Natur

Spandauer Rieselfelder: Verkaufsverhandlungen laufen wieder

Schon im Jahr 2012 gab es Gespräche über einen Verkauf. Bezirk Spandau und Berliner Stadtgüter wollen die Fläche gemeinsam erwerben.

Die Rieselfelder Karolinenhöhe in Spandau sind Landschaftsschutzgebiet. Bezirk und Stadtgüter wollen sie kaufen.

Die Rieselfelder Karolinenhöhe in Spandau sind Landschaftsschutzgebiet. Bezirk und Stadtgüter wollen sie kaufen.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Es ist inzwischen acht Jahre her, dass ein Vorhaben der Berliner Wasserbetriebe (BWB) für großen Aufruhr in Spandau sorgte: Damals überlegte das Unternehmen, die circa 280 Hektar umfassenden Rieselfelder Karolinenhöhe im Süden des Bezirks zu verkaufen, weil die Fläche für die BWB keine Verwendung mehr hatte. Auch ein privater Käufer, ein Gastronom, war im Gespräch – was vor allem Anwohner und Landwirte, die das Areal nutzen, beunruhigte.

Zu einem Verkauf kam es jedoch nie, noch heute gehören die Rieselfelder den Berliner Wasserbetrieben. Doch die Verhandlungen wurden nun wieder aufgenommen: Der Bezirk Spandau und die Berliner Stadtgüter wollen das Areal, das immerhin rund drei Prozent der gesamten Spandauer Fläche ausmacht, zusammen erwerben.

Ein Verkauf an Private, bestätigt BWB-Sprecher Stephan Natz der Berliner Morgenpost, ist dagegen vom Tisch. Zudem will das Unternehmen den Betriebshof, auf dem sich Dienstwohnungen der Wasserbetriebe befinden, behalten.

Rieselfelder Karolinenhöhe: Erholungslandschaft im nördlichen Teil soll bewahrt bleiben

Die Rieselfelder Karolinenhöhe dienten lange Zeit der Abwasser- und Klarwasserverrieselung, die aber zum Ende des Jahres 2010 vollkommen eingestellt wurde. Folge der früheren Verwendung ist, dass die Böden schadstoffbelastet sind, was auch die Nachnutzung einschränkt. Im Zuge eines Nachnutzungskonzepts aus dem Jahr 2014 wurde der Boden genau untersucht. Demnach ist eine Grünlandnutzung sowie der Anbau von Feldfuttermitteln auf dem Großteil des Gebiets zulässig, Ackerbau für den direkten menschlichen Verzehr dagegen nicht.

Einfluss auf eine künftige Nutzung des Gebiets hat auch, dass die Rieselfelder Karolinenhöhe wegen der „Vielfalt und Eigenart des Landschaftsbildes“ seit langem unter Schutz stehen. Die Fläche unterteilt sich auf drei unterschiedliche Landschaftsschutzgebiete. Schutzzweck ist, vor allem in der nördlichen Hälfte die kleinteilige Landschaftsstruktur mit Hecken, Obstbaumalleen oder Gräben zu erhalten, ebenso wie die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Zudem soll eine großräumige Erholungslandschaft bewahrt werden. Jener nördliche Teil, der insgesamt knapp 180 Hektar ausmacht, ist auch der, für den sich der Bezirk interessiert.

Rieselfelder werden für Ausgleichsmaßnahmen für Bauprojekte genutzt

Die Berliner Stadtgüter haben dagegen Interesse an den südlichen rund 100 Hektar, die bereits überwiegend für den Ackerbau genutzt werden. Das soll auch weiterhin der Fall sein. Man habe mit allen Bauern für die Nutzung damals langfristige Pachtverträge geschlossen, sagt BWB-Sprecher Natz, „die sollen beibehalten werden“. Zudem gehören die Sicherung und nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft zu den Kernaufgaben der Berliner Stadtgüter, sagt deren Geschäftsführerin Katrin Stary.

Das Unternehmen ist zudem bereits erfahren in der Bewirtschaftung von Rieselfeldern, etwa in Wansdorf. Neben der Verpachtung an Landwirte spielen Ausgleichsmaßnahmen für Bau- und Infrastrukturprojekte eine Rolle, die für die Stadtgüter ein weiteres Geschäftsfeld darstellen. Im Blickpunkt steht der

Artenreichtum auf den Rieselfeldern. „Wir haben ein hohes Interesse, die Flächen zu schützen und in ihrer Struktur zu erhalten“, betont Stary.

Um die Biodiversität noch zu erhöhen, werden zum Beispiel Streuobstwiesen parallel zu Wegen angelegt, mit Pächtern abgestimmte Naturschutzprojekte – etwa Blühstreifen – umgesetzt oder Habitate für Zauneidechsen oder Fledermäuse geschaffen, deren Lebensräume andernorts durch Bauprojekte verschwinden. Zusammen mit Technischer Universität und Humboldt Universität forschen die Stadtgüter zudem, wie die Bodenbelastungen von Rieselfeldern reduziert oder sogar beseitigt werden können.

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Bezirk Spandau will Naturerlebnis und Wegeführung verbessern

Für den Bezirk spielt die Bodenbelastung derweil keine Rolle. „Der Bezirk hat im Vorfeld diverse Gutachten erstellen lassen, um sich mit der historisch gewachsenen Problematik vertraut zu machen“, erklärt Anja Sorges, Leiterin des Spandauer Umwelt- und Naturschutzamts. Schon jetzt sei die Nutzung der Flächen auf die Untersuchungsergebnisse abgestimmt – die nördliche Hälfte der Rieselfelder ist vor allem als Naherholungsgebiet bekannt.

Als solches soll die Landschaft auch erhalten bleiben und weiterentwickelt werden. „Ein umfassend ausgeschildertes Wegesystem kombiniert mit Info-Punkten fehlt bislang“, sagt Sorges. „Dadurch kommt es immer wieder vor, dass sich Personen den Weg bahnen, wo er vielleicht eigentlich nicht vorgesehen ist und was zu Störungen führen kann.“ Ziel sei es deshalb, Naturerlebnis und Wegeführung zu optimieren. Auch Reitwegeverbindungen sollen verbessert werden.

Die Gespräche zwischen Bezirk, Stadtgütern und Wasserbetrieben haben bereits vor mehreren Jahren begonnen, eine Einigung wurde bislang nicht erzielt. Der Bezirk verweist in seiner Antwort auf eine Anfrage der Spandauer SPD-Fraktion dabei auf unterschiedliche Preisvorstellungen, die sich durch unterschiedliche Gutachten zum Wert der Fläche ergeben hätten. Die aufwendigen Verhandlungen seien aber vor dem Hintergrund der Größe des Areals nicht ungewöhnlich. Auch BWB-Sprecher Natz erklärt den länger dauernden Prozess mit der „Komplexität des Objekts“. Ein Ziel, bis wann die Verhandlungen abgeschlossen sein sollen, nennt der Bezirk Spandau auch mit Blick auf die Kosten für den Kauf deshalb nicht.

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