Neue Lesereihe

Spandauerin holt bekannte Autoren in den Bezirk

Sandra Hetzl will etwas für das Kulturangebot tun und organisiert eine Lesereihe mit erfolgreichen Autoren. Podcast ist auch geplant.

Übersetzerin Sandra Hetzl organisiert in Spandau eine Lesereihe mit bekannten Autoren. 

Übersetzerin Sandra Hetzl organisiert in Spandau eine Lesereihe mit bekannten Autoren. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Über die Literatur sagt Sandra Hetzl, sie sei ihr Beruf, aber auch ihre Welt. Die Spandauerin übersetzt arabische Bücher oder Theaterstücke ins Deutsche, hat während ihrer Zeit in Beirut 2016 auch einen kleinen Verlag gegründet. Nun holt sie für eine Lesereihe an wechselnden Orten in Spandau bekannte Autoren in den Bezirk, darunter Manja Präkels, die 2018 den Deutschen Jugendliteraturpreis gewann, oder die ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin Ronya Othmann.

Mit ihrer Lesereihe, die vom 8. bis zum 14. Oktober stattfindet und die von der Senatskulturverwaltung gefördert wird, wolle sie Raum für Kultur und Literatur im Bezirk schaffen, aber auch Raum für Begegnungen. „Ich wohne seit zwei Jahren in der Wilhelmstadt in Spandau“, erzählt die 40-Jährige, vorher lebte sie viele Jahre in Neukölln. „Vor allem am Anfang haben mir hier die Treffpunkte gefehlt.“ Dass sie nun die Lesereihe organisiert, sei deshalb auch aus einem „persönlichen Bedürfnis“ heraus entstanden.

Gelesen wird in der Lutherkirche oder auf der Zitadelle

Insgesamt sieben Lesungen finden im kommenden Monat im Rahmen von „Downtown Spandau Medina“ – so der offizielle Name der Reihe – statt. Meist lesen die Autoren selbst aus ihren Büchern, teilweise übernehmen das aber auch Schauspieler. Hinzukommen Lektorinnen, Politikwissenschaftlerinnen, Verleger oder Künstlerinnen, die die Abende moderieren. Die Bücher – und damit auch die Veranstaltungen – widmen sich unterschiedlichen Themen. Es geht um die Arbeitswelt, um Jugendkultur, um Diversität und Familie. „Die Themen kommen alle auch hier im Kiez vor, es gibt Menschen, die das erleben“, sagt Hetzl. Nur gebe es wenig Räume, wo darüber gesprochen wird.

Eigentlich hatte Hetzl geplant, ihre Lesereihe in kleinen Geschäften in der Wilhelmstadt zu veranstalten. In Neukölln habe sie miterlebt, wie viele kleine Läden verdrängt worden seien, hier gebe es diese noch, erzählt die 40-Jährige. Bedingt durch die Abstandsregeln in der Corona-Pandemie musste sie ihre Pläne jedoch ändern, weil in den Geschäften zu wenig Platz gewesen wäre. Ein Veranstaltungsort in der Wilhelmstadt bleibt: der Innenhof des italienischen Restaurants Zamazingo. Ansonsten wird nun in der Lutherkirche, dem Gotischen Saal der Zitadelle und im Paul-Schneider-Haus gelesen. Hinzukommt ein Überraschungsort, der noch nicht verraten wird.

Senatskulturverwaltung unterstützt die Spandauer Lesereihe

Für die Übersetzerin ist es das erste Mal, dass sie eine Lesereihe „von A bis Z“ selbst organisiere, sagt Hetzl, seit Juli sei sie intensiv dabei. Im Mai kam die Mitteilung, dass das Projekt mit 25.000 Euro von der Senatskulturverwaltung gefördert wird. Das Geld kommt aus dem Förderprogramm „Impact“, das das Ziel hat, die lokale Diversität im Berliner Kulturbetrieb zu stärken.

Erfahrungen hat Sandra Hetzl vor allem als Teilnehmerin von Lesungen – wenn sie gemeinsam mit arabischen Autoren die Bücher vorgestellt hat, die sie übersetzt hat. Die gebürtige Münchnerin hat eigentlich Bildende Kunst studiert und sich dabei viel mit Videoinstallationen beschäftigt. Arabisch habe sie sich autodidaktisch während des Studiums beigebracht, erzählt Hetzl, die kurzzeitig auch in Syrien sowie später in Beirut lebte – einem „Hotspot für arabische Literatur und Kultur“, wie sie sagt. Durch ihre Arbeit will sie die Bücher, vor allem junger arabischer Autoren, auch in Deutschland bekannt machen.

„Downtown Medina Spandau“ soll im Anschluss zu Podcast werden

Übersetzt, erzählt Hetzl, habe sie früher schon für Freunde, „wenn mich ein Text begeistert hat“. So hat sie nun auch die Autoren ausgewählt, die in Spandau lesen. „Es sind alles Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe und die ich einfach toll fand“, sagt sie. Einen der Autoren, Jayrôme C. Robinet, habe sie zudem selbst auf einer Lesung erlebt. Arabische Literatur, die Hetzl selbst übersetzt hat, ist dieses Mal nicht vertreten. Wichtig war der Organisatorin vor allem die thematische Vielfalt. Aus der Lesereihe und den Gesprächen zwischen Autoren und Moderatoren soll im Anschluss auch ein Podcast entstehen.

Und noch bevor die erste Veranstaltung überhaupt stattgefunden hat, denkt Hetzl schon an eine Wiederholung. „Ich hoffe, dass ich es schaffe, 2021 nochmal eine Lesereihe zu organisieren“, sagt sie. Hetzl verweist dabei auch auf das Motto, unter dem alle Veranstaltungen stehen: „Weil Literatur Räume für Begegnungen schafft, und weil Begegnungen lebenswichtig sind.“

Mehr Informationen zur Lesereihe gibt es unter www.downtownspandau.org oder auf Facebook und Instagram unter „Downtown Spandau Medina“. Reservierungen für die einzelnen Lesungen sind per E-Mail an reservierungen@spandaumedina.org möglich. Eintritt kosten die Lesungen nicht, um eine Spende wird aber gebeten.

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