Spandau

Fünfte Klassen: Gymnasien wünschen Ausbau, Land lehnt ab

Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium stellt Antrag auf Eröffnung von weiterem grundständigem Zug. Senat und Bezirk sehen das kritisch.

Daniel Kape, Sprecher der Gesamtelternvertretung, und Michael Mannteuffel, stellv. Sprecher GEV (r.), setzen sich für eine zweite fünfte Klasse am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Spandau ein. 

Daniel Kape, Sprecher der Gesamtelternvertretung, und Michael Mannteuffel, stellv. Sprecher GEV (r.), setzen sich für eine zweite fünfte Klasse am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Spandau ein. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack / BM

Berlin. Sie sind seit Jahren immer wieder ein Streitthema: die fünften Klassen an den Berliner Gymnasien. Einige Schulen möchten weitere Züge eröffnen, die Senatsverwaltung sieht die vorhandene Klassenzahl als ausreichend, weil der Wechsel nach der vierten Jahrgangsstufe eine Ausnahme bleiben und der reguläre Übergang von Grund- zu Oberschule in Berlin weiter von Klasse 6 auf 7 erfolgen soll.

Die Nachfrage an einigen Gymnasien ist allerdings groß: In Spandau hat deshalb das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium kürzlich einen Antrag darauf gestellt, eine zweite fünfte Klasse eröffnen zu dürfen. 85 Erstwunsch-Bewerbungen habe es in diesem Jahr für die eine genehmigte fünfte Klasse mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt gegeben, heißt es darin. Nach dem Anmeldeverfahren sei die Schulkonferenz zu der Überzeugung gelangt, dass 64 Kinder sowie vier Nachrücker für die Aufnahme geeignet seien – also genug, um zwei Klassen zu füllen.

Auch die Sprecher der Gesamtelternvertretung, Daniel Kape und Michael Mannteuffel, fordern, auf die Nachfrage zu reagieren. Es gehe hier nicht um politische Ideologien, sagt Mannteuffel, sondern darum, Kinder mit naturwissenschaftlicher Begabung entsprechend zu fördern. Der notwendige Platz und das Personal seien am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium vorhanden.

Antrag von Spandauer Gymnasium auf neue fünfte Klasse scheiterte 2019

Zur Unterstützung des Anliegens haben die Spandauer Fraktionen von CDU und FDP in die Bezirksverordnetenversammlung ebenfalls einen Antrag auf eine zweite fünfte Klasse mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt gestellt. „Nicht zuletzt nach persönlichen Gesprächen mit der Schulleitung und vielen positiven Rückmeldungen aus der Elternschaft wird klar, dass dem Wunsch nach mehr MINT-Förderung unbedingt Rechnung getragen werden sollte“, erklärt Patrick Wolf, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.

Die Chancen auf Erfolg sind dennoch gering: Im vergangenen Jahr scheiterte ein Antrag des Spandauer Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasiums, eine fünfte Klasse – dort wäre es die erste – zu eröffnen. Nach Ansicht des Schulträgers würden weitere grundständiger Züge die Grundschulen im Bezirk schwächen, heißt es in einer Stellungnahme der Schulaufsicht. Zudem seien an dem Siemensstädter Gymnasium keine räumlichen Kapazitäten für zusätzliche Züge vorhanden.

Bezirksbürgermeister lehnt zusätzliche grundständige Klassen an Gymnasien ab

Insgesamt bieten in Spandau drei Gymnasien 124 Plätze in vier fünften Klassen an; angemeldet haben sich dafür 176 Schülerinnen und Schüler. Die Zahl liegt damit etwas höher als vor zwei Jahren, damals gab es 162 Anmeldungen – wobei betont wird, dass nicht alle Bewerber auch tatsächlich geeignet seien. Trotz der höheren Nachfrage sagt auch Bezirksbürgermeister und Schulstadtrat Helmut Kleebank (SPD), er lehne eine Erweiterung des Angebots in Spandau „grundsätzlich ab“. Jede neue fünfte Gymnasialklasse „schwächt in unverantwortlicher Weise das gemeinsame Lernen an den Grundschulen“, so Kleebank.

Als Grund nennt er, dass sich die Zahl der Lehrerstunden aus der Anzahl der Schüler ergebe. Nimmt die ab, sinkt die Zahl der Lehrerstunden. Das fakultative Unterrichtsangebot müsse gegebenenfalls reduziert und aus drei fünften Klassen zwei gemacht werden. Auch wenn der Wunsch der Gymnasien nur mit Blick auf die eigene Schule plausibel erscheine, sei er mit Blick auf die Gesamtverantwortung für das Bildungssystem abzulehnen, sagt Kleebank.

Berliner Landeselternausschuss sieht den Bedarf

Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschuss Schule, bestätigt, dass das Thema bei Eltern seit Jahren eine Rolle spielt. „Die Schulen versuchen immer wieder, zusätzliche fünfte Klassen zu eröffnen, und es gibt ganz viele Eltern, die das unterstützen“, berichtet er. Im vergangenen Jahr hat der LEA selbst einen Beschluss zu dem Thema gefasst, in dem es heißt: „Die Einrichtung des besonderen Bildungsangebotes an Gymnasien ab Klasse 5 muss proportional zu dem Regelangebot steigen.“ Man sehe den Bedarf, sagt Heise, obwohl man auch das Problem des Platzes sehe, der nicht immer vorhanden sei. Damit drohe, dass die Zahl der siebten Klassen reduziert werden muss.

Eine Stellungnahme der Senatsverwaltung für Bildung zu seinem Beschluss erhielt der LEA vor kurzem: Um die besonderen Begabungen der Schülerinnen und Schüler zu fördern, gebe es in Berlin vielfältige Angebote, davon seien die grundständigen Klassen lediglich eines. Ein Ausbau sei nicht geplant. Das bestätigt auch ein Sprecher der Senatsbildungsverwaltung auf Anfrage der Berliner Morgenpost.

Limitierung berlinweit bei 70 grundständige Klassen

Insgesamt gibt es in Berlin 70 fünfte Klassen an 35 Gymnasien und einer integrierten Sekundarschule. Verteilung der fünften Gymnasialklassen ist in den Bezirken sehr verschieden. Während es in Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf, Pankow und Reinickendorf neun fünfte Gymnasialklassen gibt, ist es in Treptow-Köpenick nur eine, in Neukölln bietet ein Gymnasium zwei Klassen für Schnelllerner an. Und auch die Nachfrage ist unterschiedlich.

So hat es an allen vier Pankower Gymnasien mit fünften Klassen mehr Bewerbungen als Plätze gegeben. 490 Anmeldungen gab es bislang für 274 Plätze, wie Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) mitteilt. In Steglitz-Zehlendorf sind 277 Erstwunsch-Anmeldungen für das kommende Schuljahr eingegangen, so Stadtrat Frank Mückisch (CDU). Insgesamt stehen 284 Plätze in den grundständigen Klassen zur Verfügung – allerdings können weitere Bewerbungen für den Zweit- und Drittwunsch folgen. Das noch einige hinzukommen, ist zu erwarten: Für das aktuelle Schuljahr gab es im Bezirk 385 Anmeldungen.

In Tempelhof-Schöneberg hat es für vier Gymnasialklassen mit insgesamt 122 Plätzen 149 Anmeldungen gegeben, wobei drei Züge bei den Erstwünschen bereits übernachgefragt waren. Lediglich in einer altsprachlichen Klasse waren zunächst noch elf Plätze frei, die an genau elf Bewerber mit Zweitwunsch vergeben wurden, so Schulstadtrat Oliver Schworck (SPD). In Mitte haben sich zunächst lediglich 19 Viertklässler für die fünfte Klasse am Lessing-Gymnasium beworben. Zuletzt war in dem Bezirk das zentral verwaltete Französische Gymnasium stark nachgefragt, hierfür lagen im Amt jedoch keine Zahlen vor.

Insgesamt sei für die fünften Klassen damit zu rechnen, dass nach der Aufnahme noch freie Plätze zur Verfügung stehen werden, so der Sprecher der Senatsbildungsverwaltung. „Die Zahl der genehmigten Schulplätze beim Übergang von Jahrgangsstufe vier in grundständige Klassen der Jahrgangsstufe fünf sowie die inhaltliche Ausrichtung sind unverändert“, erklärt er weiter. Die Limitierung auf 70 Klassen soll nach derzeitigem Stand bestehen bleiben.

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