Verkehr

Siemensbahn: Machbarkeitsstudie für Verlängerung gestartet

Hochbahn- und Tunnellösung nach Hakenfelde wird untersucht. Auf der bestehenden Strecke der Siemensbahn läuft die Vermessung.

Von der alten Brücke der Siemensbahn über die Spree ist nur noch ein Teil vorhanden. Eine Reaktivierung der Brücke wird geprüft. 

Von der alten Brücke der Siemensbahn über die Spree ist nur noch ein Teil vorhanden. Eine Reaktivierung der Brücke wird geprüft. 

Foto: Foto: Jessica Hanack / BM

Wenn die Siemensbahn reaktiviert wird, dann muss sie bis nach Hakenfelde verlängert werden – das gilt in Spandau als einheitliche Meinung unter den Bezirkspolitikern. Erst kürzlich haben sowohl Grüne als auch FDP die Verlängerung als Teil ihrer Forderungen im jeweiligen Verkehrskonzept genannt. Nun wurde ein erster Schritt in Richtung Realisierung getan: Vor wenigen Wochen hat die DB Netz AG den Auftrag für die Machbarkeitsstudie an das Unternehmen Afry Deutschland GmbH vergeben. „Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie liegen voraussichtlich Ende 2020 vor“, sagt Elke Krokowski, Sprecherin vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB).

In der Machbarkeitsstudie, so hieß es in der Ausschreibung der Deutschen Bahn, sollen mehrere mögliche Trassenverläufe für eine zweigleisige S-Bahn-Strecke entwickelt werden. Als Haltepunkte sind demnach Gartenfeld, Wasserstadt Oberhavel und Hakenfelde vorgesehen. Für die Haltestelle Gartenfeld ist es laut Ausschreibung möglich, den ehemaligen Bahnhof Gartenfeld zu nutzen oder einen Standort auf der Insel Gartenfeld zu wählen, wo das Quartier „Das Neue Gartenfeld“ entstehen soll. Die Bahn könnte aber ebenso sowohl vor als auch auf der Insel halten.

Siemensbahn: Flächen für unterirdische Trasse werden frei gehalten

Die entscheidende Frage wird sein, ob die Siemensbahn ober- oder unterirdisch weitergeführt wird. In der Studie sollen sowohl eine Tunnellösung als auch die Option einer Hochbahn mit Brücke über die Havel betrachtet werden. Die Deutsche Bahn schätzt, dass letztere Variante etwa ein Drittel günstiger sein könnte, dafür stelle sich jedoch die Herausforderung der bestehenden und geplanten Gebäude. Bei den Plänen für anstehende Wohnungsbauprojekte, wie dem „Neuen Gartenfeld“ und dem „Carossa Quartier“ in Hakenfelde, werden Flächen für unterirdische, nicht aber oberirdische S-Bahn-Trassen frei gehalten. Auch der Endbahnhof in Hakenfelde müsse mit Blick auf die Planungen unterirdisch liegen, sagt Spandaus Baustadtrat Frank Bewig (CDU). Geklärt werden müsse dazu noch die Zugangssituation.

Mit solchen Platzfragen wird sich die Studie in den nächsten sechs Monaten – diese Frist ist für die Erstellung angesetzt – auseinandersetzen müssen. In der Ausschreibung wurde als Option vorgeschlagen, bei geplanter Bebauung die Hochbahn und ihrer Bahnhöfe in ein Gebäudeensemble zu integrieren. Weitere Aspekte bei der Untersuchung werden der Denkmal-, Umwelt- und Naturschutz sein.

Rückschnitt der Vegetation auf alter Siemensbahn-Trasse abgeschlossen

Derweil gehen auch an der bestehenden Trasse die Arbeiten weiter. Der für die Vermessung der Strecke notwendige Rückschnitt der dort wachsenden Pflanzen sei im vergangenen Monat abgeschlossen worden, erklärt VBB-Sprecherin Elke Krokowski. „Die Vermessungen hatten im Juli 2019 bereits an den weniger bewachsenen Streckenabschnitten begonnen und werden nun, nach dem im Februar erfolgten Vegetationsrückschnitt, bis Juni 2020 zum Abschluss gebracht.“ Zudem laufen auf der 4,5 Kilometer langen Strecke von Jungfernheide nach Gartenfeld verschiedene Untersuchungen.

Nachdem eine erste Umweltkartierung als Voraussetzung für den Rückschnitt bereits stattgefunden hat, soll in diesem Monat eine zweite beginnen. Dabei werden unter anderem die auf dem Streckenabschnitt ansässigen Tierarten gezählt, so die Sprecherin. Abgeschlossen werden soll diese bis Ende Oktober. „Außerdem läuft die statische Nachrechnung des Viadukts“, sagt Krokowski. Bei dieser wird geprüft, ob die alte Trasse den Belastungen durch eine Wiederaufnahme des S-Bahn-Verkehrs standhält oder ob ein Neubau erforderlich ist. Erste Ergebnisse werden im Sommer erwartet.

Siemensbahn soll im Zehn-Minuten-Takt fahren

Weitere Punkte, die aktuell oder in den nächsten Monaten anstehen: eine Trassierungsstudie für die Gleise, die Erstellung eines Baugrundkonzepts und anschließende Baugrunduntersuchungen des Bahndamms, um dessen Zusammensetzung genau zu bestimmen.

Geplant ist, dass die Siemensbahn auf der bestehenden Strecke bis spätestens zum Jahr 2030, wenn die Arbeiten am Siemens-Innovationscampus abgeschlossen werden sollen, wieder fährt. Vorgesehen ist ein Zehn-Minuten-Takt, das Tempo soll auf der alten Strecke bei maximal 60 Kilometern pro Stunde liegen. Für den Bahnhof Jungfernheide muss dabei noch entschieden werden, ob eine zusätzliche Bahnsteigkante gebaut wird – die wird von einigen als notwendig angesehen, um Konflikte mit der Ringbahn zu vermeiden.

Für eine Reaktivierung muss außerdem eine 70 Meter lange Brücke über die Spree gebaut werden. Ein Teil der alten Brücke war beim Neubau der Schleuse Charlottenburg abgerissen worden. Zu klären ist, wer die Finanzierung der neuen Brücke übernimmt. Aus dem Jahr 2000 liege ein Planfeststellungsbeschluss der Wasserstraßen- und Schifffahrtsdirektion Ost zu der Schleusenanlage bei der DB-Projektleitung vor, teilt ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage mit. Inwieweit die Bundesverwaltung die Kosten des Neubaus übernehmen muss, hänge aber von rechtlichen und technischen Aspekten ab und könne erst im Verlauf der Planung endgültig bestimmt werden.