Bauprojekt

Groß-Hostel mit 1300 Betten in Spandau geplant

In Spandau soll ein neues großes Hostel entstehen. Benachbarte Betriebe wehren sich dagegen – scheitern aber erstmal vor Gericht.

Das Gebäude einer alten Textilfabrik in Spandau soll zu einem Hostel mit 1300 Betten umgebaut werden. 

Das Gebäude einer alten Textilfabrik in Spandau soll zu einem Hostel mit 1300 Betten umgebaut werden. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. In Spandau plant ein Investor ein neues, riesiges Hostel – stößt dabei aber auf Widerstand bei den umliegenden Betrieben. 1300 Betten soll das Hostel haben, das in Stresow in einer ehemaligen Textilfabrik entstehen soll und damit zu den größten Berlins gehören würde.

Das umliegende Areal ist als reines Arbeitsgebiet definiert. Darauf beriefen sich auch die drei Unternehmen, die mit Eilanträgen gegen das Vorhaben vorgingen. Die Anträge wurden vom Berliner Verwaltungsgericht nun allerdings zurückgewiesen. Stattdessen entschied das Gericht, das Hostel dürfe „in der geplanten Form errichtet und betrieben werden“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Eines der Unternehmen, die sich vor Gericht zu Wehr gesetzt haben, ist die Berliner Stadtreinigung (BSR), die in etwa 400 Metern Entfernung eine Biogasanlage betreibt. „Die BSR hält den geplanten Bau des Hostels für planungsrechtlich unzulässig und sieht ihre Nachbarrechte, insbesondere das Rücksichtsnahmegebot verletzt“, sagt Unternehmenssprecherin Sabine Thümler. Man befürchte, dass der Betrieb der Biogasanlage eingeschränkt werde, um Lärm- und Geruchsbeeinträchtigungen für das Hostel zu begrenzen.

Gerichtsurteil: Hostel in Spandau verstößt nicht gegen Nachbarrechte der Betriebe

Neben der BSR sind auch die Betreiber eines Asphaltmischwerks sowie einer Binnenschiffswerft gegen das Vorhaben vorgegangen, mit einer ähnliches Begründung. Die Antragssteller seien der Ansicht, ein derart störempfindliches Vorhaben wie der Betrieb eines Hostels sei mit dem Charakter eines reinen Arbeitsgebiets nicht vereinbar, heißt es. Das Projekt sei ihnen gegenüber rücksichtlos.

Das Verwaltungsgericht urteilte in den zwei Eilverfahren anders; gegen die Nachbarrechte der Unternehmen werde nicht verstoßen. Für die BSR wird das mit der Lage ihrer Biogasanlage begründet: Diese befindet sich in einem anderen Baugebiet, schon deshalb könnte die Rechte des Unternehmens nicht verletzt werden, heißt es. Auch mit Blick auf die anderen beiden Betriebe entschied das Gericht, deren Gebietserhaltungsanspruch werde nicht verletzt, weil in einem reinen Arbeitsgebiet „ausdrücklich Gewerbebetriebe aller Art zulässig seien“.

Hostel muss in Spandau Lärm und Geruchsbelästigungen hinnehmen

Für die Betriebe sei künftig nicht mit zusätzlichen Einschränkungen zu rechnen. Zum einen müsse das Hostel Lärm und Geruchsbelästigungen bis zu einem gewissen Grad hinnehmen, zum anderen heißt es in der Mitteilung des Gerichts, dass sich das Hostel mit nicht zu öffnenden Fenster gegenüber Lärm „hinreichend“ abschirmt. Auch die Gefahr, dass das Gebiet durch das Hostel seine Prägung verlieren könnte, sieht das Gericht nicht. Verwiesen wird dabei auf die hohe Zahl großer Betriebe, die es in dem Bereich gibt.

Der Bezirk Spandau hatte bereits im Sommer 2018 die Baugenehmigung und Nutzungsänderung für das Groß-Hostel erteilt, der Bauantrag wurde bereits Ende 2016 gestellt. Zwar hatte das Bezirksamt zunächst einige Punkte in der Planung beanstandet, die seien vom Investor jedoch entsprechend verändert worden. Planungsrechtlich, sagt Spandaus Baustadtrat Frank Bewig (CDU), sei deshalb aus Sicht des Bezirks alles in Ordnung gewesen. Mit der Entscheidung des Gerichts sieht er die Einschätzung des Bezirks bestätigt.

Spandauer Bezirksstadtrat sieht Vorteile, die das Hostel bringen kann

„Das Hostel kann Spandau gut tun, vielleicht jüngere Studenten anziehen, die dann am Ende auch den Bezirk kennenlernen“, sagt Bewig. Auch kleinere Firmen könnten dort Mitarbeiter unterbringen. „Das Gebiet ist außerdem gut erschlossen. Der S-Bahnhof Stresow und die Altstadt sind nicht weit weg“, so der Stadtrat.

Noch ist jedoch nicht endgültig entschieden, ob das Hostel eröffnen kann. Die Unternehmen können gegen die Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einreichen. Die BSR, sagt Sprecherin Thümler, habe seit Bekanntgabe der Baugenehmigung im Juli 2018 bereits „sämtliche zur Verfügung stehenden Rechtsmittel eingelegt“. Ob die Stadtreinigung nun weiter gerichtlich vorgehen will, ist noch nicht entschieden. „Die BSR prüft noch die Begründung des Gerichts. Daher kann derzeit noch keine Aussage zu weiteren Schritten gemacht werden“, so Thümler.

Zudem steht auch noch eine Entscheidung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung aus. Mehrere Nachbarn waren gegen die Baugenehmigung in Widerspruch gegangen. „Das Widerspruchsverfahren ist bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen noch offen und soll bis zur rechtskräftigen Entscheidung über den Bescheid nicht entschieden werden“, erklärt Sprecherin Karin Dietl. Die Verwaltung will demnach zunächst abwarten, ob die Entscheidung der ersten Instanz rechtskräftig wird oder ob noch ein Urteil des Oberverwaltungsgericht folgt.

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