Verkehr

Erste Bauarbeiten an der Siemensbahn starten

Auf dem Weg zur Reaktivierung der Siemensbahn in Spandau geht es voran: Am Viadukt hat das Abräumen von 2500 alter Schwellen begonnen.

Ronald Pofalla, DB-Infrastrukturvorstand, und Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne), beim Start der Bauarbeiten am Bahnhof Wernerwerk.

Ronald Pofalla, DB-Infrastrukturvorstand, und Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne), beim Start der Bauarbeiten am Bahnhof Wernerwerk.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Berlin. Genau 40 Jahre ist es her, dass die Siemensbahn stillgelegt wurde – im September 1980 fuhr der letzte Zug. Nun sind das Land Berlin und die Deutsche Bahn (DB) den nächsten Schritt in Richtung Reaktivierung gegangen. Am Bahnhof Wernerwerk haben erste bauvorbereitende Arbeiten begonnen, bei denen die maroden Schwellen und der alte Schotter von dem historischen Viadukt abgeräumt werden. „Wir treten in die nächste Phase der Wiederbelebung der Siemensbahn ein“, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne). Bislang sei an der Reaktivierung in den Planungsbüros gearbeitet worden, jetzt gebe es einen Ort, an dem „physisch angepackt wird“.

3300 Tonnen Schotter und 2500 alte Holzschwellen sollen Bagger in den kommenden Monaten entfernen. Das macht es möglich, die darunter liegenden Buckelbleche und tragende Teile des 800 Meter langen Stahl-Viadukts genauer zu untersuchen. Gehofft wird, dass das Viadukt erhalten und modernisiert werden kann, also nicht neu gebaut werden muss. Erste Ergebnisse, so DB-Infrastrukturvorstand Ronald Profalla, deuten darauf hin, dass ein Erhalt möglich ist. „Endgültige Ergebnisse werden Anfang nächsten Jahres erwartet.“

Ziel ist es, dass die Siemensbahn auf ihrer alten Strecke zwischen den Bahnhöfen Jungfernheide und Gartenfeld im Jahr 2029 wieder fährt – dann wäre es genau 100 Jahre her, seit die Strecke erstmals in Betrieb genommen wurde. Lediglich vier Jahre haben laut Günther damals zwischen dem Entschluss zum Bau der Strecke und der tatsächlichen Inbetriebnahme gelegen. „Das ist für uns ein Ansporn, die wichtigen Verfahrensschritte schnell einzuleiten“, sagte die Senatorin, die betonte, dass die Siemensbahn unter allen Projekten ganz weit oben in der Prioritätenliste stehe.

Nächste Finanzierungsvereinbarung für die Siemensbahn soll kommen

Dass die Bahn bis 2029 wieder fahren soll, hängt auch mit dem avisierten Fertigstellungsdatum des Siemensstadt 2.0 zusammen. Bis 2030 soll der Innovationscampus mit Forschungs-, Produktions- und

Bildungseinrichtungen, aber auch bis zu 3000 Wohnungen entstehen. Der Siemens-Beschluss für das Vorhaben im Jahr 2018 war zudem der Auslöser, dass die Reaktivierung der Siemensbahn angeschoben wurde.

Parallel zu den nun begonnenen Bauarbeiten laufen auch Umweltuntersuchungen sowie die Vermessung der gesamten Strecke. Auch letztere Arbeiten sollen voraussichtlich noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Vorgesehen ist zudem, dass zeitnah eine nächste Vereinbarung zwischen Deutscher Bahn und dem Land Berlin für die Finanzierung der kommenden Planungsphasen unterzeichnet wird. Senatorin Günther sprach am Donnerstag von 30 Millionen Euro, die Berlin zur Verfügung stellen wolle.

Zwei Brücken über die Spree müssen errichtet werden

Bis auf der 4,5 Kilometer lange Strecke wieder Züge rollen können, stehen aber noch umfangreiche Arbeiten bevor. So müssen laut Deutscher Bahn zwei Brücken über die Spree errichtet werden und bis zu zehn Kilometer neue Gleise verlegt werden. Der Bahnhof Jungfernheide soll möglicherweise eine dritte Bahnsteigkante zur Einbindung der Siemensbahn an die Ringbahn erhalten. Die Untersuchungen würden auch hierzu noch laufen, sagte Profalla.

Und auch eine Machbarkeitsstudie zur Verlängerung der Siemensbahn von Gartenfeld in Richtung Hakenfelde befindet sich momentan noch in Arbeit. Die Verlängerung wird insbesondere vom Bezirk Spandau wegen der großen Neubauprojekte in Haselhorst und Hakenfelde gefordert. Ein Verkehrsgutachten, in dem die erwarteten zusätzliche Verkehre für zwei der neuen Quartiere – die bereits fertigen Pepitahöfe und das geplante Quartier „Carossa“ – berücksichtigt wurden, prognostizierte, dass das Verkehrsaufkommen entlang der Streitstraße und Neuendorfer Straße im Vergleich zum Jahr 2017 um 3000 bis 4000 Kraftfahrzeuge pro Tag zunimmt, wie eine Anfrage der Abgeordneten Bettina Domer (SPD) ergab.

Ergebnisse der Machbarkeitsstudie bis Ende 2020 erwartet

Spandaus Verkehrsstadtrat Frank Bewig (CDU) forderte deshalb kürzlich, dass noch in dieser Legislaturperiode eine Entscheidung zu einer Verlängerung der Siemensbahn getroffen werden sollte. Flächen für eine unterirdische Verlängerung werden beim Bauprojekt „Carossa“ bereits freigehalten. Insgesamt werden bei der Studie drei unterschiedliche Trassenkorridore untersucht, wobei sowohl eine unterirdische Streckenführung mit einem Tunnel als auch eine oberirdische Variante mit einer Brücke über die Havel betrachtet wird.

Im Bezirk gibt es jedoch Zweifel, dass eine oberirdische Verlängerung mit Blick auf die geplanten und bestehenden Wohnhäuser möglich ist. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen bald vorliegen – sie werden im vierten Quartal dieses Jahres erwartet. Ob dann tatsächlich noch vor den nächsten Wahlen über eine Verlängerung entschieden wird, ist laut Günther momentan noch offen.