Siemensbahn

Spreebrücke nach Westend: Deutsche Bahn prüft Erweiterung

Im Zuge der Reaktivierung der Siemensbahn wird untersucht, ob die Obere Spreebrücke für Fußgänger und Radfahrer erweitert werden kann.

Von der alten Brücke der Siemensbahn über die Spree ist nur noch ein Teil vorhanden. Eine Reaktivierung der Brücke wird geprüft. 

Von der alten Brücke der Siemensbahn über die Spree ist nur noch ein Teil vorhanden. Eine Reaktivierung der Brücke wird geprüft. 

Foto: Jessica Hanack / Hanack/ BM

Berlin. Die Reaktivierung der Siemensbahn ist zurzeit wohl das Verkehrsprojekt, in das in Spandau am meisten Hoffnung gesteckt wird. Mit ihrer Wiederinbetriebnahme soll sich die Verkehrsverbindung für die Siemensstadt erheblich verbessern. Aber nicht nur tatsächliche Nutzer der Bahn sollen von dem Projekt profitieren: Auch für Radfahrer und Fußgänger soll es Verbesserungen und neue Verbindungen geben.

Das betrifft zum einen die alte Spreebrücke, die von der Siemensstadt nach Westend führt, zurzeit allerdings auf einer kleinen Insel in der Mitte des Flusses endet. Der noch vorhandene Teil ist eigentlich nur für den S-Bahn-Verkehr angelegt. Eine Erweiterung für Fußgänger und Radfahrer ist allerdings nicht ausgeschlossen.

„Im Falle einer Reaktivierung der Oberen Spreebrücke kann das Einbeziehen eines Überweges für Radfahrer und Fußgänger in die bestehenden Bahnanlagen geprüft werden“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage.

Deutsche Bahn prüft Bestandsbauwerke der Siemensbahn

Ob der noch vorhandene Brückenteil allerdings erhalten bleiben kann, ist noch unklar. Die Deutsche Bahn prüft aktuell die Bestandsbauwerke auf der Strecke der Siemensbahn, einschließlich der Eisenbahnbrücken. Auch das historische, rund 800 Meter lange Viadukt in der Siemensstadt wird zurzeit dahingehend untersucht, ob es in Zukunft wieder genutzt werden kann.

„Bei der Oberen Spreebrücke wird geprüft, ob die Fundamente der Brücke die bei Wiederaufnahme des Bahnverkehrs zu erwartenden Lasten tragen und auch, wie lang die zu erwartende Lebensdauer der Brückenlager unter dieser Belastung ist“, erklärt der Bahn-Sprecher weiter. Ein Ergebnis der Untersuchung wird Anfang des kommenden Jahres erwartet.

Bezirksverordnete setzen sich für neuen Brückenschlag für Fußgänger ein

„Sollte das Prüfungsergebnis zeigen, dass die Obere Spreebrücke vollständig neu gebaut werden muss, werden Infrastrukturplanungen des Landes Berlin – auch für Fußgänger und den Radverkehr – selbstverständlich berücksichtigt“, so der Sprecher weiter. Man stehe dazu im Austausch mit dem Land, auch mit dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf habe es bereits Gespräche gegeben.

Einen entsprechenden Antrag für eine neue Rad- und Fußverkehrverbindung zwischen Spandau und Charlottenburg hatte die Spandauer Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Ende 2019 auf Antrag der CDU-Fraktion beschlossen. „Wir können einen weiteren Brückenschlag in unseren Nachbarbezirk Charlottenburg gut gebrauchen“, sagte dazu die verkehrspolitische Sprecherin der CDU, Beate Christ. „Eine ‚Stadt der kurzen Wege‘ bedeutet am Ende für alle mehr Lebensqualität.“

Einen fast wortgleichen Antrag hatte auch die Charlottenburg-Wilmersdorfer Grünen-Fraktion kürzlich in die dortige BVV eingebracht. Er soll Mitte des Monats im Verkehrsausschuss beraten werden.

Brücke am Bahnhof Jungfernheide könnte erweitert werden

Noch eine weitere Brücke wird im Zuge der Siemensbahn-Reaktivierung intensiver betrachtet: die Bahnbrücke am Bahnhof Jungfernheide. Zurzeit gibt es dort zwar die Möglichkeit, für Fußgänger über die Spree zu gelangen, allerdings ist der Überweg nicht barrierefrei. Radfahrer müssen ihre Fahrräder hoch und auf der anderen Seite wieder herunter tragen. Das soll sich, zumindest aus Sicht des Bezirks

Charlottenburg-Wilmersdorf und des Landes, ändern.

„Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz betrachtet den Bahnhof Jungfernheide als wichtigen Verbindungspunkt für zukünftige Radwegeverbindungen“, erklärt eine Sprecherin der Verwaltung auf Anfrage.

„Wir wollen erreichen, dass eine für Radfahrende und zu Fuß Gehende sichere und komfortable Querung über die Spree möglich wird und somit auch barrierefreie Auf- und Abgänge zur Brücke.“

Senatsverwaltung will Gespräch mit der Deutschen Bahn suchen

Auch der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf unterstützt das Vorhaben. „Die momentan bestehende, schmale und nur über Treppen zugängliche Verbindung schließt viele von einer Nutzung aus“, sagt Stadtrat Detlef Wagner (CDU). „Eine neue Querungsmöglichkeit für den Fuß- und Radverkehr vom Bahnhof Jungfernheide über die Spree würde vor allem die Anbindung der Mierendorff-Insel erheblich verbessern.“

Für die Pläne wäre es erforderlich, die vorhandene Bahnbrücke zu erweitern. „Die geplante Reaktivierung der Siemensbahn bietet hierfür eine Chance“, so die Sprecherin der Verkehrsverwaltung. „Hierzu werden wir das Gespräch mit der Deutschen Bahn suchen.“ Inwieweit die Brücke tatsächlich erweitert werden muss, hängt auch von der Trassierung der Siemensbahn ab und ob diese ein eigenes Gleis erhalten soll. Zurzeit gibt es am Bahnhof Jungfernheide zwei S-Bahn-Gleise, die von der Ringbahn genutzt werden.

Unrealistisch ist es aber nicht, dass die Erweiterung kommt. Ende 2019 hatte sich Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, für ein neues Gleis am Bahnhof Jungfernheide ausgesprochen, um Konflikte zwischen Siemensbahn und Ringbahn zu vermeiden. Der Platz sei an der Nordseite des Bahnhofs vorhanden.

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