Altstadt Spandau

Brückenköpfe der Charlottenbrücke sollen reaktiviert werden

Bezirk Spandau möchte mehr Angebote an der Havel nahe der Altstadt schaffen. In Brückenköpfen sind etwa Café und ein Infopunkt möglich.

Die Brückenköpfe der Charlottenbrücke in Spandau sollen künftig wieder genutzt werden - etwa für eine Gastronomie und eine Fahrradwerkstatt.

Die Brückenköpfe der Charlottenbrücke in Spandau sollen künftig wieder genutzt werden - etwa für eine Gastronomie und eine Fahrradwerkstatt.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Spandau gehört zu den Berliner Bezirken, die am meisten Wasser bieten. Dieses Potenzial will der Bezirk für Bewohner wie Besucher noch stärker nutzen und plant deshalb, in den Brückenköpfen der Charlottenbrücke angrenzend an die Altstadt Spandau ein Gastronomie- und Freizeitangebot zu integrieren. Denn genau daran, so der Chef von Spandaus Wirtschaftsförderung, Patrick Sellerie, fehlt es dem Lindenufer momentan.

Die Idee zur Nutzung der beidseitigen Brückenköpfe ist nicht neu. Vor einigen Jahren gab es sogar schon einmal eine Zwischennutzung, ein Jugendklub hatte dort einige Zeit einen Verleih von Spiel- und Sportgeräten angeboten. Inzwischen sind die Räumlichkeiten, die insgesamt weit mehr als 100 Quadratmeter Platz bieten, jedoch stark sanierungsbedürftig. Von außen ist die denkmalgeschützte Charlottenbrücke, die Ende der 1920er-Jahre gebaut wurde, mit buntem Graffiti besprüht, die Fenster sind kaputt. Das Innere, berichtet Sellerie, erinnere an einen alten Keller mit nackten Wänden, nacktem Boden und abgeklemmten Leitungen.

Machbarkeitsstudie für Charlottenbrücke in Spandau ist abgeschlossen

Eine Reaktivierung ist aber möglich – das hat nun auch eine Machbarkeitsstudie gezeigt, deren Ergebnisse vorliegen. Finanziert wurde diese aus Mitteln des Förderprogramms „Städtebaulicher Denkmalschutz“, in das die Altstadt 2015 aufgenommen wurde. Schon damals wurde als eines der Ziele für die Entwicklung des Gebiets festgelegt, die Uferflächen stärker zu beleben, indem auf beiden Seiten der Havel entsprechende gastronomische Angebote entwickelt werden.

Das Lindenufer, meint Sellerie, besitze „großes Potenzial für das lokale Tourismus- und Stadtmarketing“. Allerdings: Obwohl es vor ein paar Jahren neugestaltet wurde, werde es unzureichend genutzt, es fehle die Aufenthaltsqualität. Das soll sich mit einer neuen Nutzung der ehemaligen Sanitär- und Versorgungsräume in den Brückenköpfen und der Außenflächen davor ändern.

Planer schlagen Café mit großer Terrasse am Lindenufer vor

Im westlichen Teil sehen die Planer ein Café oder Bistro mit davor liegender, etwa 150 Quadratmeter großer Terrasse vor. Außerdem könnte dort ein Anlaufpunkt für Touristen entstehen, mit einer Informationstafel, zusätzlichen Fahrradständern und E-Bike-Ladestation sowie Schließfächern. Damit will man sich vor allem an die Besucher wenden, die auf dem Havel-Radweg unterwegs sind, der am Lindenufer entlang führt. „Wir haben einige Radtouristen, die in die Altstadt gehen, aber im Moment nicht die Möglichkeit haben, ihr Gepäck einzuschließen“, erklärt der Wirtschaftsförderer. Um den Bereich unter der Brücke attraktiver zu gestalten, soll dort mit einer Lichtinstallation gearbeitet werden, die ab der Dämmerung in Betrieb ist.

Auch für die östliche Seite der Charlottenbrücke gibt es Vorschläge, wenn auch weniger umfangreich. In einem Teil der Räumlichkeiten wären Umkleiden für Wasserwanderer möglich, die in Spandau Station machen. Ein weiterer Abschnitt könnte als Lager für das vorgesehene Restaurantschiff genutzt werden. Das Restaurantschiff ist eine weitere Idee, wie man die Attraktivität des Ufers erhöhen will. Es soll im Zuge mit der geplanten Umgestaltung des Stresow-Ufers nach Spandau geholt werden, um die andere Havelseite zu beleben.

Ergänzung um Kiosk und Fahrradwerkstatt möglich

Die schlichte Nutzung der Brückenköpfe wird in der Machbarkeitsstudie als Vorzugsvariante bezeichnet, sie verursacht nur geringe Eingriffe in die Bausubstanz der Brücke und würde so auch die niedrigste Investition voraussetzen. Möglich wäre aber auch, das Angebot auszudehnen – entweder durch mobile, nur temporär aufgestellte Bauten für einen Kiosk und eine Fahrradwerkstatt mit Verleih. Laut einer weiteren Variante könnten oberhalb der Brückenköpfe, also auf Straßenniveau, auch Ergänzungsbauten entstehen, mit denen dann Gastronomie und Infopunkt vergrößert werden könnten.

Je nach Option würden laut ersten Schätzungen Kosten zwischen 700.000 Euro und knapp 1,5 Millionen Euro anfallen. Wunsch des Bezirks wäre es, dass ein Betreiber gefunden wird, der sich an den Investitionskosten beteiligt. Sellerie kündigt an, man wolle nun die verschiedenen Finanzierungsmodelle konkreter berechnen, Gespräche mit möglichen Betreibern und Investoren suchen. Eine Option könnte auch sein, weitere Mittel aus dem „Städtebaulichen Denkmalschutz“ für die Umsetzung der Pläne zu nutzen, meint er.

Zudem gibt es Pläne, eine weitere saisonale Gastronomie am Lindenufer zu entwickeln. Als Fläche wurde ein Bereich nahe dem Parkplatz Stabholzgarten ins Auge gefasst. Denn, so meint Sellerie, „gastronomische Angebote kann man mehr als eins vertragen“.

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