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Coronakrise: Was der Ausfall von Spandaus Festen bedeutet

Bis Ende Juli finden wegen des Coronavirus keine Stadtfeste in Spandau statt. Das trifft Organisator, Künstler und Standbetreiber hart

Das Havelfest in Spandau ist eine wichtige Einnahmequelle für „Partner für Spandau“. Es wurde in diesem Jahr auf den Juli verschoben.  

Das Havelfest in Spandau ist eine wichtige Einnahmequelle für „Partner für Spandau“. Es wurde in diesem Jahr auf den Juli verschoben.  

Foto: Partner für Spandau

Berlin. Im kommenden Monat wäre eigentlich in Spandau die Saison der Stadtfeste eröffnet worden. Seit mehr als zehn Jahren gibt es den sogenannten Brandenburg-Tag, eine Mischung aus Reisemesse und Open-Air mit Bühnenprogramm. Doch der Tag fällt aus, genau wie die geplanten Veranstaltungen im Mai und Juni: das Konzert und Bürgerfest am Maselakepark und das traditionsreiche Spandauer Pfingstkonzert. Organisiert werden sie alle von der Bezirksmarketing-Agentur „Partner für Spandau“. „Das ist unser Geschäftsbetrieb“, sagt deren Geschäftsführer Sven-Uwe Dettmann. „Das geht an die wirtschaftliche Substanz.“

Mit Blick auf die aktuelle Ausbreitung des Coronavirus hat die Agentur entschieden, längerfristig seine großen Veranstaltungen abzusagen. Man brauche, meint Dettmann, in der aktuellen Situation nicht über öffentliche Feste nachdenken, bei denen mehrere tausend Besucher kommen. Hinzu kommen wirtschaftliche Aspekte: „Bei Großveranstaltungen steht ein großer Kostenblock. Wenn ich Dienstleister beauftrage, wollen die bezahlt werden, auch wenn ich am Ende keine Veranstaltungen habe“, sagt er. Sie direkt, mit mehreren Monaten Vorlauf, abzusagen, bedeute den geringeren Verlust.

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Spandauer Stadtfeste sind wichtige Einnahmequelle für Agentur

Am weitesten vorangeschritten war die Planung für den Brandenburg-Tag, der für den 25. April angesetzt war. Die Anmeldung der Teilnehmer, die dort ihre touristischen Angebote für das Berliner Umland präsentieren wollten, sei eigentlich abgeschlossen gewesen.

Jetzt hätte eigentlich der Rest bestellt werden müssen, etwa Techniker und Musiker für das Bühnenprogramm. „Das wäre ein fünfstelliger Betrag an Kosten gewesen“, sagt Dettmann. Das Risiko war dem Unternehmen zu hoch – auch wenn das Veranstaltungsverbot nach aktuellem Stand nur bis 19. April gilt.

Für „Partner für Spandau“ ist die Haupteinnahmequelle der Weihnachtsmarkt, gefolgt von Havelfest und Altstadtfest. Das Havelfest wurde, um die Chancen auf ein Stattfinden zu erhöhen, bereits vom Juni auf das letzte Juli-Wochenende verlegt. „Wir bekommen keine Fördergelder für die Veranstaltungen“, erklärt Dettmann, man sei also auf die Einnahmen von den Festen angewiesen.

Tourist-Information in Spandau hatte kaum noch Besucher

Die Situation trifft aber nicht nur „Partner für Spandau“ als Veranstalter, sondern besonders auch die Menschen, die Stände auf den Festen betreiben und so ihr Geld verdienen. Die beteiligte Brauerei habe erzählt, dass sie im ersten Halbjahr kaum Umsätze erwarte, so Dettmann.

Für manche Standbetreiber sei die letzte Einnahme der Weihnachtsmarkt gewesen. „Es ist eine ganze Branche, die betroffen ist: Künstler, Dienstleister und kleine bis Kleinsthändler.“ Teilweise fehlen einer ganzen Familie die Umsätze. Dettmann berichtet von einem Stand, an dem Vater, Mutter und Tochter arbeiten und Lángos verkaufen.

Ein zweiter Aspekt bei „Partner für Spandau“: die Tourist-Information, die aktuell ebenfalls geschlossen ist. Radverleih, Führungen und Ticketverkauf fallen dort ebenfalls weg, eine Ticketrückgabe soll ab 20. April möglich sein, wenn die Information wie geplant wieder öffnen kann. Schon in der vergangenen Woche waren die Auswirkungen der Corona-Krise dort spürbar: „Letzte Woche sind ein bis drei Besucher am Tag gekommen, es ging gegen Null“, sagt Dettmann.

Aktuell seien alle Mitarbeiter im Home Office. „Wir werden jetzt alle Maßnahmen zur Förderung prüfen und dann sehen, was die nächste Schritte sind“, sagt Dettmann. Dass könne etwa die Kurzarbeit sein. Zudem brauche man Zuwendungen, die nicht auf Kredite. Denn ohne Einnahmen könnten die Unternehmen nur eine gewisse Zeit überleben.