Bildung

Schulweg zum Tierpark drohte: Gutes Ende für Spandauer

Wegen fehlender Kapazitäten in Spandau bekam ein 13-jähriger einen Schulplatz in Lichtenberg zugewiesen. Nun gibt es eine Lösung.

Mutter Jessica Lenzen mit Sohn Lucas und Mann Jens Zimmermann. Die Sorge, dass ihr Kind künftig von Spandau nach Lichtenberg zur Schule fahren muss, war groß.

Mutter Jessica Lenzen mit Sohn Lucas und Mann Jens Zimmermann. Die Sorge, dass ihr Kind künftig von Spandau nach Lichtenberg zur Schule fahren muss, war groß.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Jessica Lenzen kann sich noch gut erinnern, wie sie Anfang Juni einen Brief der George-Orwell-Schule aus dem Briefkasten zog. „Herzlichen Glückwunsch“, stand darin, und weiter: Man freue sich mitzuteilen, dass Lucas in die Klasse 7a aufgenommen werde könne. Der Haken: Die George-Orwell-Schule befindet sich nahe dem Tierpark in Lichtenberg. Die Familie Lenzen wohnt im Spandauer Ortsteil Hakenfelde, rund 30 Kilometer entfernt. Lenzen konnte es zunächst nicht glauben, für sie war aber schnell klar: „Ich melde mein Kind nicht an einer Schule in Lichtenberg an.“ Denn zur Entfernung kommt hinzu: Lucas hat einen sonderpädagogischen Förderbedarf.

Die Familie reagierte, sprach mit der Spandauer Schulaufsicht und reichte am Wochenende Widerspruch ein. Nun soll es ein gutes Ende geben: Nachdem Lucas zunächst an keiner der Spandauer Sekundarschulen aufgenommen werden konnte, soll er nun doch einen Schulplatz im Bezirk bekommen, an der Carlo-Schmid-Oberschule. Wie Marc Schulte von der Spandauer Schulaufsicht sagt, konnten nach Gesprächen mit Schulleitungen zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden. Um es eben solchen Härtefällen wie Lucas zu ermöglichen, in Spandau zur Schule zu gehen. Dass ein Schulweg quer durch die Stadt nicht funktionieren könne, sei auch ihnen vollkommen klar gewesen, sagt Schulte.

Bedarf nach Plätzen für Schüler mit Förderbedarf wächst

Dennoch steht die Schulaufsicht aber vor einer Herausforderung, weil der Wunsch nach Inklusion gestiegen sei, wie Schulte sagt, die Plätze für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf aber begrenzt sind. Pro siebte Klasse an einer Sekundarschule gibt es vier solcher Plätze, insgesamt komme man so in Spandau auf 220 pro Jahrgang. An den Spandauer Grundschulen seien aber bereits 228 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf angemeldet gewesen, die Zahl habe sich dann noch einmal etwas erhöht, sagt Schulte.

So kam es, dass der 13-jährige Lucas weder an der ausgewählten Schule für den Erstwunsch, noch für den Zweit- und Drittwunsch angenommen wurde. Einzig an einer Spandauer Schule gab es noch freie Plätze für Schüler mit Förderbedarf, nachdem dort die Erst-, Zweit- und Drittwünsche berücksichtigt worden waren. Lucas erhielt aber auch dort keinen Platz, weil es andere Schüler gab, die näher an der Einrichtung wohnen. Stattdessen wurde er dann eben zunächst einer Schule in Lichtenberg zugeteilt.

Spandauer Förderzentrum wird erweitert

Dass er nun doch in Spandau unterrichtet werden kann, hängt auch damit zusammen, dass laut Schulte an der Schule am Gartenfeld, einem Förderzentrum, ein Erweiterungsbau zum nächsten Schuljahr fertig werde. Dadurch könne dort eine zusätzliche Klasse eingerichtet werden. Einige Eltern hätten sich dann entschieden, ihr Kind dort zur Schule zu schicken. „Dadurch entlasten wir natürlich andere Schulen“, sagt Schulte. Dennoch sei es vereinzelt notwendig, in die siebten Klassen an Regelschulen mehr als vier Schüler mit Förderbedarf aufzunehmen. Dazu hätten sich Schulen bereit erklärt, auch wenn es eine Mehrbelastung darstellt. Die Platzknappheit wird aber voraussichtlich auch in den kommenden Jahren bleiben. Für die Zukunft, sagt Schulte, „muss überlegt werden, wie man mit dem erhöhten Wunsch nach Inklusion umgeht“.