Verkehr

Radschnellweg: Von Spandau über Tegel zum Hauptbahnhof

Planer haben den Stand für den Radschnellweg vorgestellt. Er soll möglichst auch die Urban Tech Republic und Insel Gartenfeld anbinden.

So verlaufen die untersuchten Routen für den Radschnellweg von Spandau über Tegel nach Mitte.

So verlaufen die untersuchten Routen für den Radschnellweg von Spandau über Tegel nach Mitte.

Foto: Babette Ackermann-Reiche / bm infografik

Berlin. In rund 40 Minuten von Spandau über Tegel bis zum Berliner Hauptbahnhof fahren – das soll mit einer neuen Radschnellverbindung möglich werden. Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie für die etwa 14 Kilometer lange Route, bei der verschiedene Streckenoptionen untersucht werden. Am Donnerstagabend hat die landeseigene Infravelo GmbH, als Projektsteuer und Bauherr der Radschnellwege, mit Vertretern der Planergemeinschaft den aktuellen Stand und die derzeit am besten bewertete Route in einem Livestream vorgestellt.

Die Verbindung „Spandau – Tegel – Mitte“ ist eine von zehn Trassen für Radschnellwege in Berlin, für die Machbarkeitsuntersuchungen in Auftrag gegeben wurden. Insgesamt sollen die Strecken mindestens 100 Kilometer umfassen und es Radfahrern ermöglichen, auf durchschnittlich vier Meter breiten, beleuchteten Spuren zügig durch die Stadt zu kommen. Auf einer bis zu zehn Kilometern langen Fahrt sei man als Radfahrer auf einem Radschnellweg schneller unterwegs als mit dem Auto, sagte Torsten Perner vom Planungsbüro Ramboll. „Das zeigt, dass wir da deutliche Potenziale haben.“

Radschnellweg soll Zukunftsquartiere in Spandau und Reinickendorf anschließen

Besonders macht die Verbindung von Spandau nach Mitte, dass sie möglichst auch geplante Zukunftsquartiere anschließen soll: die Urban Tech Republic auf dem Gelände des Flughafens Tegel, das Schumacher Quartier am Kurt-Schumacher-Platz mit rund 5000 neuen Wohnungen und die Insel Gartenfeld, auf der etwa 3800 Wohnungen vorgesehen sind.

Die Quartiere würden eine neue, nachhaltige Mobilität anstreben, so Perner, „da ist eine Radschnellverbindung eine wichtige Antwort“. So könnte eine schnelle Verbindung innerhalb des Quartiers, aber auch zu den Berliner Universitäten oder dem Hauptbahnhof hergestellt werden.

Route soll Anschluss an weiteren Berliner Radschnellweg bieten

Insgesamt haben die Planer drei Routen konkreter ins Auge gefasst. Weitere mögliche Streckenführungen wurden geprüft, aber etwa wegen notwendiger Eingriffe in die Natur oder fehlendem Platz für einen Ausbau nicht weiter berücksichtigt. Favorisiert wird eine Strecke, die vom Startpunkt in der Wasserstadt Spandau – wo ebenfalls zurzeit 2500 Wohnungen entstehen – über die Insel Gartenfeld und weiter zur Urban Tech Republic führen und außerdem einen Anschluss an einen weiteren Radschnellweg bieten soll, die sogenannte Reinickendorf-Route. Diese wird von Heiligensee zum Schumacher-Quartier geplant.

Weiter würde der bevorzugte Weg zum Volkspark Rehberge führen und dort über die Straße Dohagestell. Anschließend ginge es über das Nordufer und die Heidestraße zum Hauptbahnhof. 100.000 bis 115.000 Einwohner könnten laut Planern durch diese Routenführung erschlossen werden.

Brücke zur Insel Gartenfeld wird benötigt

Auch wenn diese Strecke von den Planern am besten bewertet wird, ist sie nicht frei von Hindernissen. So ist ein Verlauf durch die Rhenaniastraße in Spandau vorgesehen, wo aber eigentlich kein Platz ist, um rund vier Meter für einen Radschnellweg zu nutzen. „Eine gute Idee wäre es, einen Verkehrsteilnehmer rauszunehmen“, sagte Matthias Ferber von der Planergemeinschaft ETC Gauff Mobility, Ramboll und EIBS. Das würde wohl die Autofahrer treffen. Vorgeschlagen wurde, die Trasse nur für den öffentlichen Nahverkehr und Radfahrer zu nutzen.

In Verlängerung der Rhenaniastraße, herüber zur Insel Gartenfeld, fehlt momentan noch eine Brücke. Diese ist für den ÖPNV, Fußgänger und Radfahrer bereits geplant, muss aber durch den Entwickler des Quartiers auf der Insel erst noch gebaut werden. Ein genauer Zeitplan ist bislang nicht bekannt.

Planungen für verschiedene Straßenbahnen müssen berücksichtigt werden

Einen Konfliktpunkt gibt es zudem mit dem Volkspark Rehberge, wo auch Spaziergänger unterwegs sind und neue Versiegelungen notwendig werden könnten. Deshalb, kündigte Ferber an, wolle man hier noch eine Zusatzvariante untersuchen. Diese würde dann um den Park herum über den Charles-Corcelle-Ring und die Afrikanische Straße verlaufen.

Und dann kommen noch verschiedene Planungen für Straßenbahnen in dem Korridor hinzu. Bei der Insel Gartenfeld sei die Planung noch in einem sehr frühen Stadium, für die Urban Tech Republic kenne man das Vorhaben dagegen schon sehr genau, sagte Perner. Auch für die Heidestraße ist eine Straßenbahn angedacht. „Wir gucken, dass wir den Radschnellweg konfliktfrei führen können“, sagte der Planer, und mit Blick auf die Heidestraße: „Dass dort etwas passieren muss und die Straße den Ansprüchen des Mobilitätsgesetzes komplett widerspricht, ist denke ich klar.“

Baubeginn für Radschnellweg nicht vor 2024

Bis aber etwas in Sachen Radschnellweg passieren könnte, werden aber noch einige Jahren vergehen. Wobei die Entscheidung, ob eine Trasse überhaupt umgesetzt werden soll, auch zunächst noch von der Senatsverkehrsverwaltung getroffen werden müsse, erklärte Perner. Machbar seien grundsätzlich alle der untersuchten Trassen.

Ziel ist es, die Studie im Herbst abzuschließen. Auf dieser Grundlage könnte dann der Planungsprozess inklusive Genehmigungsverfahren und Öffentlichkeitsbeteiligung starten, wofür mindestens 33 Monate, also fast drei Jahre eingeplant werden. Hintergrund sei, so erklärte es Johann Wetzker von Infravelo, dass es bislang keine Radschnellverbindungen in Berlin und damit auch noch keine Anhaltspunkte für das erforderliche Planfeststellungsverfahren gebe. Mit einem Baubeginn rechnet die Infravelo nicht vor dem Jahr 2024.

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