Grünzüge

Naturschützer kritisieren Pläne für Ausbau des Spree-Radwegs

Initiativen lehnen asphaltierten Weg entlang der Spree in Spandau und Charlottenburg ab. Sie befürchten die Zerstörung von Natur.

Entlang der Spree, bis zur Mündung in die Havel in Spandau, soll künftig der Spree-Rad- und Wanderweg führen. Von Naturschützern gibt es Kritik.

Entlang der Spree, bis zur Mündung in die Havel in Spandau, soll künftig der Spree-Rad- und Wanderweg führen. Von Naturschützern gibt es Kritik.

Foto: Jessica Hanack / Hanack/BM

Berlin. Sie befürchten die Zerstörung eines naturnahen Areals und den Verlust „einer der letzten naturnahen Biotopverbindungen in der westlichen Innenstadt“: Fünf Initiativen haben sich in einem Brief an Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) gewandt und darin die Pläne für den Ausbau des Spree-Rad- und Wanderwegs zwischen Charlottenburg und Spandau kritisiert. Man lehne die „sich anbahnende Zerstörung dieser grünen Oase zum Zwecke des Ausbaus eines faktischen Radschnellwegs ab“, heißt es in dem Schreiben.

Verfasst wurde es vom Berliner Landesverband der Naturfreunde Deutschland, dem Nabu, dem Verein Fuss e.V., dem Berliner Netzwerk für Grünzüge sowie den Grünen Radlern Berlin. „Wir setzen uns seit zehn Jahren dafür ein, dass man zu Fuß und mit dem Rad durch die Stadt kommt, aber eben im Grünen“, sagt Antje Henning vom Berliner Netzwerk für Grünzüge. Und, das ist für sie ein entscheidender Punkt, ohne dafür Natur wegzunehmen.

Erste Planungsergebnisse für Spree-Rad- und Wanderweg im Frühjahr erwartet

Der Ausbau des Spree-Rad- und Wanderwegs ist eine jahrzehntealte Idee, nun will man ihn tatsächlich umsetzen. Die Projektsteuerung für die Abschnitte zwischen der Jungfernheidebrücke in Charlottenburg und der Mündung der Spree in die Havel in Spandau hat das landeseigene Unternehmen Infravelo übernommen, seither wurden – zumindest in der Planung – einige Schritte gemacht.

Für drei Teilbereiche, die alle am Ufer durch Grünzüge oder Kleingartenanlagen führen, wurde im vergangenen Oktober ein Landschaftsarchitektenbüro beauftragt, das sich um die Planung des Geh- und Radwegs sowie der angrenzenden Freiflächen kümmern soll. Im Frühjahr 2020 ist laut Senatsverkehrsverwaltung für die landschaftlichen Bereiche mit ersten Planungsergebnissen zu rechnen.

Planung der Brücke wird in den nächsten Wochen ausgeschrieben

Das zweite Arbeitspaket umfasst die Planungsleistungen für den Weg im Bereich der Straßen und für die neue Spandauer Fuß- und Radwegbrücke, die auf Höhe des Grützmachergrabens entstehen soll. Diese Planungsleistungen werden in den nächsten Wochen ausgeschrieben, heißt es.

Die fünf Berliner Initiativen erklären, dass sie grundsätzlich einen Lückenschluss für den Spreeweg und damit die Herstellung einer durchgehenden Verbindung bis Spandau unterstützen, wenn dabei behutsam vorgegangen wird. Was sie ablehnen, ist der „Verlust an naturnahen, bereits bestehenden Wegen, Versiegelung und Abbau der Natur“. Zwischen der Jungfernheidebrücke und der Straße „Wiesendamm“ in Charlottenburg existiert an der Spree bereits ein, teils schmaler, Uferweg. Im Spandauer Teil ist dagegen noch kein Fuß- oder Radweg vorhanden.

Initiativen befürchten Verdrängung von Fußgängern

Der Weg in Charlottenburg sei ein Stück wilde Natur und habe etwas Entschleunigendes, sagt Henning. „Hier stellen wir uns nur minimale Veränderungen vor, wenn überhaupt“, sagt sie. Einen breiten, asphaltierten Weg wollen sie nicht. Ihre Befürchtung ist, dass entlang der Spree ein weiterer Radschnellweg entsteht, Fußgänger verdrängt werden. „Gerade dort sind bereits parallel mehrere Radschnellwege geplant“, sagt Henning.

Die Senatsverkehrsverwaltung weist die Befürchtung zurück: „Der Spree- Rad- und Wanderweg ist keine Radschnellverbindung, sondern ein touristischer Rad- und Wanderweg und gehört zum Netz der 20 grünen Hauptwege Berlins“, teilt eine Sprecherin mit. Er werde auch künftig von Fußgängern und Radfahrern gemeinsam genutzt werden; mit der Verbreiterung des Wegs sollen Konflikte verringert werden. „Dabei gilt, dass zu Fuß Gehende im Bereich von Grünanlagen auf dem Weg weiterhin Vorrang haben werden.“

Gespräch von Infravelo und Initiativen im Februar

Weiter betont die Sprecherin, dass der Spreeweg einen hohen Erholungswert bieten und gleichzeitig auch für Touristen attraktiv sein werde. „Beim Ausbau des Rad- und Wanderwegs wird bereits bei der Planung darauf geachtet, dass die Eingriffe in Natur und Landschaft so gering wie möglich ausfallen“, sagt sie. Lassen sich Eingriffe nicht vermeiden sind, soll es Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geben, möglichst direkt vor Ort. „Der Rad- und Wanderweg wird auch künftig ein von Grün und Natur geprägter Weg entlang der Spree sein“, so die Sprecherin.

Die unterschiedlichen Ansichten von Initiativen und Verwaltung sollen im kommenden Monat besprochen werden. Für den 12. Februar ist bei der Infravelo ein Gespräch mit dem Naturschutzverband Nabu und dem Berliner Netzwerk für Grünzüge vorgesehen, um diese, heißt es, frühzeitig in die Planung einzubeziehen. Damit wird auch auf den Brief reagiert – verschickt wurde dieser allerdings bereits Ende Oktober.

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