nur den Teil, wo der Unfall geschehen ist.“

An einer tiefergehenden Analyse des gesamten Knotenpunkts werde derzeit gearbeitet, sie soll in der nächsten Sitzung der Unfallkommission, voraussichtlich Mitte November, besprochen werden. „Konkrete Aussagen zu Maßnahmen und Zeitplänen können wir erst nach Abschluss dieser vertieften Betrachtung treffen“, so die Sprecherin.

Zusätzliche Ampel an der Ecke Am Juliusturm/ Carl-Schurz-Straße

Im Gegensatz dazu steht die Maßnahme für die Ecke Am Juliusturm/ Carl-Schurz-Straße, wo eine Autofahrerin die rote Ampel übersah und so eine Fußgängerin überfuhr, bereits fest. Die Unfallanalyse habe ergeben, dass bei ungünstiger Fahrzeugkonstellation die Sicht auf die Ampeln beeinträchtigt sein kann. Daher sei beschlossen worden, eine zusätzliche Ampel über der Fahrbahn zu installieren, schreibt Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese auf die Anfrage von Leschewitz und Ronneburg.

Unabhängig von den Unfällen im Sommer ist aber auch an weiteren Kreuzungen vorgesehen, durch Umgestaltungen die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Dies betrifft demnach den Knoten Klosterstraße/ Wilhelmstraße/Seeburger Straße. Geprüft wird laut Streese, die Fahrbahnmarkierungen zu verändern, dazu zählen auch die Markierung von Radwegen und neue Piktogramme. Auch das Verbreitern der Mittelinsel und das Einrichten einer Busschleuse, an der Busse dann vor Autos losfahren könnten, ist im Gespräch.

Als weitere Kreuzung wird die Ecke Altstädter Ring / Moritzstraße genannt. Dort sollen die Fahrbahnmarkierungen inklusive Rotunterlegung erneuert werden. An der Ampel ist ein zusätzlicher Schutzblinker vorgesehen, außerdem wird geprüft, ob Fußgänger bei der Grünphase einen größeren Vorlauf vor den Autofahrern bekommen können.

Maßnahmen an Nauener Straße/ Brunsbütteler Damm noch offen

Im vergangenen Jahr wurde bereits – anderthalb Jahre, nachdem dort ein achtjähriger Fahrradfahrer überrollt und getötet wurde – die Kreuzung Nauener Straße/ Brunsbütteler Damm umgestaltet. Seither gibt es unter anderem getrennte Ampelphasen für Radfahrer und den abbiegenden Auto- und Lkw-Verkehr. Abgeschlossen sind die Maßnahmen dort aber weiterhin nicht.

Die Kreuzung soll durch Blindensignale, Bordabsenkungen und taktile Platten behindertengerecht ausgebaut werden. „In diesem Zuge werden dann auch die Linksabbieger von dem Brunsbütteler Damm in die Nauener Straße sowie die Linksabbieger aus der Nauener Straße in den Brunsbütteler Damm getrennt signalisiert“, schreibt Streese, aber auch. „Ein genauer Umsetzungstermin kann noch nicht benannt werden.“

Mehr als 1000 Verletzte bei Verkehrsunfällen in Spandau 2019

Insgesamt hat es im vergangenen Jahr den Angaben zufolge in Spandau 8591 Unfälle mit 1048 Verletzten und vier Getöteten gegeben. Die Unfallzahl war damit etwas höher als in den drei Vorjahren, dafür war die Zahl der Verunglückten leicht geringer. Bis Ende Juli dieses Jahres kam es zu gut 4300 Unfällen mit knapp 500 Verletzten. „Durch das hohe Verkehrsaufkommen sind die großen Kreuzungen in Spandau, die zudem schlecht angeordnet sind, besonders gefährlich“, sagt Franziska Leschewitz.

Als kurzfristige Möglichkeit, mehr Sicherheit zu schaffen, sieht die Abgeordnete die Umrüstung auf getrennte Grünphasen für den Rechtsabbiegeverkehr. Das sei nicht nur an der Nauener Straße, sondern auch an der Kreuzung Brunsbütteler Damm/Klosterstraße/Ruhlebener Straße an den Spandau Arcaden bereits passiert. „Dass der Verkehrsfluss dadurch eventuell gestört wird, darf kein Argument sein“, meint Leschewitz. „Die Sicherheit aller im Verkehr muss an erster Stelle stehen.“

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